Jetzt jubilieren sie wieder, die Politiker und Medien. Es geht darum, dass sich die Zahl der älteren Arbeitnehmer deutlich erhöht hat. In den letzten 20 Jahren ließ sich eine deutliche Steigerung nachweisen, fand das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg heraus. Es ist eng mit der Bundesagentur für Arbeit verzahnt und forscht aus dem Blickwinkel der theoretischen Arbeitsmarktpolitik. Doch in der Praxis bedeutet der Anstieg von älteren Arbeitnehmern auch mehr Stress für die 60 plus Generation. Wenn Arbeitsplätze abgebaut werden, gibt es keine Vorruhestandsregelungen mehr, die einen einigermaßen würdevollen Ausstieg aus dem Arbeitsleben erlauben. Würdevoll ist in meinen Augen eine Rente, die sich an den geleisteten Jahrzehnten der Beitragszahlung orientiert und nicht, wie heute, die wenigen Monate eines vorzeitigen Bezugs bestraft.
Hier werden “Erfolge” der Arbeitsmarktpolitik zu Lasten der Älteren gefeiert. Wer weiß schon, wieviel Stress es beispielsweise im Verkauf bedeutet, mit über 60 den ganzen Tag im Laden zu stehen und sich im ständigen Wettbewerb mit den Jüngeren beweisen zu müssen? Ich kenne viele Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet haben und nun eigentlichg ganz gerne in den Ruhestand gehen möchten, sich aber die finanziellen Einbußen nicht leisten können. Sie werden häufig in den letzten Arbeitsjahren wegen der hohen Belastung krank. Aber viele von ihnen trauen sich nicht, zuhause zu bleiben und sich auszukurieren, um ihren Arbeitsplatz nicht zu verlieren. Darüber spricht keiner.
Solche Studien bereiten die Menschen darauf vor, dass ihre sogenannte Rentenversicherung bald nichts mehr wert ist, weil die Lebensarbeitszeit so weit angehoben wird, dass etlich vorher sterben.
Warum flexibilisiert man nicht das Renteneintrittsalter und schafft Anreize statt diejenigen zu bestrafen, die nicht mehr mithalten können oder wollen. Schließlich liegt nicht für jeden Menschen die einzige Erfüllung darin, bis zum Umfallen zu schuften.