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Platz in einer Alten-WG muss nicht viel kosten

Es klang wie ein Hilferuf: »Gemeinsam statt einsam … Suche eine Senioren-WG.« Die Kleinanzeige schloss mit den Worten »ich würde mich freuen« und einer E-Mail-Adresse. Ob die Frau Erfolg hatte, wissen wir nicht, er wäre ihr zu wünschen. Mittlerweile lebt jeder dritte Mensch über 65 alleine. Mit dem Alter und der Einsamkeit wächst die Gefahr der Isolation, steigen auch Risiken für die körperliche und geistige Gesundheit.

Wohngemeinschaften könnten eine Lösung sein. Aber wie eine finden, wie herausfinden, ob man nach dem Tod eines Partners, nach dem Auseinanderbröseln einer Familie auch tatsächlich geeignet ist, mit meist zunächst unbekannten Menschen ähnlichen Alters zusammen zu leben, mit eigenem Zimmer, aber gemeinsamem Wohnbereich und gemeinsamer Küche? Die Experimentierfreude steigt mit den Lebensjahren wohl eher nicht, auch wenn diese Lebensform unbestreitbar finanzielle Vorteile hat.

Drei Wohnungen für WG-ler

Interessierte können sich etwa bei Senioren-Netzwerken am Heimatort beraten lassen. Ein konkretes Angebot haben aktuell die diakonischen Ambulanten Dienste von Diakoneo, einem der größten Gesundheits- und Sozialunternehmen in Deutschland. In Zusammenarbeit mit dem Bauträger Schultheiß Projektentwicklung AG ist in Stein bei Nürnberg ein ganz besonderes WG-Modell entstanden.

Vielen etwas Älteren im weiten Umkreis dürfte Möbel Krügel noch ein Begriff sein. In Stein bei Nürnberg war das Stammhaus, doch davon ist so gut wie nichts mehr übrig. Die meisten Gebäude wurden abgerissen, und auf dem rund 2,5 Hektar großen Gelände – das in Erinnerung an die Besitzer des einstigen Möbelhauses »Krügel-Park« heißt – errichtete der Bauträger Schultheiß ein Wohnquartier mit insgesamt 254 neuen Mietwohnungen. Besitzer des Areals ist inzwischen der Immobilien-Investor »Industria«.

Fast ein Drittel der Wohnungen ist gemäß den Richtlinien des geförderten Wohnungsbaus mit preisgünstigen Mieten für Personen mit geringem und mittlerem Einkommen bestimmt. 69 davon hat Diakoneo gemietet – das Unternehmen engagiert sich seit 2018 im sozialen Wohnungsbau, wie Stefan Matz betont, der Leiter der Ambulanten Dienste Nürnberg. Dazu zählen auch die drei 4-Zimmer-Wohnungen, die Diakoneo für Senioren-Wohngemeinschaften gemietet hat und an die WG-ler weitervermietet.

Einziehen darf nach den Worten von Matz nur, wer eine geringe Rente bezieht, konkret: Wer einen Wohnberechtigungsschein (Bezugsschein) für die Einkommensorientierte Förderung (EOF) der Stufen I, II oder III hat, wobei die Stufe I den höchsten Förderbetrag vorsieht. Den Schein bekommt man in der Regel bei den zuständigen Wohnungsämtern.

Was erwartet die potenziellen Mitglieder der WG? Der Krügel-Park nahe am Stadtzentrum hat viele Grünflächen, der Stadtpark ist nah, ebenso das Einkaufszentrum »Forum« sowie Sparkasse, Apotheken, Frisöre, Ärzte und Bushaltestellen. Die drei WG-Wohnungen haben je 173 Quadratmeter Wohnfläche, davon 50 Quadratmeter für einen großen gemeinsamen Wohn- und Essbereich. Die Küche und den Hauswirtschaftsbereich können ebenfalls alle nutzen. Zusätzlich gibt es ein separates Gäste-WC. Die vier privaten Zimmer haben jeweils ein eigenes Bad mit WC und direkten Zugang zu einem der beiden Balkone. Alles natürlich barrierefrei.

Das persönliche Gespräch ist wichtig

Erste Mieter sind schon eingezogen. Wer noch hinzu kommen wird, darüber entscheidet in erster Linie Stefan Matz, der schon viele WGs betreut hat und daher über große Erfahrung verfügt. Zuerst einmal, so betont er, müssen die formalen Voraussetzungen stimmen, also der Wohnberechtigungsschein. Außerdem wird ein hoher Grad an Selbständigkeit verlangt, denn es gibt zwar grundsätzlich Pflege- und Betreuungsmöglichkeiten über den Ambulanten Dienst von Diakoneo, »aber wir bieten kein Betreutes Wohnen«, sagt er.

Nötig sei in jedem Fall das persönliche Gespräch mit Bewerberinnen und Bewerbern. »Der Großteil der Interessenten, die sich gemeldet haben, war sehr offen für eine WG«, sagt Matz. »Sie konnten sich gut vorstellen, mit anderen Senioren in einer Gemeinschaft zusammen zu wohnen.« Bei den Gesprächen habe er »herausgehört, dass viele sich auf die WG freuen, viele kennen das tatsächlich noch aus ihrer Studienzeit und wollen jetzt wieder mit Gleichgesinnten zusammen wohnen.«

Natürlich muss bei den Bewohnern »vor allem die Chemie stimmen«, meint Matz. »Es ist ja, anders als beim Betreuten Wohnen, niemand sonst vor Ort, etwa ein Sozialpädagoge, der im Krisenfall intervenieren könnte.« Deshalb schaue er genau auf das, was er das »Matching« nennt: Er prüft die persönlichen Profile, also, ob die Voraussetzungen gegeben sind, dass die Bewohner miteinander harmonieren. Kleinere Konflikte gebe es immer mal, aber die könne man sachlich im Gespräch lösen. Eine Garantie gebe es freilich nicht. Aber der Diakoneo-Experte hat, wie er betont, schon viele Bewerber-Profile genau angeschaut »und ich habe bisher nur positive Erfahrungen gemacht«. Das heißt aber auch, dass einzelne Bewerberinnen oder Bewerber abgelehnt werden müssen. Damit könne er ebenfalls gut umgehen.

All das hat Stefan Matz zu einem entschiedenen Befürworter von Senioren-Wohngemeinschaften gemacht. Sein Resümee: »Diese Wohnform hat Zukunft.«

Text: Herbert Fuehr
Foto: Westend61 / photocase.de

Information

Interessierte können sich an Stefan Matz wenden, den Leiter der Ambulanten Dienste Diakoneo Nürnberg. Wallensteinstraße 61-63, 90431 Nürnberg, Telefon 0911 30003-0, E-Mail: stefan.matz@diakoneo.de

 

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