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Ehrenamtliche vertreiben die Einsamkeit

Heinz Haselmann und Marika Haag schenken einen Teil ihrer Zeit einsamen Menschen. Sie selbst fühlen sich durch die Begegnungen bereichert.

Nachdem Heinz Haselmann mit der Seniorin Kaffee getrunken und geplaudert hat, begleitet ihn die Dame zur Wohnungstüre und verabschiedet sich herzlich. »Manchmal«, sagt Haselmann, »hat sie ein Tränchen im Auge. Ich bin dann selbst ganz gerührt.« Haselmann ist einer von insgesamt 120 Freiwilligen, die sich beim Häuslichen Besuchsdienst des Seniorenamts der Stadt Nürnberg engagieren. Zweimal pro Woche besucht der 74-Jährige ehrenamtlich zwei Seniorinnen. Mit der einen trifft er sich jeden Dienstagnachmittag; mit der anderen verabredet er zuerst telefonisch Tag und Uhrzeit.

Jeweils gut zwei Stunden Zeit nimmt sich Heinz Haselmann dann – für Gespräche, für ein Gesellschaftsspiel oder für ein kleines Kaffeekränzchen, »und manchmal bin ich einfach da und höre zu«, sagt er. Er habe nach über zehn Jahren beim Besuchsdienst das Gefühl, dass die Alleinstehenden exakt das brauchen: ein wenig Gesellschaft und jemanden, der ein offenes Ohr hat. Ab und an unterstützt Haselmann die Frauen auch bei alltäglichen Aufgaben. Er besorgt Medikamente in der Apotheke oder hilft, wenn ein Behördengang ansteht.

Kontakt zur Außenwelt verloren

Den Besuchsdienst gibt es in Nürnberg seit 41 Jahren. Gegründet wurde er 1983 im damaligen Amt für Altenhilfe (AfA), das beim Sozialamt angesiedelt war. Als das Seniorenamt wenig später gegründet wurde, wurde der Besuchsdienst als eigener Aufgabenbereich integriert. Mithilfe der Ehrenamtlichen – sie sind zwischen 20 und 90 Jahre alt – sollen ältere Menschen, die allein zu Hause leben und häufig nicht mehr so mobil sind, im Alltag etwas abgelenkt werden. Denn viele Ältere verlieren den Kontakt nach außen, wenn sie auf sich gestellt in ihren eigenen vier Wänden sitzen. Das Thema Einsamkeit spiele eine Rolle, sagt Angelika Thiel. Sie ist beim Nürnberger Seniorenamt Ansprechpartnerin, sowohl für die Ehrenamtlichen als auch für die Senioren.

Das Tätigkeitsfeld der Freiwilligen ist abwechslungsreich. Neben den Hausbesuchen gehen sie mit den Älteren spazieren, lesen aus der Zeitung oder aus einem Buch vor und begleiten sie zu kulturellen Veranstaltungen. Ein tiefer Einschnitt waren die Pandemie-Jahre, als gemeinsame Aktivitäten und Besuche nicht möglich waren. Abgebrochen sind die Kontakte aber nicht. »Während Corona habe ich mit den Damen telefoniert und bin für sie einkaufen gegangen. Die Besorgungen habe ich vor die Türe gestellt«, erinnert sich Heinz Haselmann, dessen Ehefrau ebenfalls ehrenamtlich aktiv ist. Sie backt Kuchen und betreut einen Stammtisch für Ältere mit.

Die Besuche sind nicht nur für die Alleinstehenden bereichernd. Auch die Ehrenamtlichen empfinden Freude. »Für mich sind die Senioren ein wandelndes Geschichtsbuch«, erzählt Marika Haag (51). Seit neun Jahren ist sie beim Besuchsdienst und kümmert sich derzeit um eine 83-Jährige. Jeden Montagnachmittag widmet sie ihr zwei Stunden. Häufig blättern die beiden in alten Fotoalben und die Ältere erzählt der Jüngeren von früher. Die Frau habe zwar Familie, aber sie freue sich dennoch über die regelmäßigen Besuche, so Haag. »Durch das Ehrenamt lernt man sich selbst nochmal ganz anders kennen und lernt viel im Umgang mit anderen Menschen«, findet die 51-Jährige. »Manchmal ist man eine Art Kummerkasten, aber das ist für mich völlig okay. Mir gibt es viel, wenn ich merke, dass ich durch das Zuhören den Menschen helfen konnte und sie sich danach besser fühlen.«

Regelmäßige Treffen

Reden und Zuhören können auch die Ehrenamtlichen untereinander. Regelmäßig finden Treffen statt, »und wenn ich ein Problem habe, kann ich mich an Frau Thiel vom Seniorenamt wenden«, sagt Marika Haag, die schon seit vielen Jahren unentgeltlich Menschen und auch Tieren hilft. Es sei ihr ein Bedürfnis gewesen, sich zu engagieren, sagt sie.

Heinz Haselmann entschied sich nach seiner Pensionierung, seine freie Zeit anderen Menschen zur Verfügung zu stellen. Er arbeitete zunächst bei einem kirchlichen Träger mit und merkte schnell, dass ihn die Arbeit mit älteren Menschen erfüllt. Das ist bis heute so geblieben. »Wenn ich nach einem Besuch ins Auto steige, dann denke ich oft: Mensch, das war ein schöner Nachmittag.«

Text und Foto: Melanie Kunze

Information

Sowohl Interessenten und Interessentinnen für das Ehrenamt als auch ältere Menschen, die Besuche möchten, können sich an Angelika Thiel, Referat für Jugend, Familie und Soziales/ Seniorenamt, wenden. Sie ist unter der Telefonnummer 0911 231 6659 erreichbar. Mehr Informationen rund um das Seniorenamt gibt es auch unter www.senioren.nuernberg.de.

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