Mit der Viola da Gamba reiht sich Professor Hartwig Groth (links) in sein Ensemble Alte Musik ein. Foto: Kat Pfeiffer

Klassische Musik zu präsentieren und dabei jungen Künstlern aus der Region ein Forum für ihre Auftritte zu bieten: Das ist das Ziel der Stiftung »Alte Musik – aktuell serviert«. Zwei Jahre nach ihrer Gründung blickt der Initiator, Prof. Hartwig Groth, schon auf eine ganze Reihe erfolgreicher Konzerte zurück. Und er stellt fest: In den Zeiten von Corona ist das Engagement nötiger denn je.

Als der Musikpädagoge die Stiftung im Oktober 2018 ins Leben rief, ahnte Groth natürlich noch nichts von der weltweiten Pandemie. Einer der Beweggründe für sein Engagement war jedoch die prekäre finanzielle Lage vieler freischaffender Künstler – und die hat sich seit Jahresbeginn noch einmal dramatisch verschärft. »Bei manchen Musikern sind die Einnahmen zu 90 oder gar 100 Prozent weggebrochen«, sagt der 67-Jährige, der seit 1982 an der Hochschule für Musik in Nürnberg lehrt. »Da geraten die Betroffenen natürlich auch psychisch unter Druck.« Nicht auftreten zu können, kein Geld zu verdienen, »das rührt ans Selbstbewusstsein«. Die Bezahlung der Künstler, das stellt der Professor klar, ließ aber zuvor schon vielerorts zu wünschen übrig. 

Stiftung stockt die Musiker-Honorare auf

»Für eine Stunde Arbeit ist das aber ganz schön happig.« Diesen Satz müssten sich Musiker, die ein halbwegs angemessenes Honorar einforderten, immer wieder anhören, sagt Groth. »Man ist da ständig in einer Verteidigungsposition.« Dass es aber mit dem Auftritt nicht getan ist, dass Instrumente finanziert und gewartet und Proben organisiert werden müssen, werde häufig nicht gesehen. Dabei fehlt es manchmal gar nicht an der Wertschätzung. Gerade kleinere Veranstalter hätten selbst oft nicht die Mittel für eine bessere Bezahlung. 

Und hier kommt die Stiftung ins Spiel. Sie kooperiert mit örtlichen Veranstaltern. Diese stellen ein eigenes Budget zur Verfügung, das von der Stiftung aufgestockt wird. Damit sollen Honorare gezahlt werden können, die den Richtlinien des Deutschen Tonkünstlerverbandes entsprechen. Voraussetzung für die Zusammenarbeit ist die Gemeinnützigkeit der Kooperationspartner. Bisher hat die Stiftung gemeinsam mit den Nürnberger Kirchengemeinden St. Martha, St. Ulrich/Mögeldorf, St. Bartholomäus/Wöhrd und St. Sebald bereits rund 20 Konzerte und Andachten organisiert. »Mittlerweile haben wir ein treues Stammpublikum«, freut sich Groth.

Nahrung für die Seele

Ein Stammpublikum, das sich jeweils auf ein besonderes Erlebnis freuen darf. »Wir konstruieren Gegenwelten«, sagt Groth, der häufig mit seiner Viola da Gamba mit auf der Bühne steht und den Besuchern »Nahrung für die Seele« bieten will. Zu hören ist Alte und Klassische Musik, vorwiegend aus dem 15. bis 18. Jahrhundert, präsentiert auf originalen (oder nachgebauten) Instrumenten. Jedes Konzert sei einzigartig, »wir spielen zwar alte Werke, geben der Musik aber immer wieder eine neue Gestalt«. Zubereitet werde sie genau für diesen einen Moment, so Groth, der damit auch den Titel der Stiftung erklärt. »Alte Musik – aktuell serviert.« 

Kapital wird ausgeschüttet

Möglich wurde sein Engagement auch dank einer noch relativ jungen Stiftungsform: Bei der sogenannten Verbrauchsstiftung wird das Kapital nach und nach ausgeschüttet, bei einer Mindestlaufzeit von zehn Jahren. Wegen des derzeit niedrigen Zinsniveaus sei das ein Vorteil, betont Claus Löw, Stiftungsberater bei der Sparkasse Nürnberg. Bei der klassischen Form der Stiftung dagegen müsse das eingebrachte Vermögen erhalten bleiben, nur die Erträge werden verwendet. »Wenn ein großes Projekt über einen befristeten Zeitraum finanziert werden soll, ist eine Verbrauchsstiftung die ideale Lösung«, sagt Löw.

Echtes Bürgerengagement

Mittlerweile firmieren 200 Stiftungsfonds unter dem Dach der Stiftergemeinschaft bzw. des Stifterverbunds der Sparkasse, darunter auch die von Hartwig Groth, der das Geld dafür bei vielen verschiedenen Menschen einsammelte. »Dahinter steckt also echtes Bürgerengagement«, sagt der Musiker. Auch viele Studierende der Hochschule für Musik, an der Groth auch im Ruhestand noch unterrichtet, finden so ein Forum für ihre Auftritte. Sollte die Idee auch in zehn Jahren noch viele Anhänger haben, muss Groth sich über eine mögliche Fortsetzung des Engagements keine Gedanken machen. Eine Verlängerung mit Hilfe von Spenden oder einer Zustiftung sei problemlos möglich, so Löw.

Vorerst aber ist die »Alte Musik – aktuell serviert« für weitere neun Jahre gesichert – und Hartwig Groth freut sich auf viele berührende Erlebnisse mit dem Publikum.

Text: Silke Roennefahrt
Foto: Kat Pfeiffer