Anja Engelhardt vom BRK bringt warme Mahlzeiten. Foto: Michael Matejka

Ob Quark, Brokkoli aus der Tiefkühltruhe, Knäckebrot oder ganze Menüs: Seit Ausbruch der Corona-Pandemie lassen sich immer mehr Menschen Lebensmittel nach Hause liefern – gerade auch Senioren. Laut einer im Oktober erschienenen Studie des Digitalverbands Bitkom ist bei den über 65 Jährigen das Angebot von Online-Supermärkten durchaus beliebt. Und immer mehr ältere Menschen bestellen per Telefon fix und fertig zubereitete Gerichte.

Fast jeder dritte Senior (29 Prozent), der das Internet zum Shoppen nutzt, kaufte dort im August Lebensmittel und Getränke. In keiner Altersgruppe war der Anteil höher; bei jüngeren Altersgruppen lag der Anteil durchgängig unter 20 Prozent. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung von 1003 Menschen in Deutschland ab 16 Jahren. 

Kein Schleppen, kein Infektionsrisiko

Ältere Personen nutzen das Internet zwar insgesamt seltener als jüngere. Diejenigen, »die online shoppen, schöpfen die vorhandenen Möglichkeiten aber intensiv aus. Gerade mobil eingeschränkte Personen und Risikogruppen minimieren durch den Service von Online-Supermärkten nicht nur die Gefahr, sich mit dem Corona-Virus zu infizieren, sondern vermeiden auch das Tragen schwerer Tüten und Getränkekisten«, sagt Florian Lange, der bei Bitkom für Handel und Logistik zuständig ist. 

Bei der genossenschaftlichen Vermarktungsgemeinschaft Franken Gemüse aus dem Knoblauchsland, die ihre Waren deutschlandweit verschickt, registriert man dementsprechend eine deutliche Zunahme von 60 bis 70 Prozent bei den Bestellungen. Laut Sophia Kurzmann von Franken Gemüse sind unter den Kunden viele Ältere. Sie legen nicht nur Wert auf frische Ware, sondern auch auf die kontaktlose Lieferung. Wer bis acht Uhr früh geordert und einen Ablageort vereinbart hat, bekommt seine Box mit Gemüse und Obst aus dem Städtedreieck Nürnberg, Fürth, Erlangen schon am nächsten Tag vor die Tür gestellt. Der 73-jährige Max Hartmann und seine Frau Ilse nutzen gerne diesen Service. »Damit sparen wir uns viele lästige Wege, haben mehr Zeit und Kraft für schöne Spaziergänge«, sagt er. 

In manchen Supermärkten kann man sich den gesamten Einkauf zusammenstellen lassen. Rewe zum Beispiel hat aufgrund der gestiegenen Nachfrage in den letzten Monaten seinen Lieferservice und Abholservice stark ausgeweitet. Bundesweit können Kunden Lebensmittel online bestellen und an mehr als 1000 Standorten abholen – auch in der Region. Man kann sich die Waren aber auch nach Hause bringen lassen. »Personen aus Risikogruppen sehen in der Möglichkeit eines Online-Einkaufs von Lebensmitteln einen Vorteil«, sagt Rewe-Sprecher Thomas Bonrath.

BRK verzeichnet einen deutlichen Anstieg

Seit dem Frühjahr hat auch die Zahl der Seniorinnen und Senioren zugenommen, die »Essen auf Rädern« in Anspruch nimmt. Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) in Nürnberg verzeichnet einen deutlichen Anstieg bei der sogenannten Heißverpflegung, also den Mahlzeiten, die fertig zubereitet und warm gebracht werden. »Die Leute haben Angst, vor die Türe zu gehen, weil sie fürchten, sich zu infizieren. Auch die Angehörigen dringen darauf, weil sie sich um ihre Familienmitglieder sorgen«, berichtet Anja Engelhardt vom BRK. 

Das bestätigt auch Hendrik Rosery von der Apetito AG. »Alle Bereiche, die eher einen Lieferservice-Charakter haben, erfahren eine verstärkte Nachfrage. Das Verlangen zu Hause zu bleiben, kommt hier stark zum Tragen«, sagt er. 

Die älteste Kundin ist 105

Beim BRK in Nürnberg, das sein Essen von Apetito bezieht, haben die Kunden täglich die Wahl zwischen sechs Gerichten, darunter auch vegetarische und für Diabetiker geeignete. Vor allem Menschen ab 70 Jahren aufwärts nutzen das Angebot. Die älteste Kundin ist 105 Jahre alt und lebt noch zu Hause – nicht zuletzt, weil sie diesen Service nutzen kann. Denn Einkaufen und regelmäßig ein vollwertiges Essen zuzubereiten, das wäre für die betagte Dame nicht mehr zu schaffen, sie müsste vermutlich ins Heim. So weiß sie aber, dass sie zuverlässig versorgt wird.

Die Bestellung beim BRK erfolgt fast durchgängig analog. Die Kunden rufen beim ersten Mal an und können dann per Bestellzettel für die nächsten Tage ordern. In wenigen Fällen geschieht dies auch per Mail. »Das erledigen dann die Angehörigen. Viele unserer Kunden gehören noch zu einer Generation, die keinen Computer hat“, so Engelhardt. 

Leckeres vom Metzger

Seit Corona haben auch manche Metzger in Nürnberg ihre Lieferdienste ausgebaut. Der Mobile Mittagstisch der Metzgerei Meyer im Nürnberger Stadtteil St. Johannis beispielsweise hat deutlich mehr Zuspruch als vorher. Angefangen hatte alles vor rund zehn Jahren, als mehrere langjährige Kunden aus Altersgründen nicht mehr in den Laden kommen konnten. Ihnen hatte man deshalb die benötigten Lebensmittel und auf Wunsch auch ein warmes Essen gebracht. Zuletzt hatten zwei Fahrer täglich rund 60 Essen in der Nordstadt und St. Johannis ausgeliefert. Seit März stieg die Zahl auf rund 120 Mahlzeiten. »Wir haben einen zusätzlichen Wagen angeschafft und einen dritten Fahrer eingestellt«, berichtet Inhaber Georg Meyer.

Bis zu 600 Essen (inklusive Imbiss und Mittagessen im Laden) werden normalerweise in der 80 Quadratmeter großen Küche zubereitet. »Wir haben drei Köche, jeden Tag wird frisch gekocht« , betont der Chef. Die Kunden geben ihre Wünsche für die nächsten Tage dem Fahrer mit oder bestellen per Email. Seit Ende Oktober geht das auch per App. Ob diese Möglichkeit gut ankommt, gerade auch bei betagteren Semestern, lässt sich aber noch nicht sagen. 

Auf Lieferando fährt die Generation 65 plus weniger ab

Bei modernen Lieferdiensten wie Lieferando, bei denen vorwiegend Pizza, Pasta und Burger online bestellt werden können, sind Senioren hingegen weniger vertreten: 41 Prozent der 16- bis 29-jährigen nutzen diesen Service, aber nur jeder achte Senior ab 65 Jahren (12 Prozent). Auch in vielen Lokalen kann man Essen inzwischen online für zu Hause bestellen. »So halten Restaurants in der Pandemie den Kontakt zu ihren Gästen und kompensieren wenigstens teilweise Umsatzeinbußen«, betont Bitkom-Sprecher Lange. Rund jeder Fünfte (21 Prozent) unter den 16- bis 64-Jährigen hat zuletzt sogar mindestens einmal wöchentlich fertig zubereitetes Essen bei einem Lokal online bestellt. Bei der Generation 65 plus waren es nur sieben Prozent. 

Stamos Karagiabas liefert sein Essen auch außer Haus. Foto: Michael Matejka

Senioren wollen auf den Genuss auch nicht verzichten, greifen aber eher zum Telefon. In der Vereinsgaststätte von Mögeldorf 2000 zum Beispiel, die seit vielen Jahren von Stamos Karagiabas geführt wird und sich zu einem Treffpunkt weit über das Viertel hinaus entwickelt hat, rufen in den letzten Monaten deutlich mehr ältere Kunden an, um Essen nach Hause zu bestellen. »Viele dieser Gäste kommen seit Jahren zu uns. Wenn das plötzlich nicht mehr geht, dann fehlt ihnen etwas«, erzählt Karagiabas. Sie haben deshalb die Möglichkeit, sich Gyros, Zaziki und Co. bringen zu lassen, nur zu gerne genutzt. »Das hat uns während des Lockdowns sehr geholfen, aber auch den Leuten. Sie haben sich dadurch in diesen schwierigen Zeiten ein Stück Normalität bewahrt.« Wer gut zu Fuß oder motorisiert ist, holt sein Essen selbst ab. Für ältere Leute steigt der Chef nicht selten selbst ins Auto. 

Text: Alexandra Voigt
Fotos: Michael Matejka