Bei einigen Wildpilzen ist laut Bundesamt für Strahlenschutz auch 33 Jahre nach Tschernobyl in bestimmten Regionen Bayerns noch Vorsicht geboten. Foto: pixabay

Herbstzeit ist Pilzzeit. Für viele Wanderer ist sin die leckeren Mitbringsel aus den Wäldern mehr als eine willkommene Beigabe des Spaziergangs. Ganz ungetrübt ist der Genuss aber nicht, denn auch mehr als 33 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl sind einige Wildpilze in Teilen Bayerns immer noch mit radioaktivem Cäsium belastet. Das belegen Messergebnisse, die das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) jetzt veröffentlicht hat. Nach dem Bericht liegt die Belastung bestimmter Pilzarten bei bis zu 2.400 Becquerel pro Kilogramm Frischmasse. Wie hoch die Belastung mit Cäsium-137 ist, schwankt sehr stark je nach Pilzart und von Standort zu Standort.

Hier deshalb ein paar detailliertere Informationen für Pilzwanderer, um gezielt auszuwählen. Zu den besonders stark radioaktiv belasteten Pilzarten zählen laut BfS unter anderem Semmelstoppelpilze, Elfenbein- und Braunscheibige Schnecklinge und Maronenröhrlinge. Die höchsten Radiocäsiumgehalte wurden in außergewöhnlich stark belasteten kleineren Waldgebieten im Bayerischen Wald, im Donaumoos südwestlich von Ingolstadt, im Berchtesgadener Land und in der Region Mittenwald ermittelt. Über diesen Gebieten gingen nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl Anfang Mai 1986 Gewitter nieder. Das radioaktive Cäsium aus dem Niederschlag konnte sich dort in den Waldböden längere Zeit halten als beispielsweise auf Ackerböden und wird von einigen Pilzarten aus tiefer liegenden Bodenschichten aufgenommen.

„Cäsium-137 hat eine Halbwertszeit von rund 30 Jahren, darum ist das aus Tschernobyl stammende Cäsium bisher erst etwa zur Hälfte zerfallen“, erklärt Inge Paulini, Präsidentin des Bundesamts für Strahlenschutz: „Aus Sicht des Strahlenschutzes sollte jede zusätzliche Strahlenbelastung minimiert werden. Im Extremfall enthält eine einzelne Mahlzeit dieser Pilze mehr Cäsium-137 als man mit anderen Lebensmitteln aus landwirtschaftlicher Produktion in einem ganzen Jahr zu sich nimmt. Wer seine persönliche Strahlenbelastung so gering wie möglich halten möchte, sollte darum keine stark belasteten Pilzarten aus höher belasteten Regionen essen.“

Verzehr geringer Mengen und Zuchtpilze sind unbedenklich

Wer selbst gesammelte Pilze in üblichen Mengen isst (etwa bis 250 Gramm pro Woche), muss jedoch keine negativen gesundheitlichen Folgen aufgrund der Radioaktivität befürchten. Wildpilze, die im Handel verkauft werden, dürfen den Grenzwert von 600 Becquerel pro Kilogramm Frischmasse nicht überschreiten. Dieser Grenzwert wurde nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl eingeführt. Seine Einhaltung wird von der amtlichen Lebensmittelüberwachung in Stichproben kontrolliert. Zuchtpilze wie der Austernseitling oder der Zuchtchampignon sind nicht radioaktiv belastet und können bedenkenlos gegessen werden.

Das BfS untersucht die radioaktive Belastung wildwachsender Speisepilze im Süden Deutschlands seit 2005 und veröffentlicht die Ergebnisse jährlich. Die Proben werden an typischen Waldstandorten unter anderem nördlich von München, im Bayerischen Wald und im Berchtesgadener Land gesammelt, die häufig von Pilzsammlern aufgesucht werden. Seit 2007 werden auch Proben im südlichsten Teil Sachsens entnommen. Das BfS arbeitet dabei eng mit Pilzexperten zusammen, um sicherzustellen, dass möglichst viele unterschiedliche Pilzsorten bei der Untersuchung erfasst werden. Die Pilzproben werden im Labor getrocknet, gemahlen und mit Germanium-Detektoren unter anderem auf ihren Cäsium-Gehalt untersucht.

Den kompletten Bericht „Radioaktive Kontamination von Speisepilzen“ finden Sie hier: www.bfs.de/pilzbericht.