
Als Kind war mir der Nikolaus eher unheimlich gewesen. Im Kinderheim war er in Begleitung von Knecht Ruprecht bzw. mit einem finsteren Krampus aufgetreten. Der hatte zwei Säcke mitgeschleppt. Aus dem kleineren kamen Geschenke für die Braven. Der Krampus hätte mich locker in den anderen, bedrohlich geräumigen Sack stecken können; vollauf berechtigt, wegen meines akkumulierten Sündenregisters. Doch im Zuge der Globalisierung scheint mir das Gespann aus Nikolaus, Rupprecht, Rentieren und sonstigem Personal heute wesentlich friedlicher gestylt. Meine beobachteten Nikolausauftritte in Asien oder Lateinamerika entbehren jener Drohkulisse; selbst Gedichte müssen die Kleinen dort nicht mehr aufsagen – was hätte ich damals um so eines milden Tokyo – oder Atlanta-Nikolaus gegeben! Mein später Dank geht an jene Werbefuzzis, die dieses rundum angenehme Bild eines Seniors interkontinental verbreiten. Hat doch ihre positiven Seiten, die Globalisierung.
Ihr Global Oldie





2 Antworten
So habe ich das noch nie gesehen. Der Nikolaus als positives Beispiel für ein gelungenes Altern, oder besser die Überwindung des Alterns.
Dass inzwischen das Positive beim Nikolaus überwiegt ist daher vieleicht Altrsmilde?
das Vertrackte an dem gemütlichen Alten auf dem Rennschlitten ist – er könnte auch schon an milder Demenz leiden. Da wäre eine gewisse Verwirrung seiner Identität; bringt er nicht St. Nikolaus, Weihnachtsmann, Christkind und Erfrischungsbrausezulieferer durcheinander? Sein Vokabular wirkt bisweilen stark reduziert; sein Benehmen und Bekleidung lassen Raum für begründete Sorge ob seiner vollen Zurechnungsfähigkeit. Haben wir nicht schon genug Ärger mit irrenden Senioren am Steuer wesentlich leichter zu beherrschender Gefährte? Sei’s drum, der Nikolaus wird so gesehen dann auch noch zum Sendboten der absonderlichen Alten; ein wandelnder Aufruf zur Toleranz und Akzeptanz der Andersartigkeit.