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Nur aufgewärmte Kost im öffentlichen Fernsehen

Danke. Man muss auch mal danke sagen können. Mein ausdrücklicher Dank richtet sich hier und heute an den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk, der uns ein unvergleichliches Fernsehjahr geboten hat. Besonders wir Senioren waren überaus zufrieden. Durch die immerwährenden Wiederholungen alter Filme hatten wir nicht nur täglich schöne Wiedererkennungsmomente, sondern auch die Zusammenhänge im Handlungsgeschehen wurden uns endlich klar. Jüngere Zuschauer, denen zwar mehrfach Gesendetes noch neu war, deren Sinn jedoch nach härterer Kost stand, kamen voll auf ihre Kosten. Krimis auf allen Kanälen! Taffe Ermittler, die trotz massiver Probleme im Privatleben jeden Verbrecher seiner gerechten Strafe zuführten, wurden ihnen so vertraut wie liebe Bekannte. Angenehm übrigens auch, dass inzwischen nicht nur Männer dem harten Beruf eines »Bullen« nachgehen, sondern auch mehr und mehr vorwiegend langhaarige wie langbeinige Damen unerschrocken diesen Job erledigen. So sieht Gendern aus bei den Fernsehanstalten. Bravo.

Der tapfere Bergretter

Nicht zu vergessen die Serien! Auch hier ein herzliches Dankeschön! Irgendwie herzerfrischend zu sehen, wie der »Bergdoktor« seine neue blonde Freundin anhimmelt, während der erfahrene Zuschauer längst weiß, dass diese sich anbahnende Beziehung später im Chaos endet. Herzerweichend, noch einmal die Anfänge der verheißungsvollen Liebesbeziehung zwischen Markus, dem tapferen »Bergretter« und Katharina, der jungen Ärztin, am Bildschirm mitzuerleben, auch wenn das traurige Scheitern des Paares hinlänglich bekannt ist. In »Frühling« ist Mark abserviert und Jan unter Anteilnahme des Fernsehpublikums gestorben, nichtsdestotrotz wieder präsent und in alter Frische zu bestaunen. Und so weiter und so fort.

Aber wir wollen nicht unbescheiden sein. Welche Ansprüche können wir für schlappe 18,36 Euro pro Monat Rundfunk- und Fernsehgebühren schon stellen? Machen wir uns bewusst: Nicht nur Autoren und Schauspieler wollen bezahlt sein, auch das Personal der Anstalten muss ein Gehalt beziehen. Das ist kümmerlich genug, wie im Sommer am Beispiel der RBB-Intendantin Schlesinger offenbar wurde. Sagen wir also »danke« für das Gebotene und meckern nicht herum.

Eines wäre noch anzumerken: Sportmuffel haben in ARD und ZDF nichts verloren. Basta. Männerfußball, Frauenfußball, Basketball, Tennis, Skifahren, Leichtatlethik, Radrennen, Bauchtanz (ist das ein Sport????), Beachvolleyball, Reiten, Schwimmen, Biathlon… Das muss man als gesunder Mensch einfach mögen. Hier folgen die Öffentlich-Rechtlichen ihrem erzieherischen Auftrag. Mit Erfolg: Viele Millionen Menschen an den Bildschirmen bangen und jubeln lange Nachmittage und Abende mit den Athleten. Der Sport-resistente Rest, vorwiegend weiblich, darf sich in Toleranz üben (in dieser Zeit vielleicht gemächlich spazieren gehen). Immerhin gibt es zum Trost hin und wieder Rosamunde Pilcher. Ach, das herrliche Cornwall, man kann sich nicht satt sehen! Und diese reizenden jungen Leute, die sich nach kurzer Begegnung unsterblich ineinander verlieben! Wie wohl das tut!

Nun warten wir auf das liebgewonnene Programm an den Weihnachtsfeiertagen. Gerade weil wir ahnen, was uns beschert wird, ist die Vorfreude um so größer. Manche Filme sind uns so bekannt, dass wir die Texte mitsprechen können. Das macht Spaß. Und ohnehin ist uns in diesen unsicheren Zeiten das Vertraute so wichtig wie nie.

Im neuen Jahr, das wissen wir, werden wir alle den Gürtel enger schnallen müssen. Aber um Euch, liebe Öffentlich-Rechtliche-Rundfunk- und Fernsehmacher, ist uns nicht bang. Ihr müsst Euch nicht in Unkosten stürzen und teure neue Streifen drehen. In Euren Archiven lagern Tausende und Abertausende von Filmen von der Stummfilmzeit bis heute. Statt aufwendige Neuproduktionen auf den Weg zu bringen, geht Ihr hinein in Eure Schatzkammer und fördert Bewährtes zutage. Unsere Begeisterung und unser Dank sind Euch gewiss.

Text: Brigitte Lemberger
Zeichnung: Sebastian Haug

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