Im Online Vortrag gibt es Infos zu Behandlungsmethoden bei Verletzungen am Sprunggelenk. Foto: Bild von wal_172619 auf Pixabay

Es ist schnell passiert: zum Beispiel beim Joggen, Fußballspielen oder durch eine bloße Unachtsamkeit. Ein einziger Moment, der Fuß knickt um, das Sprunggelenk ist verletzt.Der digitale Rummelsberger Gesundheits­Talk in Kooperation mit dem Magazin sechs+sechzig hat das Thema: Bei Arthrose & Verschleiß das Sprunggelenk gelenkerhaltend therapieren. Am Mittwoch, 1. Juni, 18.30 Uhr, gibt Prof. Dr. Martinus Richter, Chefarzt der Klinik für Fuß-und Sprunggelenkchirurgie, einen Überblick. Im moderierten Chat beantwortet der Gelenk­experte Fragen aus dem Teilnehmerkreis. Anmeldung zur kostenlosen Veranstaltung über Zoom bis 30. Mai 2022 per Mail an: info@magazin66.de

Prof. Dr. Martinus Richter, Chefarzt der Klinik für Fuß-und Sprunggelenkchirurgie am Krankenhaus Rummelsberg, hat ein spezielles Verfahren entwickelt, um gelenkerhaltend zu operieren, wenn das Sprunggelenk und seine Bänder dauerhaft Schmerzen machen.

Herr Prof. Dr. Richter, warum haben so viele Menschen Probleme mit den Sprunggelenken?

Ursache der Beschwerden im oberen Sprunggelenk sind immer instabile Außenbänder. Hauptverantwortlich dafür ist ein simples Umknicken – das passiert allein in Deutschland rund 10.000 Menschen pro Tag. Es ist eine kleine Verletzung, die meist scheinbar problemlos abheilt. Doch oft sind anschließend die Bänder ein bisschen zu lang und die Stabilität im Gelenk geht verloren. An der inneren oder äußeren Kante des Sprungbeins wirken in der Folge vermehrte Scherkräfte auf den Gelenkknorpel. Der Knorpel wird dadurch geschädigt und nutzt sich ab. Die Gelenkschleimhaut entzündet sich, die Menschen bekommen Schmerzen. Auch eine Fehlstellung der Ferse kann Ursache für diese Probleme sein. Wenn die Ferse zu weit nach innen steht, werden die Bänder ebenfalls zu stark belastet. Für eine genaue Diagnose dieser Fehlstellung arbeiten wir übrigens mit modernster Technik. Das sogenannte HiRise ermöglicht eine dreidimensionale Röntgenaufnahmen im Stehen. Ein 3D-Scan dauert dabei gerade mal 34 Sekunden.

Wer ist besonders betroffen? Spielen Alter oder Geschlecht bei den Problemen im Sprunggelenk eine Rolle?

Es gibt Gruppen, bei denen das Risiko erhöht ist. Dazu gehören Fußballspieler, denn Fußball ist eine Sportart, bei der man oft umknickt. Fast alle Profi-Fußballer haben kaputte Sprunggelenke. Auch Läufer sind stärker gefährdet. Alter oder Geschlecht spielen keine Rolle.

Kann man vorbeugen, etwa, indem man sich nach jedem Umknicken besonders schont?

Nein, vorbeugen kann man nicht. Man bemerkt die Probleme erst, wenn sie da sind. Schmerzen treten erst viel später auf, nämlich dann, wenn sich der Knorpel abgenützt hat und eine Entzündung der Gelenkschleimhaut entstanden ist. Man spricht dann von einer sekundären Arthrose, die durch das Umknicken entstanden ist. Weltweit haben eine Milliarde Menschen diese Diagnose.

Und wenn die Probleme erst einmal da sind, hilft nur eine Operation?

Ja, aber es ist eben erfreulicherweise meistens möglich, gelenkerhaltend zu operieren. An unserer Klinik haben wir ein spezielles Verfahren entwickelt und führen weltweit die meisten gelenkerhaltenden Operationen dieser Art durch. Der geschädigte Knorpel wird dabei so weit entfernt, bis der umgebende Knorpel stabil ist und keine Schädigung mehr aufweist. Dann ersetzen wir das Kollagengerüst durch Kollagen, das aus dem Darm des Schweizer Hausschweins gewonnen wird – dessen DNA ist zu 95 Prozent mit der des Menschen identisch, da gibt es keine Abstoßungsreaktionen. Die Knorpelzellen wiederum werden durch Stammzellen ersetzt, die aus dem Blut des Patienten gewonnen werden. Mit dieser Methode haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht, sie hat sich weltweit durchgesetzt.

Funktioniert die Methode nur am Sprunggelenk? Oder wird sie auch bei anderen Eingriffen eingesetzt?

In der Klinik für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie wenden wir das Verfahren jetzt auch bei Operationen am Großzehengrundgelenk an. Der Knorpelersatz ist allerdings sehr teuer und wird von den Krankenkassen nicht bezahlt. Wir geben aber nur einen Teil der tatsächlichen Kosten an den Patienten weiter, der Eigenanteil liegt bei rund 500 Euro.

Aber vermutlich ist es mit der Operation allein noch nicht getan. Wie geht es danach weiter?

In den ersten sechs Wochen nach dem Eingriff ist nur eine Teilbelastung des Sprunggelenks möglich. Der Patient bekommt eine Orthese und Unterarmgehstützen – und zwar schon vor der Operation. So kann der Umgang mit diesen Hilfsmitteln im Vorfeld bereits geübt werden. Nach den sechs Wochen erfolgt noch eine Gangschulung.

Interview: Silke Roennefahrt

Foto: TKH / Uwe Niklas