Gerade in höherem Alter leiden viele Menschen an Bluthochdruck. Was man dagegen tun kann und welche Therapien es gibt, darum geht es beim digitalen Arzt-Patienten-Gespräch am Donnerstag, 9. Juni, ab 18.30 Uhr. Prof. Dieter Ropers, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Medizinischen Klinik für Kardiologie und internistische Intensivmedizin am St. Theresien-Krankenhaus Nürnberg, hält einen Impulsvortrag. Im moderierten Chat beantwortet der Herzspezialist Fragen aus dem Teilnehmerkreis. Anmeldung zur kostenlosen Veranstaltung in Kooperation mit dem Magazin sechs+sechzig über Zoom bis 7.6.2022 per Mail an: 
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Es ist eine leise, oft übersehene Gefahr, mit der etwa 40 Prozent aller Menschen in Deutschland konfrontiert sind: Bluthochdruck, von Medizinern Hypertonie genannt. »Die Hälfte der etwa 16 Millionen Betroffenen ahnt gar nichts von ihrem Bluthochdruck. Von den acht Millionen, die davon wissen, lassen sich nur vier Millionen behandeln. Und davon wiederum sind nur zwei Millionen gut eingestellt«, fasst Prof. Dr. Dieter Ropers, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Medizinischen Klinik für Kardiologie und internistische Intensivmedizin am St. Theresien-Krankenhaus Nürnberg, die Problematik zusammen. Wen diese Zahlen immer noch nicht beeindrucken: Bei den über 70-Jährigen leiden drei von vier an einer Hypertonie.

Eine fatale »Bestandsaufnahme«, denn unbehandelt kann hoher Blutdruck auf Dauer Organe und Gefäße schädigen und schwere Folgeerkrankungen nach sich ziehen – zum Beispiel Schlaganfall, Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt, Herzinsuffizienz oder Nierenschäden. »Bluthochdruck ist aber auch eine vermeidbare Ursache für die Entwicklung einer Demenz«, gibt Ropers zu bedenken. Je länger der Bluthochdruck nicht behandelt wird und je höher die Werte sind, desto schwieriger ist die Volkskrankheit zu behandeln.

Tückisches Gefühl

Der Blutdruck wird in der Einheit »Millimeter Quecksilbersäule« gemessen, kurz mmHg. Der obere, systolische Wert misst den Druck beim Herzschlag, wenn sich also der Herzmuskel zusammenzieht und sauerstoffreiches Blut in die Gefäße pumpt. Der untere, diastolische Wert misst den Druck, wenn der Herzmuskel erschlafft. Zeigt das Blutdruckmessgerät häufiger Werte von mehr als 140/90 an, sollten Betroffene hellhörig werden. Denn besonders tückisch ist, dass sich viele Menschen mit einem höheren Blutdruck wohlfühlen. »Sie sind mit einem systolischen Wert von 150 oder 160 erst so richtig auf Betriebstemperatur, sie sind gut drauf und fühlen sich belastbar«, schildert der Kardiologe.

Die Therapie wird deshalb für den Patienten, aber auch für den Arzt zu einer Herausforderung. Wenn durch Medikamente der Blutdruck systolisch um 30 bis 40 mmHg sinkt, fühlen sich die Betroffenen müde, schlapp und antriebslos. »Das ist schon ein tiefes Tal, durch das die Patientinnen und Patienten anfangs für einige Wochen gehen«, gibt der Chefarzt zu. Nicht wenige geben in dieser Phase auf, nehmen die Tabletten nicht mehr ein, holen sich aber dennoch regelmäßig die Rezepte, um den Arzt nicht zu enttäuschen. Auf der anderen Seite überlegt der behandelnde Mediziner, ob er die Wirkstoffe richtig gewählt oder zu niedrig dosiert hat – bis er sich dann fragt, ob der Patient die Medikamente überhaupt einnimmt. »Es ist wirklich eine Kunst, als behandelnder Arzt hier den Patienten mitzunehmen«, sagt Ropers.

Wie entsteht Bluthochdruck? Zu den Risikofaktoren zählen Übergewicht, Rauchen, zu wenig Bewegung oder Stress. Mit zunehmendem Alter lässt zudem die Elastizität der Gefäße nach, was den Blutdruck in die Höhe treibt. Aber die eigentliche Ursache ist in 90 Prozent der Fälle nicht eindeutig zu klären. Essentielle oder idiopathische Hypertonie lautet dann die Diagnose. Beim kleinen Rest der Patienten kann zum Beispiel ein übermäßiger Gebrauch von Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder Diclofenac die Ursache sein – die Nieren nehmen Schaden, als Folge klettert der Blutdruck.

Bis zu drei Wirkstoffe

In der Therapie werden heute über alle Patientengruppen hinweg meist Kombinations-Präparate eingesetzt, die in einer Tablette bis zu drei Wirkstoffe vereinen. Als Zielbereich gilt ein systolischer Wert zwischen 120 und 130. Oft könnten Hochdruck-Patienten auf ihre Medikamente verzichten oder sie wenigstens reduzieren. Der Kardiologe zählt auf: Drei bis vier Kilogramm weniger Körpergewicht senken den Blutdruck um etwa 10mmHg. Den Salzkonsum zu reduzieren, macht fünf bis acht mmHg aus. Regelmäßige, ausdauernde Bewegung – etwa Radeln, Schwimmen oder Walken – schlägt ebenfalls mit fünf bis acht Hg zu Buche. »Bluthochdruck ist kein Schicksal, jeder kann durch Prophylaxe und sein persönliches Verhalten viel erreichen«, sagt der »Professor fürs Herz«. Unter diesem Titel informiert Ropers mit einem Podcast regelmäßig über Themen rund um das wichtigste Organ des Menschen – zu finden unter anderem auf der Homepage www.theresien-krankenhaus.de. Und Zuhören sorgt ja auch für Entspannung!

Text: Karin Winkler/ Foto: St. Theresien-Krankenhaus

Unser Foto zeigt Prof. Dieter Ropers vom St. Theresien-Krankenhaus Nürnberg