Dauerschmerzen durch Verschleißerscheinungen müssen nicht sein. Es existieren verschiedene Therapieansätze bis hin zur OP. Dr. Andreas Mauerer, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie am St. Theresienkrankenhaus Nürnberg, spricht am 14. Dezember ab 17 Uhr, über Chancen durch ein künstliches Knie- oder Hüftgelenk. Das Gespräch mit dem Mediziner in Kooperation mit dem Magazin sechs+sechzig findet online über »Zoom« statt. Die Teilnahme ist kostenlos. Es besteht die Möglichkeit, im moderierten Chat Fragen an den Mediziner zu stellen. Den Zugang zu Zoom erhalten Sie rechtzeitig vor der Veranstaltung.

Anmeldung bis zum 8. Dezember per Mail an: info@magazin66.de 

Arthrose ist eine der häufigsten Ursachen für den Einsatz von künstlichen Gelenken, führt sie doch mit zunehmendem Alter oft zu einer Degeneration der natürlichen Glieder. Schon der Gedanke an solch einen Eingriff ist für viele Betroffene mit Ängsten verbunden – umso mehr, wenn es weitere Erkrankungen wie Diabetes, Herzerkrankungen oder Bluthochdruck gibt. Am St. Theresien-Krankenhaus Nürnberg arbeiten deshalb verschiedene Kliniken des Hauses zusammen. So erhalten Patienten nicht nur eine Rundum-Versorgung vor und nach einer gelenkersetzenden OP, auch die Regenerationszeit lasse sich somit verkürzen, erklärt Dr. med. Andreas Mauerer. Er ist Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie am Theresien-Krankenhaus, an dem jährlich zwischen 250 und 300 derartige Operationen durchgeführt werden.

Herr Dr. Mauerer, wieviel Prozent der Patienten, die ein künstliches Gelenk an Knie oder Hüfte benötigen, haben Vorerkrankungen?

Bei uns in der Klinik sind das die meisten. Degenerative Erkrankungen nehmen nun einmal im Alter zu. Wie auch andere Erkrankungen.

Wie genau kann bei einem solchen Eingriff der interdisziplinäre – also klinikübergreifende – Ansatz Wirkung zeigen?

Der interdisziplinäre Ansatz hilft nicht nur bei Vorerkrankungen, etwa wenn jemand wegen einer Herzerkrankung Blutverdünner nehmen muss. Er sorgt auch für schnelle Hilfe bei auftretenden Schwierigkeiten wie einem Herzinfarkt oder einer Lungenentzündung. Je älter die Patienten sind, umso mehr Vorerkrankungen haben sie, die zu Komplikationen führen können. So etwas lässt sich im Vorfeld vielleicht optimieren, aber nicht aus der Welt schaffen. Das muss dann schnell interdisziplinär behandelt werden – und dafür haben wir die entsprechenden Experten vor Ort. Der Patient muss also nicht verlegt werden. Wir können ihn am St. Theresien-Krankenhaus ganzheitlich behandeln.

Warum empfehlen Sie trotz aller Risiken einen solchen Eingriff?

Jeder Eingriff ist mit einem Risiko verbunden. Operiert wird nur, wenn es nicht mehr anders geht. Wenn der Patient so eingeschränkt ist, dass er im täglichen Leben nicht mehr zurechtkommt und zum Beispiel nicht mehr selbst einkaufen oder spazieren gehen kann, dann ist der Leidensdruck oft groß. Ist die konservative Therapie bereits ausgeschöpft, gibt es nach heutigem Stand keine Alternative zur Operation mehr. Klärt man die Patienten allerdings gut auf – ich glaube, das ist auch das Entscheidende – kann man ihnen viel Verunsicherung nehmen.

Welche Befürchtungen sind bei den Menschen mit einem solchen Eingriff verbunden?

Nicht wenige Menschen haben Angst vor der Narkose, befürchten beispielsweise, dass sich dadurch eine dementielle Entwicklung verstärken könnte. »Glauben Sie, ich wache wieder auf – ich bin ja schon 92«, werde ich auch manchmal gefragt. Das Alter an sich ist jedoch nicht der limitierende Faktor. Bei einem fitten 92-Jährigen kann eine solche OP mit weniger Risiken behaftet sein als bei einem massiv vorerkrankten 65-Jährigen. Das kann man nicht pauschalieren. Manche Patienten haben aber auch Angehörige zu versorgen. Die fragen sich dann: Wie schaffe ich das nach der Operation?

Wie geht es denn nach der Operation weiter?

Dafür arbeiten wir mit unserem Sozialdienst im Haus zusammen, der im Vorfeld einer OP die Situation jedes Patienten beleuchtet. Der Sozialdienst wird standardmäßig eingeschaltet, wenn an unserem EndoProthetikZentrum eine Versorgung mit einem Kunstgelenk geplant ist. So können passende Konzepte für weitere Behandlungen oder die anschließende Reha erarbeitet werden. Wer in der Metropolregion wohnt und entsprechend fit ist, kann oft ambulant seine Reha absolvieren. Patienten, die außerhalb wohnen oder vorerkrankt sind, werden in der Regel von der Klinik direkt in die stationäre Reha verlegt. Ebenfalls in unserem Haus bieten wir stationär eine geriatrische Reha an, die pflegebetonter ist und mehr auf seniorengerechte Angebote setzt. Der Vorteil ist, dass wir Operateure dann noch einen Blick auf die Patienten haben können.

Fragen: Anja Kummerow
Foto: St. Theresienkrankenhaus