Das Klinikum Nürnberg hat sich schon früh um das Thema Post-COVID gekümmert und für betroffene Mitarbeitende sowie Patienten eine ambulante Post-COVID-Sprechstunde eingerichtet. Nun ist seit 10. Januar 2022 ein weiteres Angebot hinzugekommen. An der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie sowie an der Klinik für Innere Medizin, Schwerpunkt Geriatrie, wurden tagesklinische Plätze speziell für Post-COVID-Patienten eingerichtet.

Müdigkeit, Kurzatmigkeit, eingeschränkte Leistungsfähigkeit – noch Monate nach einer Erkrankung mit COVID-19 leiden manche Betroffene an den Folgen. Die Post-COVID-Erkrankung ist eine anhaltende Komplikation nach einer Corona-Infektion. Erschöpfung und verminderte Leistungsfähigkeit führen bei den Betroffenen zu eingeschränkter Lebensqualität. „Die Betroffenen finden nicht mehr in den Tagesrhythmus, fühlen sich erschöpft und müde, der Körper läuft unter Dauerstress“, schildert Prof. Dr. med. Christiane Waller, Chefärztin der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Klinikum Nürnberg.

Der Weg zum neuen tagesklinischen Angebot für Post-COVID-Patienten am Klinikum Nürnberg führt über den Hausarzt und eine Überweisung.

Prof. Dr. med. Markus Gosch, Ärztlicher Leiter der Klinik für Innere Medizin 2, Foto: Jasmin Szabo / Klinikum Nürnberg

Bei den älteren und oft schon mehrfach vorerkrankten Patientinnen und Patienten, die mit Post-COVID in die Tagesklinik zu Prof. Dr. med. Markus Gosch kommen, geht es vor allem darum, sie nach der Erkrankung wieder zu mobilisieren. „Sie sollen so weit wie möglich wieder an ihr Leben vor der COVID-Erkrankung anknüpfen können“, sagt Prof. Dr. med. Markus Gosch, „beispielsweise wieder selbst Einkaufen gehen“. Ziel sei, die Selbstständigkeit und die Lebensqualität der Betroffenen wieder zu verbessern.

Die Geriatrischen Tageskliniken am Klinikum Nürnberg bieten diesen Patienten ein multiprofessionelles und interdisziplinäres Therapiekonzept, das auch auf die seelischen und sozialen Bedürfnisse der Patienten eingeht. Das sei besonders wichtig, weil es unter den erkrankten Senioren besonders viele Patientinnen und Patienten gäbe, die die Corona-Pandemie in vielerlei Hinsicht sehr hart getroffen habe, sagt Prof. Dr. med. Markus Gosch. „Sie haben Angehörige, Freunde, Nachbarn verloren und müssen oft mit Einsamkeit zurechtkommen. Kommen dann noch dauerhaft Post-COVID-Symptome hinzu, ist das sehr belastend und verkürzt die Lebenserwartung“, so Gosch. „Wir möchten ihnen helfen“.

Weil sich die Anfragen und Fälle in ihrer Ambulanz zuletzt häuften, hat Waller gemeinsam mit Prof. Dr. med. Markus Gosch, Chef der Klinik für Innere Medizin 2, Schwerpunkt Geriatrie, und Prof. Dr. med. Jochen Ficker, Chef der Klinik für Innere Medizin 3, Schwerpunkt Pneumologie, das neue tagesklinische Angebot am Klinikum Nürnberg auf den Weg gebracht: Patientinnen und Patienten mit Post-COVID Symptomen werden dort während der drei- bis vierwöchigen Verweildauer von Fachleuten interdisziplinär und multimodal begutachtet und therapiert. „Zunächst schließen wir aus, dass andere körperliche Ursachen wie beispielsweise eine schwere Erkrankung, die sich im Körper unbemerkt entwickelt, Ursache der Beschwerden sind “, sagt Prof. Dr. med. Markus Gosch. Im Zuge der Zusammenarbeit mit anderen Fachabteilungen im Klinikum Nürnberg übernimmt zum Beispiel die Abteilung für Physikalische Therapie der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie einen der Schwerpunkte der Behandlung: mit speziellen physiotherapeutischen, ergotherapeutischen und logopädischen Programmen werden die körperlichen Fähigkeiten wiederhergestellt und damit die Patienten*innen aus ihrem Tief geholt.

Im Zentrum der Behandlung: Stressreduktion und körperliche Aktivierung. „Für die Betroffenen waren die vergangenen Monate ja eine Dauerausnahmesituation“, sagt Prof. Dr. med. Christiane Waller, „Stressreduzierende Maßnahmen in Kombination mit Kraft-, Ausdauer- und Gedächtnistraining fördern die Ausheilung der Symptome. Wir haben Verfahren etabliert, mit denen der Stresslevel über die Bestimmung von oxidativem Stress im Blut überprüft werden kann.“ Dafür arbeitet die Klinik von Prof. Dr. med. Christiane Waller mit der sogenannten psychoneuroimmunologischen Diagnostik. „Wir untersuchen unter anderem das Blut der Betroffenen und können sehen, ob die Zellen noch unter Stressbelastung stehen“, erklärt Prof. Waller. „Wenn die Werte für den Sauerstoffstress während des Aufenthalts besser werden, sehen wir, dass die Therapie anschlägt“. Mit angeleiteten Kraft- und Ausdauertrainings werden die Patientinnen und Patienten parallel auch körperlich wieder fitter gemacht. „Ziel des Aufenthalts in der Tagesklinik ist es, Post-COVID auszuheilen“, betont Prof. Dr. med. Christiane Waller.

Unser Aufmacherfoto zeigt Prof. Dr. med. Christiane Waller, Ärztliche Leiterin der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Klinikum Nürnberg Foto: Rudi Ott / Klinikum Nürnberg