Bergfinken ziehen im Winter durch Bayern und machen auch in Mittelfranken Station. Foto: Ralph Sturm, LBV

Seit vier Jahren fliegt der Haussperling in Bayern auf den ersten Platz bei der „Stunde der Wintervögel“ von LBV (Landesbund für Vogelschutz) und NABU (Naturschutzbund Deutschland), obwohl er europaweit im Bestand abnimmt. Auf den Spitzenreiter Spatz folgen Kohlmeise (2.) und Feldsperling (3.).

Insgesamt haben die über 34.300 bayerischen Teilnehmer*innen aus mehr als 24.100 Gärten knapp 802.400 Vögel während des verlängerten Dreikönigswochenendes gezählt und dem LBV gemeldet. Dies ist die zweitbeste Teilnahme in der 17-jährigen Geschichte der Mitmachaktion Stunde der Wintervögel nach der Rekordbeteiligung von 40.400 Teilnehmer*innen während des Corona-Lockdowns im vergangenen Jahr.

Im Schnitt wurden dieses Jahr 33 Vögel pro Garten gemeldet. Die Teilnehmer*innen der Mitmachaktion sehen damit rund zehn Vögel weniger als noch vor zehn Jahren in ihren Gärten. „Der kontinuierliche Rückgang der Anzahl von Vögeln ist auch durch wissenschaftliche Studien und Monitoring-Programme belegt. Dass die bürgerwissenschaftlichen Daten diesen unerfreulichen Abwärtstrend widerspiegeln, zeigt den Wert unserer Mitmach-Aktionen“, so LBV-Biologin Dr. Angelika Nelson.

München ist kein guter Platz für den Spatz 

Den Spitzenplatz bei der „Stunde der Wintervögel“ belegt zum vierten Mal in Folge der Haussperling. In jedem zweiten Garten wurden durchschnittlich fünf Spatzen gezählt. Dass es dem Spatz in Bayern gut geht, kann man daraus jedoch nicht schließen. „Vor allem in großen Städten sucht der gesellige kleine Vogel oft vergeblich nach geeigneten Brutplätzen in großer Zahl, ausreichend Nahrung und Versteckmöglichkeiten, wie Büschen oder Hecken“, erklärt die LBV-Biologin. So hat München mit durchschnittlich nicht einmal einem Spatz pro Zählort die niedrigste Haussperlings-Dichte im bundesweiten Vergleich. Bayernweit am wohlsten fühlt sich der kleine gesellige Vogel in den drei Landkreisen Kitzingen, Schweinfurt und Neustadt an der Aisch/Bad Windsheim.

Das Endergebnis der Mitmachaktion zeigt auch, dass unsere häufigsten Wintervögel die Amsel und die Kohlmeise sind. Sie wurden in 9 von 10 Gärten beobachtet. „Der Bestand der Amseln scheint sich seit dem Einbruch im Jahr 2018, der wohl auf Todesfälle durch das Usutu-Virus zurückgeht, weiterhin zu erholen“, freut sich Angelika Nelson. Neben der Kohlmeise wurde auch ihre kleinere Verwandte, die Blaumeise, im Vergleich zum Vorjahr wieder in ihrer üblichen Anzahl aus den Gärten gemeldet. Der Bestandseinbruch aus 2021 kann verschiedene Ursachen gehabt haben: „Das Bakterium Suttonella ornithocola löste im Frühling 2020 in weiten Teilen Deutschlands eine Epidemie bei kleinen Meisenarten aus und führte zu teils starken Abnahmen in manchen Populationen. Diese sind aber scheinbar wieder erfolgreich ausgeglichen“, so Angelika Nelson.

Amsel, Kohlmeise und Blaumeise trifft man häufig an

Überraschend viele Meldungen sind heuer vom Buntspecht eingegangen. Aus fast jedem zweiten Garten Bayerns wurde der schwarz-weiße Waldvogel gemeldet. Dies kann an dem reichlichen Angebot an den Futterhäuschen im Siedlungsraum liegen oder an einem Nahrungsmangel im Wald. „Wenn die Vögel sehr erfolgreich brüten, kann es sein, dass die gewachsene Population im Winter im Wald nicht genug Nahrung findet und deshalb in unsere Gärten ausweicht. Auch eine Zuwanderung aus anderen, vor allem nördlichen Regionen oder das Ausbleiben dieser Einflüge kann die jährlichen Schwankungen erklären“, meint die Biologin. Ähnliche jährliche Bestandsschwankungen sind bei Eichelhäher und Kleiber, zwei weiteren Waldvogelarten, zu erkennen.

Wie sieht also der typische Vogelgarten Bayerns im Winter aus? Amsel, Kohlmeise und Blaumeise trifft man in mehr als dreiviertel der Gärten an. In der Hälfte der Gärten fliegen Haus- und Feldsperling, wie auch Rotkehlchen, Buchfink, Elster und heuer auch wieder der Buntspecht an die Futterstellen. Auch Kleiber und Grünfink sind häufig anzutreffen, obwohl letzterer Vogel seit Jahren im Bestand zurückgeht.

Das Gesamtergebnis für Bayern

Auf das Spitzentrio aus Haussperling, Kohlmeise und Feldsperling folgen Amsel (4.) und Blaumeise (5.). „Seit acht Jahren sind dies die häufigsten Vogelarten in Bayerns Gärten“, sagt Angelika Nelson. Der Buchfink landet auf Rang 6 und hält damit im Vergleich zum Vorjahr seine Platzierung. Die Plätze 7 und 8 belegen Grünfink und Elster. Buntspecht und Rabenkrähe schließen die bayernweite Top Ten ab. Dieses Jahr gab es keine Einflüge nordischer Wintergäste. So wurden Erlenzeisige (13.), Wacholderdrosseln (22.) und Bergfinken (25.) deutlich weniger häufig gemeldet als in den Jahren zuvor.

Regionale Unterschiede

Die meisten Vögel bekamen mit knapp 40 gefiederten Gästen pro Garten die Teilnehmer*innen in Niederbayern zu sehen, gefolgt von 36 Vögeln pro Garten in der Oberpfalz. Auch in Schwaben, Ober- und Unterfranken haben die Teilnehmer*innen mit 35 bzw. 34 pro Garten mehr Vögel als der bayerische Durchschnitt von 33 gezählt. Die Teilnehmer*innen in den am dichtesten besiedelten Regierungsbezirken Bayerns, Mittelfranken (32) und Oberbayern (29), zählten im Schnitt pro Garten weniger gefiederte Gäste als andere bayerische Vogelfreund*innen.

Landkreisgenaue Zählergebnisse können eingesehen werden unter www.stunde-der-wintervoegel.de. Die nächste Vogelzählung findet vom 13. bis 15. Mai 2022 statt. Dann werden bei der „Stunde der Gartenvögel“ die Brutvögel in unseren Gärten und Parks erfasst.

Weitere Infos:

  • Infos und Materialien zur Aktion, ein Online-Kurs zur Vogelbestimmung der häufigsten Wintervögel und vieles mehr unter www.stunde-der-wintervoegel.de.
  • Tipps für einen vogelfreundlichen Garten finden Sie unter www.lbv.de/garten
  • Tipps zur Fütterung unter www.lbv.de/fuettern

    Unser Aufmacherfotzo zeigt einen Gimpel. Foto: Claudia Becher/close2moment