Ein Termin bei der Augenärztin in der Innenstadt, eine Behandlung beim Physiotherapeuten oder einfach in Ruhe ein Geschenk für die Nichte kaufen. Das ist für viele von uns kein Problem, aber für pflegende Angehörige stellt sich diese Situation anders dar. Wenn der Vater oder die Schwiegermutter nicht mehr ohne weiteres allein zu Hause bleiben können und es ein ebenso unsicheres Gefühl bereitet, sie im Café in der Fußgängerzone für eine Stunde zurückzulassen, dann sind derlei Termine und Unternehmungen durchaus eine organisatorische Herausforderung. Für genau diesen Bedarf wird es künftig eine neue und unbürokratische Lösung unter dem Motto „Pause von Zuhause“ im Café des Heilig-Geist-Spitals geben.

Foto: (c) Andreas Freihöfer, Curatorium Altern Gestalten

Dieses Angebot wird offen sein für alle Menschen mit Assistenzbedarf, ganz unabhängig von dem Besitz eines Pflegegrads, die im neuen Begegnungsort eine vielfältige, auf sie angepasste Unterstützung finden. Das wird durch ein umsichtiges, ehrenamtliches Gästeassistenzteam ermöglicht und auch der Unterhaltungsaspekt wird dabei nicht zu kurz kommen, z.B. in Form von Filmen, gemeinsamer Musik, Kreativangeboten und weiteren Veranstaltungen. Damit wird das stundenweise Verweilen an diesem öffentlichen Ort mitten in der Innenstadt zu einem tollen Erlebnis für die Gäste und eine Entlastung für ihre Angehörigen.

Eingebettet sein wird dieses gesellige Miteinander in das Café, das im Heilig-Geist-Spital vonseiten des Seniorenamtes der Stadt Nürnberg wiedereröffnet wird. Auch hier werden Ehrenamtliche, hauptamtlich begleitet, den Service übernehmen. „Das Seniorenamt freut sich sehr, dass das Projekt Pause von Zuhause in der revitalisierten Heilig-Geist-Begegnungsstätte startet. So bietet sich auch für Menschen mit Demenz und ihren pflegenden Angehörigen eine ganz neue, niedrigschwellige Möglichkeit, am sozialen Leben teilzuhaben – dank ehrenamtlichem Engagement.“, fasst Anja-Maria Käßer, Leiterin des Seniorenamtes, ihre Vorfreude auf dieses Modellprojekt zusammen, das im Herbst starten wird. Gefördert wird dieses neue Konzept und die wissenschaftliche Begleitung vorerst bis 2025 aus Mitteln des bayrischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege, der Arbeitsgemeinschaft der Pflegekassenverbände in Bayern und der privaten Pflegeversicherung.

Curatorium Altern gestalten ist für den Aufbau und die Weiterbildung des Gästeassistenzteams zuständig. Georg Weigl, Gerontologe und Projektleitung, ergänzt dazu: „Ich bin gespannt darauf, dieses ganz unbürokratische Angebot, das allen Mitgliedern einer sorgenden Familiengemeinschaft eine wunderbare Pause von Zuhause bieten kann, zu begleiten und umzusetzen. Ich wünsche mir, dass die Infostunden zum Projekt von vielen Interessierten genutzt werden, um sich zu erkundigen, und wir dann hoffentlich miteinander ein solides Team für die Gästebetreuung aufbauen können.“

Im Herbst dieses Jahres wird die 40-stündige Fortbildung des Gästeassistenzteams starten, damit alle Beteiligten für diese interessante Aufgabe gerüstet sind. Wer auf dieses Ehrenamt Lust hat und mehr darüber erfahren möchte, ist herzlich eingeladen, sich direkt bei Curatorium Altern gestalten zu melden oder an einem der zehn Infostunden im KLARA – Zentrum für Beratung und Engagement (Klaragasse 3) teilzunehmen.

Mehr Infos und Anmeldung unter:

https://www.alterngestalten.de/veranstaltungen

Das Modellprojekt „Pause von Zuhause – Gästeassistenz in öffentlichen Verweilorten“ wird aus Mitteln des Bayr. Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege sowie durch die Arbeitsgemeinschaft der Pflegekassenverbände in Bayern (soziale Pflegekassen) und durch die private Pflegeversicherung gefördert.