Daniela Haist mit ihrem Meisterstück, einer Weihnachtskrippe im orientalischen Stil.

Eigentlich wollte Daniela Haist nur eine Familienkrippe bauen. »Ich fand, dass an Weihnachten endlich auch bei uns eine stehen sollte wie bei vielen anderen auch.« Die Krippe sollte Teil des festlichen Rituals werden, nicht zuletzt auch der beiden Töchter wegen. Als sie nach fünf Wochen mit ihrem Werk fertig war, dachte sie: »Es wäre schön dabeizubleiben.« Sie hörte sich um und stieß auf den Verein der Krippenfreunde Nürnberg-Fürth. 

Seither ist die 51-Jährige ein engagiertes Mitglied. Sie gehört hier zu den Jüngeren, weil die meisten erst einsteigen, wenn sie im Rentenalter sind und endlich Zeit haben. Haist aber steht noch voll im Arbeitsleben. Das kreative Hobby sieht sie als Ausgleich zu ihrem psychisch sehr fordernden Beruf. 

Daniela Haist ist Gesundheitspädagogin an der Schmerztagesklinik in Fürth und hat tagtäglich mit Menschen zu tun, die leiden. »Wenn ich dann in der Werkstatt bin und dort mit den Händen arbeite, kann ich abschalten und entspannen«, sagt sie.

Stimmungsvolle Kulissen für die Weihnachtsgeschichte

Sie genießt aber auch das gesellige Miteinander im Verein, der 1954 gegründet wurde und heute 100 Mitglieder hat. Im Vereinsheim an der Tannenstraße in Fürth gibt es eine voll ausgestattete Werkstatt: Drechsel- und Hobelmaschine, Band- und Kreissäge – es ist alles da, was man für die Holzbearbeitung braucht.  Dieser Kreativraum ist auch ein Treffpunkt. Jeden Donnerstag und Samstag kommen Gleichgesinnte zusammen, manche basteln Rauschgoldengel, Christbaumschmuck oder ­­- um die Krippen zu »möblieren« – kleine Marktstände, Brunnen und Bäume. Andere haben wie Haist ein Faible für das Handwerkliche: Sie arbeiten mit Holz, Leim und Farben, hantieren an Maschinen, sägen, feilen und verputzen, gestalten Landschaften. 

»Im Austausch miteinander kann man so viele neue Sachen lernen, zum Beispiel wie man Styrodur bearbeitet«, sagt Haist. Der  Dämmstoff aus der Bauwirtschaft eignet sich hervorragend als Basis für Felsen, Ställe oder Höhlen in biblischen Miniatur-Landschaften. 

Die Gemeinschaft und das Ausleben ihrer Kreativität tun Daniela Haist gut. Außerdem ist sie in einer christlich geprägten Familie aufgewachsen. »Auch wenn ich die Bibel nicht rauf und runter kenne und keine regelmäßige Kirchgängerin bin: Glaube und die Traditionen dahinter bedeuten mir etwas. Ich versuche, das auch meinen Kindern zu vermitteln.«

Prüfung zur Krippenbaumeisterin bestanden

Seit kurzem ist die 51-Jährige sogar Krippenbaumeisterin. Dafür hat sie über drei Jahre hinweg einen Kurs in der Krippenbauschule in Klüsserath an der Mosel absolviert, eine der wenigen in Deutschland. Im Oktober hat sie die Prüfung bestanden. Ihr Meisterstück: eine orientalische Krippe mit einem Rundkuppelbau und Palmen sowie einem Stall mit heimeliger Beleuchtung. 

Das Know-How geben die fränkischen Krippenbauer gerne an Laien weiter. Einmal im Jahr (von Anfang Februar bis Mitte März) veranstaltet man im Vereinsheim einen Krippenbaukurs. »Das ist jedes Mal ein Riesenspaß. Die Aktiven helfen den Neulingen, und am Ende kann jeder seine eigene Krippe mit nach Hause nehmen«, berichtet der Vereinsvorsitzende Klaus Gebhardt. 

Initialzündung Weihnachtsausstellung

Max Munker war von einer Ausstellung in der Egidienkirche so ­begeistert, dass er selbst Krippen bauen wollte.

Oft ist bei den Kursen auch Max Munker (78) dabei, der schon viele Jahre Mitglied und Krippenbaumeister ist. Die Freude am Gestalten und Modellieren begleitet ihn schon seit der Kindheit. »Als Bub habe ich Dagobert und Donald Duck aus Ton geformt– die waren zu dieser Zeit sehr modern. Als ich 13 Jahre alt war, habe ich dann aus einem Holzstück einen Frauenakt geschnitzt, mit großen Brüsten. Damals war man noch sehr verschämt. So etwas bekam man nicht zu sehen. Aber einen Jungen in dem Alter interessiert das natürlich«, erzählt er amüsiert. 

Die Mutter war von seinem Talent so angetan, dass sie diese Arbeiten aufgehoben hat. Sie zieren immer noch Munkers eigene Werkstatt. Sonst stehen heute fast ausschließlich Krippen hier. Die Initialzündung gab die jährliche Weihnachtsausstellung in der Nürnberger Egidienkirche. »Als ich die tollen Krippen in den Schaukästen gesehen habe, dachte ich: Das möchte ich auch können«, berichtet der 78-Jährige. Der Unruhestand als Krippenbauer begann. 

Seither ist Munker bei Ausstellungen mit Weihnachtskrippen  unterschiedlicher Stilrichtungen vertreten. Heimatliche, orientalische und afrikanische Krippen, Schneekrippen, Toskana-Krippen, englische und fränkische Krippen – Munkers Schaffensfreude und Repertoire sind groß. Das bayerische Einerlei, das man in und um die Krippenbauer-Stadt Oberammergau herum fertigt, findet er langweilig. 

Hirten mit ganz individuellem Look

Inzwischen hat er auch seine Lebensgefährtin angesteckt. Sie fertigt oft die Gewänder für die Figuren und gibt den Szenerien mit der Heiligen Familie, den Hirten und Königen einen ganz individuellen Look. 

Die Figuren von Maria, Josef, Jesus und dem Hirten hat Max Munker selbst gefertigt.

Eine von Munkers Krippen hat kürzlich den Weg nach Amerika angetreten. In eine große Kiste verpackt, überquerte die Heilige Familie den Ozean. Sieben Wochen dauerte die Reise mit Zwischenstopps in Hamburg und New York, bis sie nahezu unbeschadet in Hillsboro im US-Bundesstaat Illinois ankam. Das fränkische Ensemble mit Gasthof, Kirche, Scheune und Felslandschaft wird an Weihnachten in der St. Pauls Lutheran Church stehen – auf einem elektrisch betriebenen Teller. Darauf dreht sich die Krippe in zwei Minuten einmal um die eigene Achse.  Munkers Sohn ist Pfarrer in der amerikanischen Kleinstadt und will seine Gemeinde mit dem Gruß aus Franken auf Weihnachten einstimmen. Das ist ganz in Munkers Sinn. Mit seinen Werken will er sich nicht nur in punkto Kreativität austoben, sondern den Betrachter auch zum Nachdenken über den Glauben anregen.

Text: Alexandra Voigt
Fotos: Kat Pfeiffer

Infos zu Verein und Weihnachtsausstellung: 

Die Krippenfreunde stellen jedes Jahr um die Weihnachtszeit in Nürnbergs einziger Barockkirche aus, der evangelischen  Egidienkirche am Egidienplatz 12. Dieses Jahr vom 26. November 2021 bis einschließlich 9. Januar 2022. Öffnungszeiten: täglich 11 – 17.30 Uhr, Führungen können unter der Rufnummer 09 11/670 72 40 ­vereinbart werden.