Lindes Kaffee war früher bei Kaffeekränzchen nciht wegzudenken. Foto: Gillitzer

Sie waren in den 50-er, 60-er und 70-er Jahren der letzte Schrei, heute liegen sie unbeachtet in Schränken, Schüben, Kellern oder auf Dachböden: Dinge, die einmal richtig »schick« waren. Manches gibt es gar nicht mehr. Und manches findet sich heute wieder, zum Beispiel in Feinkostläden – und schmeckt richtig gut.
Muckefuck? Schon die alten Ägypter sollen die Kunst beherrscht haben, aus gerösteten Körnern ein süffiges Getränk herzustellen. Ob sie das Gebräu, das dem Kaffee ähnelte, allerdings aus Gerste, Malz, Eicheln, Feigen oder den Wurzeln der Zichorie gewonnen haben, ist nicht genau überliefert. In den Nachkriegsjahren in Deutschland jedenfalls, als echter Bohnenkaffee Mangelware und unglaublich teuer war, experimentierte man ganz nach alter Tradition mit Kernen und Gewächsen und der Zichorie-Wurzel. Nicht selten wurden gemahlene Kartoffeln, Möhren oder Hagebutten gebrüht, auch Dinkel und Kastanien wanderten in den Filter, selbst Löwenzahn wurde aufgesetzt: Dampfend kam der »Ersatzkaffee« auf den Tisch. In den Gaststätten servierte man das Kännchen mit der eleganten Umschreibung »Deutscher Kaffee«, doch der Volksmund orderte längst einen »Muckefuck«. Sprachforscher haben herausgefunden, dass der Begriff bereits aus napoleonischen Zeiten stammt, als die Franzosen vom »Mocca faux« sprachen (»falscher Kaffee«), was die Deutschen mehr oder weniger gleichlautend übernahmen. In den Aufbaujahren nach dem Zweiten Weltkrieg avancierte rasch die Firma der Gebrüder Linde zum Marktführer in Sachen Ersatzkaffee, gefolgt von »Kathreiner Malzkaffee«. Der erste Linde-Kaffee wurde schon ab dem Jahr 1892 gefiltert, als die Maschinenfabrik Augsburg AG eine Dampfmaschine zur Herstellung von Kaffee-Essenz in der Linde-Fabrik im heutigen Dortmunder Stadtteil Hörde aufbaute. Und noch immer gibt es »Linde’s Kornkaffee« zu kaufen, allerdings von Nestlé – die Schweizer Lebensmittelproduzenten haben die Marke übernommen.