vignette Hello All, in Kalifornien lebt man vergleichsweise sicher. Zumindest, was das Risiko Schusswaffenverletzungen auf offener Straße angeht. Dafür sollte man sich vor gewissen Autofahrern in Acht nehmen. Zu den besonders gefährlichen Lenkern zählen junge, unter Zwanzig Jährige. Noch öfters richten über achtzig Jährige Unheil am Lenkrad an; vermehrt mit tödlichen Folgen. Unheimlich wirkt die Perspektive: Bis 2030, also in nur 14 Jahren, wird jeder vierte der 25 Millionen Führerscheininhaber Kaliforniens jenes mörderische Autofahreralter erreicht haben. Einfach das Auto stehen lassen geht nicht so ohne weiteres. Irgendwie müssen die Senioren ja hin zu Supermarkt, Arzt, Apotheke und Kultur. Die typische amerikanische Siedlungsweise dehnt sich im wörtlichsten Sinne „meilenweit“ über die Landschaft. Engmaschige öffentliche Nahverkehrsmittel und wohnortnahe Infrastruktur haben nur wenige fußläufig vor der Haustüre. Neben dem Recht auf Schusswaffenbesitz ist das Automobil der zeitgenössische Ausdruck amerikanischen Freiheitsgefühls. Zum Jahresende 2015 hat Kaliforniens Regierung die gesetzlichen Grundlagen für selbstfahrende Autos im Alltagsverkehr geschaffen. Zwar noch nicht für die radikal lenkrad- und bremslosen Fahrkabinen wie sie Google entwickelt. Zunächst nur für alltagstaugliche Autos, die per Knopfdruck auf vollautomatisch umstellen können. Dann bringen ohne menschliches Eingreifen Elektronik und Servomotoren den Wagen sicher ans Ziel. Befreit vom Risiko „menschlichen Versagens“ wie Ablenkung, Müdigkeit, langsame Reaktionen oder eingeschränktes Sehvermögen. „AI“ – Artificial Intelligence/ künstliche Intelligenz übernimmt die Rolle des besseren Fahrers. Der japanische Autohersteller Toyota errichtet im Silicon Valley für 1 Milliarde US $ ein Forschungszentrum zum Ausbau von „AI“ für Autos. Japan, das Land mit der weltweit höchsten Seniorenquote, macht Kalifornien zum Probierterretorium. Auch andere Hersteller haben bereits Millionen Kilometer mit automatischen Piloten am Steuer im Testbetrieb zurückgelegt. Inzwischen so erfolgreich, dass Autoversicherer in den USA lieber früher als später die Roboter am Steuer sähen als die o.g. Risikogruppen. Es würden deutlich weniger Unfälle passieren.

Die technischen Hürden scheinen weitgehend überwunden; die juristischen werden gerade gesenkt. Die psychologischen noch nicht. Wer wird nach 50+ Jahren an Fahrpraxis einem Gewirr aus Drähten, Sensoren und Chips zugestehen, ab jetzt der überlegenere Fahrer zu sein? Künstliche Intelligenz als offensichtliche Krücke für abbauende Senioren wird nicht funktionieren, zumindest nicht auf freiwilliger Basis.

Aber was, wenn der unsichtbare Roboter im Kühler zum schicken Prestigemerkmal würde? Mit fetter Kennzeichnung an Front und Heck „AI – enhanced/ veredelt mit künstlicher Intelligenz“? Als Statussymbol feinsinniger, tief entspannter Verkehrsteilnehmer, die im Auto wirklich besseres zu tun haben, als all die hektischen oder verpeilten Blödmänner vor, daneben und hinter dem eigenen Wagen ständig in Schach zu halten? Soll sich doch der Roboter mit denen herumschlagen! Stress im Straßenverkehr ist unter unserer Würde.

So könnte es klappen – mit dem sicheren Fahren jenseits der Achtzig, nicht nur in Kalifornien.

Ihr Global Oldie