Flexibilität heißt die Reisedevise auch in diesem Jahr. Wie rasch Inzidenzen und Corona-Regeln sich ändern, kann man am Beispiel Mallorca in diesem Sommer gut ablesen. Deshalb empfehlen wir, sofern Sie gerne mit dem Auto reisen, nahe gelegene Reiseziele auszuwählen, um bei Bedarf flexibel zu sein. Unser Reisetipp führt uns dieses Mal in die flämische Perle Brügge, unweit der belgischen Nordseeküste.

Ihre United Guides Thomas Staender und Jörg Albrecht 

Anreise

Brügge liegt etwa sieben bis acht Autostunden von Nürnberg entfernt. Wer nicht gerne so lange fährt, sollte auf halber Strecke eine Zwischenübernachtung in Köln oder Aachen einplanen. Ab Frankfurt/Main sind es nur noch fünf Stunden, wofür man einen entspannten halben Tag mit Pausen ohne Zwischenübernachtung einplanen kann.

Sobald wir die deutsche Grenze hinter uns gelassen haben, fahren wir gemütlich mit maximal 120 km/h über belgische Autobahnen. Drängler behindern unsere Fahrt nicht, und auch am Abend fährt es sich angenehm, da der größte Teil der belgischen Autobahnen nachts beleuchtet ist. Und das alles gratis, wenn man von 5 Euro Maut für einen Tunnel jenseits von Antwerpen einmal absieht. Zurzeit würde es sich sogar lohnen, in Belgien noch einmal den Tank zu füllen, was uns rund 10 Cent pro Liter spart.

Übernachten

Brügges schönste Ecken erlebt man auf einer Fahrt durch die Kanäle der Stadt. Foto: Jörg Albrecht

Das UNESCO-Weltkulturerbe entfaltet seine Schönheit innerhalb der historischen Stadtgrenzen. Diese als Ganzes erhaltene Altstadt wird allerdings durch einen äußeren Schnellstraßenring eingefasst, der das historische vom modernen Brügge trennt.

Wir möchten bei unserer Reise das Gefühl der historischen Stadt erleben und suchen uns eine Herberge innerhalb dieser Stadtgrenzen. Der Aufschlag auf den Zimmerpreis im Vergleich zu einem Hotel außerhalb der Altstadt ist eher marginal und ist es uns in jedem Fall Wert. So bleiben wir während des gesamten Aufenthalts in historischer Atmosphäre. Es gibt sowohl privat geführte Hotels, als auch Hotelketten wie Crowne Plaza, Novotel und Ibis. Reizvoll kann die Anmietung einer Ferienwohnung oder eines Ferienhäuschens in der Stadt sein, wenn man sich selbst versorgen möchte.

Für uns keine Alternative, da wir sowohl das Frühstück als auch die vielseitige Küche Brügges genießen möchten. Solange wir uns im historischen Stadtkern aufhalten, sind alle Ziele ohne Probleme fußläufig zu erreichen. Da die meisten Straßen jedoch mit Kopfsteinpflaster belegt sind, sollten Gäste mit Rollatoren oder anderen Gehhilfen sich darauf im Vorfeld einstellen.

Besichtigen

Die vierrädrige Alternative zur Besichtigungstour auf dem Wasser ist eine Kutschfahrt, hier vorbei am prächtigen Rathaus. Foto: Jörg Albrecht

Die Stadt selbst ist eigentlich schon Besichtigungsattraktion genug. Spaziergänge durch die Altstadt, zum Markt, zum Beginenhof gefallen uns auch noch am dritten Tag.

Aber eine halbstündige Fahrt mit dem Ausflugsboot durch die Grachten bietet uns noch einmal einen anderen Blickwinkel. Auf dem offenen Boot besteht Maskenpflicht, bei Regen werden Schirme aufgespannt, und die Fahrt kostet 10 Euro pro Person. So sehen wir die schönen Ecken der Stadt vom sauberen Kanal aus, Erklärungen auch in Deutsch kommen entweder live vom Bootsführer oder vom Band. Die Ausflugsreeder bieten mehrere unterschiedliche Einstiegspunkte. Fahrtdauer, Preis und Route sind jedoch bei allen Anbietern identisch.

Der touristische Klassiker ist sicher die halbstündige Fahrt mit der offenen Kutsche, in der bis zu vier Gäste aus einem Haushalt Platz finden. Für 55 Euro plus Trinkgeld für die gecharterte Kutsche vielleicht die Corona-sicherste Möglichkeit, die Stadt kennenzulernen. Die Kutscher/innen helfen auf Wunsch beim Ein- und Ausstieg, der immer am zentralen Marktplatz liegt. Unser Tipp: Kutsch- und Grachtenfahrt gleich zu Beginn der Brügge-Reise, um sich zunächst einen Überblick über die Stadt zu verschaffen.

Corona hat für mancherlei Veränderung gesorgt: Der Aufstieg auf den Turm „Belfort“, den höchsten Glockenturm der Stadt gleich am Markt, kommt uns mit 14 Euro Eintritt recht teuer vor, außerdem müssen wir uns online im Vorfeld anmelden und ein Zeitfenster buchen. Nicht jeder ist so firm mit dem Smartphone, gleich die richtige Seite zu finden und die Kreditkarte zur Hand zu haben. Die Aussicht vom Glockenturm ist dann aber sehenswert, der Aufstieg ist mit Pausen in regelmäßigen Abständen gespickt, bei denen wir etwas zur Geschichte des Turms und der Stadt erfahren. Aber Achtung: Jede Vierteltstunde schlagen die Glocken!

Typisch für Flamen ist es, Eintritt für Kirchen zu nehmen. Also wundern wir uns nicht, dass wir für die Madonna von Michelangelo in der Kirche „Onze Lieve Vrouw“ (Liebfrauenkirche) 7 Euro zahlen müssen. Damit ist aber auch eine Einlasskontrolle gewährleistet und die Kirche während unserer freien Besichtigung nicht voll. Der Besuch von Messen ist natürlich gratis. Wir melden uns zwar per Kreditkarte online an, hätten hier aber auch ganz klassisch direkt unser Ticket an der Kasse des Gruutehus Museums lösen können.

Essen & Trinken

Belgien ist berühmt für seine Waffeln, ein leckeres Bistro mit dieser Spezialität findet sich in Brügge an allen Ecken. Foto: Jörg Albrecht

In Belgien immer ein großes Vergnügen. Vor allem mit seinen zahlreichen Biersorten ist Belgien selbst dem Bierland Deutschland um Längen voraus. Wir genießen unsere teils lokalen Biere immer im passenden Glas. Die lokale Brauerei bietet „Bruggse Zot“ in verschiedenen Stärken, das zu jedem Essen passte. Als Souvenir bekommen wir die kleinen Flaschen natürlich auch im sieben Tage die Woche geöffneten Supermarkt.

Die flämische Speisekarte ist für uns eine gelungene Mischung aus heimischer Nordseeküche und Hausmannskost wie „Stoofvlees“, das lokale Gulasch. Dazu werden Pommes frites gereicht, wie sie perfekter nicht sein könnten. Ein besonderes kulinarisches Erlebnis war der Besuch des mit einem Michelin Stern prämierten „Den Gouden Harynck“, das dieser lokalen Küche eine gehobene Plattform bietet. Hier, außerhalb der großen Städte, konnten wir das Mittagsmenü für 55 Euro genießen, was im Sterne-Bereich nahezu ein Schnäppchen ist.

Zum Nachmittagskaffee können wir nahezu jedes kleinere und größere Waffel-Bistro empfehlen. Die dicken Waffeln werden stets frisch zubereitet und warm serviert. Toppings gibt es reichlich, die einfache Waffel nur mit Zucker ist aber schon Gaumenparadies genug.

Brügge ist allerdings keine Stadt mit ausladendem Nachtleben, die meisten Lokale schließen früh, aber eine Kneipe für den Absacker haben wir immer gefunden.

Corona Maßnahmen

Belgien handelt ähnlich wie Deutschland: Maskenpflicht in öffentlichen Räumen, also auch im Hotel oder auf dem Gang zum Tisch im Restaurant. Aber am Tisch kann die Maske natürlich abgenommen werden. Bei der Ein- und Ausreise mit dem Auto fallen keine Corona-Kontrollen an. Anders sieht es aus, wenn man mit dem Flugzeug anreisen würde. Bitte informieren Sie sich über die dann gültigen Bedingungen!

Fazit

Wir konnten diesen Sommer in Brügge eine beliebte Touristenstadt noch ohne Übersee-Gäste erleben. Da außerdem viele Tagesgäste die Stadt ohne Übernachtungen wieder verlassen, konnten wir abends noch an vielen Ecken das lokale Flair einer ruhigen Stadt spüren. Eine Gelegenheit, die sich wohl nur noch zurzeit bietet.

Und wer danach Feuer und Flamme für die Flamen ist und mehr sehen will: In Verbindung mit Besuchen an der Nordseeküste oder von Brüssel lässt sich die Reise natürlich ausweiten.