Reizvolle Blicke auf die Stadt locken unter der Adolphe-Brücke. Fotos: Jörg Albrecht/Thomas Staender

Flexibilität heißt die Reisedevise auch in diesem Jahr. Wie rasch Inzidenzen und Corona-Regeln sich ändern, konnte man am Beispiel Mallorca in diesem Sommer gut ablesen. Deshalb empfehlen wir, sofern Sie gerne mit dem Auto reisen, nahe gelegene Reiseziele auszuwählen, um bei Bedarf flexibel zu sein. Unser Reisetipp führt uns dieses Mal in eines der kleinsten europäischen Länder, nach Luxemburg. Wann hat man schon die Möglichkeit, mit nur einer einzigen Übernachtung ein ganzes Land zu besuchen? In Luxemburg ist das möglich, wobei wir unseren Besuch auf die gleichnamige Hauptstadt beschränkt haben.

Anreise

Luxemburg liegt Nürnberg im Prinzip gegenüber, wenn man immer nur nach Westen fahren würde. Tatsächlich sollte man etwa sechs Stunden Fahrtzeit ab Nürnberg einrechnen, ab Frankfurt sind es noch gut drei Stunden. Wer unterwegs eine schöne Zwischenübernachtung einlegen möchte, sollte z.B. Wiesbaden ins Auge fassen. Die Stadt bietet eine Vielzahl an Hotels und mit dem Neroberg ein wunderbares Ausflugsziel (dazu mehr im kommenden Blog).

Bis Trier fahren wir auf deutschen Autobahnen, innerhalb des Landes Luxemburg sind es dann nur noch 45 Minuten bis zur Hauptstadt. Unser Tipp für den Rückweg: unbedingt tanken! Sogar noch an der Luxemburgischen Autobahnraststätte haben wir rund 20 Cent pro Liter gespart.

Übernachten

Prachtstrasse und Symbole der starken Finanzindustrie: Die Sparkasse in der Avenue de la Liberté.

Die Stadt Luxemburg besticht durch ihre interessante Mischung aus Internationalität – man denke an die Bankenwelt – französischem Flair und bodenständiger Eifeler Provinzialität. Das bemerken wir an der vielfältigen Sprachmischung: mit Englisch konnten wir uns immer verständigen, im Restaurant bekamen wir die französische Karte und die Luxemburger sprechen untereinander einen lokalen Dialekt, das Lätzebürgisch, das sehr ans Trierer Platt erinnert.

All das spiegelt sich in der Welt der Übernachtungen wider. Die großen internationalen Hotelketten, von kleinem bis mittlerem Budget, finden sich in der modernen Bankenvorstadt Kirchberg. Zwar gut angebunden per Tram an die Innenstadt, aber für uns völlig ohne Flair. Die bessere Wahl für uns waren die französisch geprägten Hotels in der Altstadt. Den zentralen Place d‘ Armes kann man zwar meiden, aber jeder andere Ort in der Oberstadt bis kurz vor dem Bahnhof ist völlig in Ordnung.

Besichtigen

Luxemburg liegt auf einem Hochplateau, von dem man sehr schöne Blicke ins Tal, dem „Grund“, hat. Für einen ersten Überblick starten wir oben an den Kasematten, eine in den Berg gehauene unterirdische Festungsanlage, die besichtigt werden kann. Von dort führt uns ein Weg am Rande des Plateaus zunächst Richtung Justizpalast, unseren Blick über das Tal mit seinem kleinen Fluss, dem Kloster und der Altstadt von Grund schweifend.

Kurz bevor wir uns wieder ein Stückchen hinauf begeben, entdecken wir einen auf der Anhöhe gelegenen Pop-up Biergarten. Unser Ziel für heute Nachmittag, mit herrlichem Blick auf das Tal und die Kasematten.

Die erste Brücke, die das Tal überspannt, die Passarelle, überqueren wir noch nicht, sondern wenden uns rechts weiter bis wir die zweite Brücke über das Tal entdecken, die Adolphe Brücke. Ein toller Platz, um das perfekte Luxemburg Foto mit beeindruckend großer Nationalflagge zu schießen. Die dem Tal gegenüberliegenden Gebäude, die mit ihren Türmen wie Regierungspalais aussehen, entpuppen sich als die „Spürkees“, die Luxemburger Sparkasse. Nicht unwichtig im finanzstarken Luxemburg!

Was wir unterhalb der Adolphe Brücke zunächst für eine Sinnestäuschung hielten, entpuppt sich als nachträglich angebauter Fuß- und Radweg unterhalb der Brücke. Eine Treppe führt uns am Brückenkopf zunächst einige Stufen hinunter, um dann unter der Brückenfahrbahn auf die gegenüberliegende Talseite zu führen. Die Rundbögen der Brücke bilden dabei den Rahmen für unsere Fotos auf die Stadt. Auf der Seite der Sparkassen begeben wir uns wieder nach oben und folgen der Straße, die Innenstadt nun im Rücken, den Bahnhof voraus.

Diese Avenue de la Liberté mit ihren klassizistischen Gebäuden könnte auch genau so in einen Departement von Paris zu finden sein und so führt sie uns dann auch tatsächlich zum „Paräisser Platz“, wo wir eine Tram Station finden, die uns wieder zurück in die Luxemburger Innenstadt bringt. Apropos Tram: Luxemburg rühmt sich, das erste europäische Land zu sein, das zu 100% den kostenlosen öffentlichen Nahverkehr eingeführt hat. So können wir die zwei Stationen zurückfahren, ohne uns über Tickets, Kurzstrecken oder Tarifzonen Gedanken machen zu müssen, was wir als sehr entspannend empfinden.

Zu Gast beim Großherzog

Am Justizpalast auf der Innenstadtseite befindet sich übrigens ein Aufzug, der Besucher gratis hinab ins Tal und wieder hinauf in die Oberstadt bringt. Wenn man nicht laufen möchte. Unten im Stadtteil Grund erwartet uns ein großer Stadtpark, der kleine Fluss Alzette und ein Spaziergang um die Abtei Neumünster. Zurück in der oberen Innenstadt bummeln wir rund um den Place d´Armes durch die Einkaufsstraßen bis wir recht plötzlich sehr nah vor einem Stadtpalais im flämischen Stil stehen, das von zwei Uniformierten im protokollarischen Stechschritt bewacht wird. Die Residenz des luxemburgischen Großherzogs mit angrenzendem Parlamentsgebäude. So viel Bürgernähe und nicht sichtbare Sicherheitsvorkehrungen hinterlassen bei uns einen angenehm sicheren Eindruck, der uns durch die ganze Stadt begleitet.

Übrigens kann man zu Zeiten, in denen der Großherzog nicht in der Stadt weilt – meist in den Sommermonaten – den Großherzoglichen Palast auch von innen besichtigen. Bitte unbedingt vorab reservieren. Keine Reservierung hingegen würden wir für das Nationalmuseum benötigen, das sich gleich hinter dem Palais befindet. Wir entscheiden uns jedoch in der Nähe zu bleiben und kundschaften die benachbarte kleine Kneipenstraße aus, die sich in Sichtweite des Parlaments befindet. Zufall?

Essen & Trinken

Auf dem großen Place d’Armes in Luxemburgs Herzen reihen sich zahlreiche Bistros und Restaurants mit ihren bis auf auf die Platzmitte reichenden Terrassen aneinander. Von preiswertem Fastfood bis mittelpreisigem Touristenmenü ist die Auswahl recht groß. Uns ist das jedoch zu sehr auf schnelles Touristen-Amusement abgestimmt, so dass wir uns durch eine schmale Passage auf den Platz vor das Rathaus begeben. Schon in diesem Hausdurchgang, der von beiden Seiten von Feinkostläden flankiert wird, bemerken wir einen deutlichen Qualitätsschub. Hier auf dem Place Guillaume II ist die Auswahl an Restaurants zwar deutlich kleiner, aber das Ambiente sagt uns eher zu.

Auch wenn Luxemburg nicht einen Meter Küste sein Eigen nennen darf, entscheiden wir uns für das Fischlokal Brasserie Guillaume, das uns schon mit seinen Auslagen das Wasser im Munde zusammen laufen lässt. Die französisch inspirierte Küche ist sicherlich nicht die preiswerteste Alternative in der Innenstadt von Luxemburg, aber auf jeden Fall lohnenswert. Der Blick von der Terrasse auf den eher ruhigeren Rathausplatz nicht schlechter als der vom trubeligen Place d´ Armes auf der anderen Häuserseite.

Auf der Heimreise legen wir übrigens noch einen Stopp in Kirchberg, der modernen Vorstadt, ein. Nicht, um uns diese anzuschauen, sondern um bei „Auchon“, im wohl größten Supermarkt des Landes, noch einmal nach Herzenslust all die leckeren Dinge zu kaufen, die deutsche Supermärkte nicht vorrätig haben. Je nach Fahrtzeit könnte es sich lohnen eine kleine Kühltasche mitzunehmen!

Corona Maßnahmen

Luxemburg handelt ähnlich wie Deutschland: Maskenpflicht in öffentlichen Räumen, also auch im Hotel oder auf dem Gang zum Tisch im Restaurant. Aber am Tisch kann die Maske natürlich abgenommen werden.

Bei der Ein- und Ausreise mit dem Auto fallen keine Corona-Kontrollen an. Anders sieht es aus, wenn man mit dem Flugzeug anreisen würde. Bitte informieren Sie sich über die dann gültigen Bedingungen!

Fazit

Luxemburg als Stadt bietet französisches Flair in einer überschaubaren Größe. Die Innenstadt ist gepflegt und grün, was einen Besuch auch im Sommer angenehm macht. Die frühen Schließungszeiten der Geschäfte muten zwar etwas provinziell an, aber auch das macht Luxemburgs Charme aus. Alles in allem haben wir uns mit einem guten Gefühl von Luxemburg verabschieden dürfen.

Ihre United Guides

Jörg Albrecht                  Thomas Staender 
Inhaber Japan Touren        Geschäftsführer Enjoy Bavaria Tours