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„Silver Worker“ bezeichnet ergraute Berufstätige im fortgeschrittenen Alter, die sich im Herbst ihres Lebens noch ein paar Silberlinge dazuverdienen.  So wie der ehemalige Prinz Charles, der mit 73 Jahren als Berufsanfänger die Stelle als King Charles III antrat. Ein ermutigendes Vorbild für die aktuell geforderte Flexibilität der Arbeitssuchenden. Der Mann hatte vor über 50 Jahren anfänglich Archäologie und Anthropologie studiert und in Geschichtswissenschaften einen Master absolviert. Eine Ausbildung, die in jener Generation, auch meiner, entweder zum Gymnasiallehrer oder, ohne Staatsexamen, zum Taxifahrer qualifizierte. Der Fürsorge seiner Eltern verdankte er eine Weiterbildung bei der Marine zum Piloten für Hubschrauber und Militärjets. Doch obwohl seine damaligen Fluglizenzen etwas angegraut und nur indirekt mit der neuen Aufgabe verknüpft sind, konnte er, ohne  Anscheins von Altersdiskriminierung, erfolgreich die vakante Stelle als König antreten.

Vielleicht kommt ihm zugute, dass es in Großbritannien keine Regelaltersgrenze für Berufstätige gibt. D.h. jeder Brite kann so lange malochen, wie er will – oder muss.  Muss der Silver Worker König Charles III Geld für seine weit verzweigte Familie und deren Personal verdienen? Gut informierte Kreise schätzen die diskret behandelten königlichen Apanagen auf 100 Mio. British Pounds per annum, plus ein paar Extras. Dafür muss der König eingeschränkte Chancen auf eine ortsübliche Rente abwägen.

Zu eindrücklich haben seine Vorfahrinnen, Königinnen Victoria und Elisabeth II, dem aktuellen Throninhaber mit auf den Weg gegeben: in dieser Position rackert man sich bis ins bis zum Exitus im Greisenalter ab. Damit alle Untertanen, Commonwealth Bürger und der Rest der Welt verstehen, was es mit der coolen englischen Lebensart, insbesondere der „stiff lip“ auf sich hat: Nur keine Schwächen zeigen; erst recht nicht im Alter. Haltung legitimiert den Hochadel.  Im Gegensatz zu solch emsigen Royals ist für normale Bürger Deutschlands und Großbritanniens mit 64,5 Jahren üblicherweise Schicht im Schacht.

Auch in anderen Ländern demonstrieren einige Politiker aus der gesellschaftlichen Elite einen ausgeprägten Hang zu Überstunden samt Überjahren, weit jenseits des mediokren Ruhestandseintritts ihrer Bürger. Dr. Mahatir Mohamed bewarb sich 93-jährig nochmals um die Wahl zum Premier Malaysias – und gewann weitere zwei Jahre (2018-2020) Regierungszeit. Ganz ohne Einarbeitung; denn er brachte Berufserfahrung im selben Job mit, den er schon einmal 22 Jahre lang, von 1981-2003, durchaus erfolgreich ausgeübt hatte. Oder Paul Biya, inzwischen 89- jährig, verdient sich seit 1982, ununterbrochenen vierzig Jahren, als Präsident des Kameruns seinen Lebensunterhalt. Beide Herren scheinen von jener Sorte der Silver Worker, die sich schwer tun, Jüngeren ihr Arbeitsgebiet anzuvertrauen und sich selbst zurückzunehmen. Verglichen mit jenen Elder Statemen kann man die Ambitionen der letzten zwei US Präsidenten, Trump und Biden, geradezu als jugendliche Kraftmeierei interpretieren, sind doch beide derzeit noch unter 80.

Ich wünsche dem 73-jährigen König Charles III einen erfolgreichen Start und glückliche Laufbahn, als Beispiel für die Leistungsfähigkeit und Innovationskraft im Alter.  Aus meiner Erfahrung heraus wünsche ich ihm zudem die Weisheit, zu erkennen,  wann für ihn “enough is enough” (es reicht) sein wird. Es gehört Mumm dazu, im Alter etwas Neues anzupacken oder auch weiterzumachen.  Aber mindestens genau so viel Mut erfordert es, rechtzeitig und mit Haltung aufzuhören; mit der gebotenen “stiff lip”.

Euer Global Oldie