Manchmal sind es keine großen Beträge, die im Geldbeutel fehlen. Gerade bei kleinen Einkommen und Renten bedeuten höhere Inflation und steigende Energiekosten schnell, dass man sich stärker einschränken muss. Die Grenze zur Altersarmut ist fließend und die Zahl der Rentner, die am Existenzminimum leben, nimmt auch in Nürnberg zu. Das Seniorenamt hat es sich daher zur ständigen Aufgabe gemacht, den Betroffenen mit einem Bündel von Maßnahmen unter die Arme zu greifen.

Bei einer breit angelegten Untersuchung, die von der Stadt Nürnberg vor drei Jahren durchgeführt wurde, gaben immerhin 66 Prozent an, dass sie gut oder sehr gut mit dem Alterseinkommen auskommen. Aber 18 Prozent müssen sich stark oder sehr stark einschränken. Ihnen gilt die besondere Aufmerksamkeit des Seniorenamts.

Die meisten Risiken, im Alter knapsen zu müssen, entstehen durch Schicksalsschläge wie Scheidung, Krankheit, Arbeitsplatzverlust. Auch eine schlechte oder fehlende Ausbildung und der wachsende Anteil von Alleinstehenden trägt dazu bei. Im Rahmen des seniorenpolitischen Gesamtkonzepts sind die Ursachen für Altersarmut beschrieben und auch der Handlungsspielraum definiert, den eine Stadt wie Nürnberg hat. Der ist beachtenswert, wenn man sich auf die Kernkompetenz, nämliche eine bessere Versorgung vor Ort, Beratungsangebote und die Verbesserung von Möglichkeiten zur Teilhabe am Leben konzentriert. Was theoretisch klingt, wirkt sich oft ganz konkret positiv auf den Alltag der Betroffenen aus. Es geht darum, auch mit einem schmalen Geldbeutel an Ausflügen teilzunehmen oder eine warme Mahlzeit in geselliger Runde einzunehmen.

Mareen Bähr (hinten) und ihre Kolleginnen beim Mittagstisch im Südstadtforum, einem preiswertes Angebot, das auch Rentner und Rentnerinnen gerne nutzen. Foto: M. Matejka

Mareen Bähr, ist im Seniorenamt mit ihrem Bereich quartiersorientierte Seniorenarbeit unterstützt durch Dr. Eva Kopf mit dem Schwerpunkt Monitoring für die Entwicklung und Umsetzung von Konzepten zur Thematik Altersarmut zuständig. Dabei bauen sie auf bestehende Hilfen auf. Um die verschiedenen Initiativen in den Quartieren im Blick zu behalten, gibt es unter der Regie der vom Seniorenamt geförderten Seniorennetzwerke regelmäßige Runde Tische. Hier tauschen sich alle Akteure der Seniorenarbeit, Wohlfahrtsverbände, Organisationen, Vereine, Kirchengemeinden und Mitglieder des Stadtseniorenrats sowie das Seniorenamt aus. Um die verschiedenen Initiativen im Blick zu behalten, gibt es einen runden Tisch. An dem tauschen sich Organisationen und Kirchengemeinden mit dem Stadtseniorenrat und dem Seniorenamt aus. Somit ist gewährleistet, dass die Aktivitäten auch in der Zielgruppe der älteren Menschen mit kleinem Einkommen bekannt werden.

Die Aktivitäten sind vielfältig. So sorgen Ehrenamtliche einer Kirchengemeinde in der Nordstadt dafür, dass man dort günstig Brot kaufen kann. Mittagstische in Bürgerzentren und Heimen sind offen für Senioren aus dem Stadtteil und kosten nicht viel. Zusätzlich bieten die gemeinsamen Mahlzeiten einen Anlaufpunkt, um sich über finanzielle Unterstützung zu informieren. Als Anlaufstellen, um sich über solche Möglichkeiten im Stadtteil zu informieren, können die Koordinatorinnen der Seniorennetzwerke im eigenen Quartier kontaktiert werden. Wer beispielsweise weniger als 869 Euro im Monat zur Verfügung hat, sollte seinen Anspruch auf Grundsicherung prüfen lassen

Nürnberg Pass hilft finanziell

Eine echte finanzielle Erleichterung stellt der Nürnberg Pass auch für Menschen, die von Altersarmut betroffen sind, dar. Mit ihm erhält man Zugang zu einer Reihe von Vergünstigungen wie dem 15 -Euro- Ticket bei der VAG oder zu niedrigeren Eintrittspreisen bei Kulturveranstaltungen oder Schwimmbäder. So wurden Serviceleistungen von Apotheken aufgenommen. Eine Liste der Angebote kann im Internet abgerufen werden. Wer Anspruch auf den Nürnberg Pass hat, nutzt in der Regel auch die Vergünstigungen, die er bietet. Die Älteren, die sich schämen, weil sie Unterstützung »vom Amt« benötigen, verschwinden langsam. Die jüngere Generation der Seniorinnen und Senioren, die jetzt von einer kleinen Rente leben müsse, nutze die Hilfen selbstverständlicher, erläutert Mareen Bähr. Nicht immer hat Armut allein mit fehlendem Geld zu tun, sondern auch mit Armut an sozialen Kontakten. In den zwei Jahren Pandemie sind viele Leute verloren gegangen. Daher werden verstärkt Anreize geschaffen, das Haus zu verlassen. Rundgänge im eigenen Stadtteil mit anderen Bewohnern sind eine Möglichkeit, hier Hemmschwellen abzubauen.

Zu den digitalen Welten hinführen

Auch die Hinführung zu digitalen Welten gehört zum Programm. Es existieren zahlreiche Möglichkeiten für Einsteiger im Seniorenalter. Sie reichen von Leihgeräten für alle, die sich kein teures Gerät leisten können bis hin zu PrePaid Gebührenmodellen und die Möglichkeit, eine Anschaffung finanziell zu fördern. Derzeit entsteht eine Aufstellung von Räumen in der Stadt, in denen kostenloses W-Lan zur Verfügung steht. Schließlich gehört die Nutzung von Social Media und anderen digitalen Services ebenfalls zur Teilhabe.

Selbst bei den sprunghaft gestiegenen Energiepreisen hat die Stadt einige Entlastungsmöglichkeiten. Da ältere Menschen häufig ihre Elektrogeräte lange in Gebrauch haben, wäre ein Check sinnvoll, ob eine bessere Effizienzklasse nicht Kosten spart. Hier kann beispielsweise die Energiesparberatung der Stadt kontaktiert werden. Die Seniorennetzwerke haben Kontakte zu Stiftungen und können bei Bedarf Hilfen vermitteln.

Langfristige Prognosen gehen davon aus, dass sich die Armut im Alter in den nächsten Jahren verschärfen wird. Zwar ist es Sache der Bundesregierung, die Rahmenbedingungen wie die Höhe des Wohngelds, die Leistungen der Pflegeversicherung oder die Kosten des Klimawandels in Form von Steuern und Abgaben festzulegen. Aber es bleibt eine dauerhafte Aufgabe für die Stadt, den Handlungsspielraum auszuschöpfen, um die Auswirkungen von Armut im Alter abzumildern.

Text: Petra Nossek-Bock; Fotos: Michael Matejka

Anlaufstelle für den Nürnberg Pass: Telefon 0911 / 231-4347