Hello All, wohlmeinendes „Framing“* taucht selbst Garstiges in ein besseres Licht. Gleicher Sachverhalt mit besserem Framing – und schon tut nicht nur ARD-Gucken sondern auch Altern weniger weh: Seniorenresidenz anstatt Altenheim; stille Würde ausstrahlender Senior anstatt anteilslos dahockender Greis; kleine Frühlingsportion anstatt Seniorenteller. Klingt in meinen Ohren besser, löst schönere Bilder aus, senkt Schamschwellen. Ist das alles nur verlogen oder eher liebenswürdig? Nicht nur das professionelle Marketing erleichtert uns den gedanklichen Umgang mit den Besonderheiten des Alterns. Ich ertappe mich täglich beim selbstgemachten Framing. Die freundschaftliche Frage eines Altersgenossen „Wie geht’s denn heute so?“ könnte ich beantworten, indem ich vom schütteren Scheitel bis zur Hammerzehe alle Beschwerden samt Laborparameter aufliste oder nach aktuellem  Beschwerlichkeitsgrad geordnet moniere: – schlechtes Framing. Denn es zieht beide Gesprächspartner tief runter. Mit der Gefahr, unterhalb des Bodens der Tatsachen zu landen; peinlich. Will ich also die Freundschaft pflegen, leitet ein scherzhaftes „Nicht so gut wie Dir!“ das Gespräch auf eine lockere Bahn und Wohlfühlebene – gutes Framing. Ist das politischer Euphemismuszwang? Ich gehöre zu jener Studentengeneration, die reflexartig alles kritisch hinterfragen musste, um nicht als völlig naiv oder stigmatisierend reaktionär zu gelten. Wehe, wenn man nicht das Problem zuerst erkannte hatte, sich oberflächlich gefreut hatte. Vorbei. Vermutlich liegt es heute an meinem Alter, sprich Reife, dass ich mich zunehmend über einen positiven Kontext freue; das Gute in einer Nachricht suche. Ich mutiere zum Framing-Fan; würde es aber gerne anders nennen: positiver denken.

Ihr Global Oldie

“Framing Manual” , Elisabeth Wehling im Auftrag der ARD, 2017;

besser zugänglich: Robert Entman: Framing: Towards a Clarification of a Fractured Paradigm (1993)