Hello All,

Eltern outen sich als besonders fürsorglich indem sie ihren Kindern ständig „pass auf“ hinterher rufen. Gut gemeint, doch schlecht gemacht. Weil sich eine stereotype Warnung abnutzt, bald ungehört bleibt und dennoch längerfristig eher zur Verunsicherung des Kindes führt. Anstatt dem Kind zu helfen, selbst ein Risiko zu erkennen und es zu meiden.

Ein ähnliches Verhalten stößt uns in unserem gealterten Freundeskreis auf. Weil auch unsere Kinder ihre Senioren mit allgemeinen Warnungen aufscheuchen, nerven – und ebenfalls verunsichern. Gewiss, früher oder später geht’s mit uns Alten bergab, physisch sowieso; vielleicht auch emotional und intellektuell. Insofern können wir den Jungen dafür danken, dass sie unser Welken im Auge behalten. Wenn wir zunehmend „pass auf Dich auf“ hören, sollten wir Verdacht schöpfen, dass da etwas im Busche lauert. Daher lohnt es sich nachzufragen, ob und was die Jungen denn konkret als mögliche Gefahrenquelle identifiziert haben.  Immerhin, sie haben eine andere Sicht auf die Dinge und uns herum – und auf unsere Entwicklung.

Die wird auf Dauer nicht gut gehen; das sollten wir uns ehrlich zugestehen. Meinen die Jungen auffällige Vergesslichkeit unserseits, einen fehlenden Handlauf an der Treppe, kriminelle Emails oder zum Verwechseln ähnliche Tabletten in unserem Arsenal? Nur raus mit der Sprache; lasst uns das offen ansprechen und gemeinsam beraten. Unsere langhubigen Ängste und Sorgen sollten wir mit den Kindern teilen; ebenso wie das, was uns besonders freut und angenehm ist; Freunde, Haustiere, Hobbies. Damit sie wissen, was unsere Gemütslage längerfristig definiert. Sorgen um fortschreitende Erkrankungen, finanzielle Dinge, Angst vor Einsamkeit.

Mich treibt z.Z. um, was wir im Haus jetzt ändern und anbringen sollen, um unsere Eigenständigkeit so lange wie möglich zu bewahren. Planen, welche realistischen Alternativen wir akzeptieren, wenn wir nicht mehr alleine klarkommen werden. Auch Vorhaben außerhalb unserer Routine sollten wir mit den Jüngeren teilen. Um sie zu informieren und um eine andere Meinung zu hören. Z.B.  zu geplanten Anschaffungen, Kündigungen, Kontakten und Aktivitäten. Beratung ja gerne; Nudging – so ich das merke – eher nicht, und Bevormundung lehne ich ab; zumindest vorläufig. Ja, Vorsicht ist geboten, bitte aber konkret.

Ihr Global Oldie