vignette_nosseck_bock Vor ein paar Tagen rief eine Kollegin an. Sie wollte mich zu meinen Erlebnissen als Lokalreporterin befragen, da sie einen Bericht über den 9.November schreiben sollte. Sie sei beim Blättern in alten Zeitungen oft auf meinen Namen gestoßen. Ich war gerührt. Jetzt bin ich Zeitzeugin und werde befragt.
Das bedeutet aber auch, ich bin schon älter und kann den Nachgeborenen etwas erzählen.In meiner Vorgängergeneration waren die mündlich überlieferten Erlebnisse eng mit Krieg und Neubeginn verknüpft. Großeltern, Onkel und Tanten berichteten über ihre Erinnerungen an die schlimme Zeit. Meistens unaufgefordert und immer wieder.
Ich bin in einer friedlichen Zeit aufgewachsen. Nicht,dass ich mich nicht an die aufgeheizte Stimmung während der Debatte um die Stationierung von Langstreckenwaffen erinnere. Doch ich denke dabei auch an die Menschenkette mit 100 000 Teilnehmern.
Meine Generation ist im Frieden geboren und hat eine friedliche Revolution erlebt. Von ihr berichte ich nicht häufig und schon gar nicht unaufgefordert.
Dabei bin ich tatsächlich einen Tag vor dem Mauerfall aus der damaligen DDR nach Westdeutschland gereist. Meine Schwester und ich kamen von der Beerdigung meiner Großmutter. Wir hatten uns gewundert, warum die Grenzer so nachlässig waren.
Denn obwohl schon deutliche Vorzeichen auf das geschichtliche Datum hinwiesen, hat es doch keiner geglaubt, dass alles friedlich blieb und die Grenze tatsächlich geöffnet wurde.
Die Tage danach waren in meinem Journalistenleben mit die eindrucksvollsten in immerhin drei Jahrzehnten. Hier der wirklich lesenswerte Bericht der NZ-Kollegin Isabel Lauer.
Obwohl sich Deutsche Ost und Deutsche West fremd geworden waren, überwog die Toleranz und die Hilsfbereitschaft in jenen Tagen. Darin erinnere ich mich gerne und das erzähle ich auch weiter. Vielleicht später mal der Enkelgeneration.