Zum Weltgesundheitstag ist in der Welt online ein Artikel erschienen, der mich zum Kommentieren reizte. Dabei hatte ich mir eigentlich ein ganz anderes Thema vorgenommen. Doch beim Suchen nach aktuellen Themen bin ich von der Diskussion über die Fahrprüfung für 64-Jährige und die Besteuerung von vielen Millionen Rentnern, die wahrscheinlich häufig von der komplizierten Steuerregelung schlicht überfordert sind, bei dem Interview mit dem Gesundheitsapostel Detlev Ganten (Jahrgang 1941) hängen geblieben.
Dieser verkündet stur, dass der Mensch selber dafür verantwortlich ist, ob er bis ins hohe Alter für das Berufsleben einsetzbar bleibt. Als ob das wirklich ein erstrebenswertes Ziel wäre.
Ich denke langsam, man möchte den Ruhestand abschaffen. Daher das mediale Dauerfeuer, mit dem die Leistungsfähigkeit der Senioren beschworen wird. Bis hin zur Bundesagentur für Arbeit, die einen neuen Höchststand an Beschäftigten jenseits der 60 proklamiert. Wohl wissend, dass die SPD ihre Zustimmung zur von ihr eingeführten Rente mit 67 an die Zahl der Beschäftigten in jenem Alter gekoppelt hat.
Aber das Trommelfeuer an Meldungen über die rüstigen Rentnerinnen und Rentner reißt nicht ab. Dabei kannte ich viele, die sind schon vor Erreichen des 65. Lebensjahrs gestorben. Ich wollte schon mal eine Sterbestatistik auswerten, um zu sehen, wie viel Prozent das insgesamt sind, die nie eine Rente bezogen haben, weil sie vorher schon den Löffel abgegeben haben. Darüber spricht keiner.
Doch, wer nicht das Glück hat als Politiker ins Seniorenalter zu gelangen, hält offenbar wenig von der immer weiter ausgedehnten Zeit der Berufstätigkeit. Das zeigt auch der eingangs erwähnte Artikel. 174 Kommentare hat er zum Zeitpunkt, als ich auf ihn gestoßen bin, hervorgerufen. Ich war jedenfalls ganz brav und habe in meinem Kommentar nicht auf die Politiker geschimpft. Obwohl ich das angesichts dieser blöden Debatte gerne getan hätte und auch wegen des absolut indiskutablen Fotos, mit dem das Interview illustriert wurde. Aber da waren schon andere Kommentatoren vor mir da, die sich über die geschniegelte Optik des Werbefotos lustig gemacht haben. Wegen der Bildrechte kann ich es hier nicht zeigen, aber man kann es ja per Mouseklick selber anschauen und sich einen Eindruck von diesen mit Kopfhörern versehenen lebensfernen Klone machen.
Noch ein Nachtrag. In vielen großen Unternehmen werden die Mitarbeiter nicht mehr als Individuen, sondern nur noch als Human Capital in ihrer Gesamtheit gesehen. Ob man da nicht schon die Bestnote A allein deswegen verliert, weil man 50 plus ist? Hier ein lesenswerter Beitrag über die Zukunft als Arbeitnehmer.