Norwegische Forscher machen Versuche mit einem “Facebook light” für demenzkranke Menschen und haben durch verbesserte soziale Kontakte positive Erfolge hinsichtlich der Aktivität der Patienten festgestellt. Die Wissenschafter der Stiftung für wissenschaftliche und industrielle Studien am Norwegischen Institut für Technologie (SINTEF) http://sintef.no haben dazu eine abgespeckte Version eines sozialen Netzwerks geschaffen. “Die Benutzeroberfläche herkömmlicher Social Networks ist für viele Menschen zu kompliziert”, sagt Tone Øderud, die für SINTEF an dem Projekt arbeitet. Andererseits fragt sich die Forscherin, warum Senioren von Social Media ausgeschlossen werden sollten, obwohl diese die Kommunikationsform der Zukunft darstellen. Ihrer Meinung nach sei das oft der Fall.
Um dieses herauszufinden, benötigt man meiner Meinung nach keine langwierige Studie. Der Blick auf das Verhalten der Zielgruppe würde genügend. Ich frage mich allerdings, ob Menschen, die sehr vieles vergessen und deren Kurzzeitgedächtnis meist stark eingeschränkt ist, die Bedienung eines Gerätes erlernen sollen? Demenzkranken wissen meist nicht mehr, was es heißt, sich hinzusetzen. Wie sollen sie dann begreifen, dass sie ein Gerät einschalten sollen und es mit gezielten Bewegungen zum Laufen zu bringen?
Manchmal habe ich den Eindruck, die Menschen, die sich zunehemnd mit dem Thema Demenz beschäftigen, wissen gar nicht, worum es eigentlich geht und haben noch nie einen Kranken selber erlebt. Die springen nur auf einen Zug auf, der Erfolg und Gewinn verspricht, jagen nämlich der Prognose hinterher, dass künftig ganz viele Menschen von dieser Krankheit betroffen sein werden.
Im Pressetext heißt es, Øderud arbeitet in einer multidisziplinären Forschergruppe, die ein webbasiertes Kommunikationstool entwickelt, das wegen seiner Einfachheit für demenzkranke Menschen geeignet ist. Ziel ist ein sicher und vereinfachter Alltag für diese Gruppe, ihre Verwandten und das Personal in Altenheimen. Zudem soll das Programm auch Datenschutzstandards gerecht werden. Die Forscher glauben, dass so eine Plattform die Lebensqualität älterer Menschen in einer alternden Gesellschaft klar erhöht, gleichzeitig aber den Druck von Pflegern und Therapeuten nimmt.
Nach ihren bisherigen Erfahrungen hat der Kontakt mit der Welt draußen einen positiven Effekt auf Menschen mit Demenz: “Wir haben schon einige praktische Tests mit anderen webbasierten Kommunikationstools gemacht, inklusive einem digitalen Tagebuch und einem Einklebebuch mit persönlichen Fotos, Zeitungsartikeln und anderen Informationen.” Beide haben den Studien zufolge auch die Kommunikation zwischen den Verwandten und der Pflege verbessert, so Øderud. Dieser simple, ungezwungene Kontakt hat auch das allgemeine Sicherheitsgefühl gesteigert. Dies nicht zuletzt, weil das Personal weniger Zeit dafür aufwenden muss, Verwandte zu verständigen.
Das Ende dieser Entwicklung ist schon absehbar. Die Menschen, die sich nach persönlichem Kontakt sehnen, werden vor einen Computer gesetzt, der dann auch noch die Kommunikation mit den Angehörigen erleichtern soll. Klar, das der Umgang auf Distanz weniger anstrengend ist, als der persönliche. Und die Angehörigen sind wohl so lästig, dass sich das Pflegepersonal am besten nur noch per E-Mail mit ihnen auseinandersetzt.
Das ist einfach, man kann Lästiges wegklicken und Rückfragen oder manchmal auch Stimmunglagen, die Angehörige mal schwierig machen, weil sie über den Verlust der Identität ihres Partners, Elternteils oder Freundes trauern, kann man per Mausklick bearbeiten. Ein bisschen Trost im persönlichen Umgang ist da wohl schon zu zeitraubend. Mir graut vor solchen technischen Entwicklungen, weil ich immer wieder erlebt habe, dass Menschen in diesen besonders belastenden Situationen auch einmal in den Arm genommen werden wollen und nicht nur auf die blanke Oberfläche von Tabletcomputern starren sollten in der Hoffnung auf ein Fünckchen Kontakt.