Die Kritiken sind gut. Mit 72 Jahren hat Götz George ein Comeback geschafft. Seine Figur, der Kommissar Schimanski, ist glaubwürdig in die Riege der Tatort-Kommissare zurückgekehrt. Die Story war gut, die Spannung hielt über die gesamte Länge des Krimis an und das Erstaunlichste: Schimanski wirkte durchaus glaubwürdig.
Bisher habe ich allerdings noch keine Kritik gelesen,die das Alter des Tatort-Rentners thematisierte. Dabei fand ich es geradezu ideal gelöst, wie sich der Ex-Polizist wieder in seine alte Wirkungsstätte schmuggelt, sich an den Ort des Verbrechens zurückmeldet. Nicht als Privatschnüffler wie man es aus amerikanischen Krimis kennt, sondern als Ex-Polizist, der jemandem einen gefallen tun möchte. Es ist ein zuftiefst moralisches Anliegen, einer Mutter zu helfen, den Selbstmord ihres Sohnes zu verstehen. Das geht natürlich nicht, ohne im alten Sumpf der Duisburger Hafenwelt zu ermitteln.
Überzeugend waren für mich auch die Reibereien zwischen dem alten Fuchs Schimanski und den jüngeren Kollegen. Denn es ist in der Tat problematisch, wenn ein Ruheständler sich ungefragt einmischt. Und dabei noch erfolgreicher ist als seine jüngeren Kollegen. Bei Schimanski war dieser Konflikt deutlich spürbar. Eine Leistung des Ausnahme-Schauspielers Götz George. Selbst die obligatorischen Prügelszenen gelangen ohne Peinlichkeit. Das bisschen Selbstironie, das George der Figur hinzugefügt hat, machte sie eher sympathisch. Da trat dem Zuschauer kein ihn Ehren ergrauter Kriminaler entgegen, sondern eine Figur, die trotz des Alters immer noch Kraft und Durchsetzungsvermögen ausstrahlt.
Ich wünsche mir mehr Folgen, denn Schimanski ist ein guter Vermittler zwischen den Generationen. Er zeigte mit diesem Tatort deutlicher als viele Talkrunden im Fernsehen, dass sich Alte nicht aufs Abstellgleis schieben lassen, sondern häufig noch fit genug sind, um ihr Wissen und ihre Erfahrung einzubringen. Vielleicht wächst so das Verständnis dafür, dass die alten Rollenmuster zwischen Jung und Alt in Bewegung geraten sind.