Zu meiner Sonntagslektüre gehörte diesmal das Magazin Chrismon. Darin fand ich ein Interview mit Margarete Mitscherlich und Bettina Röhrl über die Mutterrolle. Das Interview war ambitioniert, aber ich habe es nur überflogen. Was mich aber beeindruckt hat, ist die Tatsache, dass eine 93-Jährige noch so fit ist wie Margarete Mitscherlich.
Neulich habe ich in einem Altenheim eine 90-Jährige besucht, deren Sohn in einem Heim für Behinderte lebt. Der Sohn ist 60 Jahre alt. Die Mutter und der Sohn leben also unter ähnlichen Bedingungen. Allerdings mit einem anderen Tagesablauf.
Die alte Dame war ebenfalls noch geistig sehr rege und es machte mir Spaß, mich mit ihr zu unterhalten. Sie erzählte mir, dass sie schon vor Jahren in das Heim gezogen ist. Sie habe diesen Schritt bewusst gemacht und sich sehr schnell eingelebt. Einige Jahre gehörte sie dem Heimbeirat an.
Für sie sei es immer wichtig gewesen, Distanz zu ihren Mitbewohnern zu haben, erklärte sie. Auf Klatsch und Tratsch hat sie sich nicht eingelassen. Das haben ihre Mitbewohner respektiert. Dabei habe ihr geholfen, dass sie die meisten bis heute sieze, obwohl es normalerweise üblich ist, sich zu dutzen.
Sie meinte, nur diejenigen Heimbewohner, die von ihren Angehörigen oder direkt aus der Klinik in das Haus gebracht wurden, hätten Schwierigkeiten, sich zu integrieren. Die träumten von ihrem alten Zuhause und würden gerne dahin zurückkehren.
Sie dagegen habe das Kapitel in ihrem Leben abgeschlossen und mit dem Umzug ins Heim ein neues aufgeschlagen. Das hat mir imponiert. Ich glaube, solche Erfahrungen haben auch andere gemacht. Wahrscheinlich ist das wichtiger als das Alter, in dem man in ein Heim umzieht.