Elisabeth Ries, die neue Sozialreferentin der Stadt Nürnberg ist seit 1. Mai im Amt und voller Pläne: Hier sieht sie sich  auf der Baustelle in der Regensburger Straße um, wo das August-Meier-Heim modernisiert wird. Foto: Kat Pfeiffer

Die ersten sechs Monate in ihrem neuen Aufgabengebiet hat sich Elisabeth Ries sicher anders vorgestellt. Die Sozialreferentin der Stadt Nürnberg ist seit 1. Mai im Amt und startete mitten in der Coronakrise. Die berufsmäßige Stadträtin ist für Menschen aller Lebensalter zuständig. So ist sie eine gefragte Gesprächspartnerin in unzähligen Krisensitzungen und Planungsrunden. Dabei hat sie ihre Ziele nicht aus den Augen verloren. Und dazu gehört auf jeden Fall die Weiterentwicklung der Seniorenpolitik.

Dezentrale Arbeit in Stadtteilen soll ausgebaut werden

Obwohl derzeit die disruptive Methode im Management immer mehr Anhänger findet, setzt Elisabeth Ries auf Kontinuität und eben nicht auf die Zerschlagung bestehender Strukturen. Manches, was ihr Vorgänger Reiner Prölß initiiert hat, möchte sie fortsetzen. »Als langjährige Mitarbeiterin der Stadt Nürnberg kenne ich die kommunale Sozialpolitik gut und habe vor meiner Wahl deutlich gemacht, dass ich ihre großen Linien fortführen will«, erklärt sie. Die dezentrale Arbeit in den Stadtteilen möchte sie weiter ausbauen. Das soziale Netz soll noch enger geknüpft werden. Wo keine nachbarschaftlichen Strukturen für die älteren Bewohner existieren, werden welche entstehen. Dabei sollen Ehrenamtliche einbezogen werden. Den Plan für den Ausbau dieser Seniorennetzwerke in den Stadtteilen hat der Stadtrat bereits beschlossen. Seine Umsetzung wird sich über einen längeren Zeitraum erstrecken, ist Ries überzeugt.

Dennoch löst die Verbesserung der wohnortnahen Versorgung in den Stadtteilen etwas ein, was Elisabeth Ries besonders wichtig ist. Das ist die Teilhabe am Leben, egal wie alt jemand ist und wieviel Geld er oder sie zur Verfügung hat. Armut im Alter zu bekämpfen, das ist wegen der gesetzlichen Zuständigkeit für Rente und Existenzsicherung eher Aufgabe der Bundespolitik, räumt sie ein. Im Wirkungskreis des Sozialreferats auf der örtlichen Ebene gehe es mehr darum, die Auswirkungen von materieller Not zu lindern. Deshalb sollen Angebote geschaffen werden, die jedem offenstehen.

Rezepte gegen die Vereinsamung

Das ist auch der Anspruch bei der Neuausrichtung des Treffs Bleiweiß. Ob Online-Aktivitäten, Rezepte gegen die Vereinsamung oder aktive Beteiligung der Älteren an Freizeitprogramm, Sport und Bewegung: Die Angebote der Stadt richten sich an eine große Zielgruppe. Schließlich ist jeder vierte Nürnberger inzwischen über 60. Und die meisten sind fitter als die Alten vorheriger Generationen. Sie einzubeziehen in aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen wie den digitalen Wandel, hat sich Elisabeth Ries ebenfalls zur Aufgabe gemacht.

Damit das funktionieren kann und genügend Fachkräfte gewonnen werden, muss die Neuausrichtung der Ausbildung in der Pflege als generalistische Ausbildung gelingen.  Krankenhäuser und Altenhilfe arbeiten eng zusammen, das Sozialreferat hat dazu einen runden Tisch aller Träger eingerichtet. Ein Schwerpunkt des Systemwechsels liegt darin, dass Fachkräfte der Kranken- und Kinderkrankenpflege auch darin unterrichtet werden, alte Menschen zu pflegen, und in der Altenpflege Ausgebildete auch im Krankenhaus eingesetzt werden können. Im September ist der erste Jahrgang unter den neuen Bedingungen gestartet.

Mahnerin, Lobbyistin, Diplomatin, Werberin und Übersetzerin

Überhaupt steht die Sicherstellung einer qualitativ guten Versorgung im ambulanten wie im stationären Bereich im Mittelpunkt der Arbeit der Sozialreferentin. Dafür tritt sie als Mahnerin, Lobbyistin, Diplomatin, Werberin und Übersetzerin auf, je nachdem, was die Situation erfordert. Diese viele Rollen haben einen gemeinsamen Nenner, nämlich die Anliegen der Senioren in allen Bereichen der Verwaltung zu verankern und nicht nur auf das Seniorenamt zu beschränken.

Ebenfalls völlig umgekrempelt werden die städtischen Alten- und Pflegeheime des NürnbergStift. Das denkmalgeschützte August-Meier-Heim an der Regensburger Straße wird durch einen benachbarten Neubau ersetzt, der den Anforderungen der Gegenwart angepasst wird und insbesondere die Belange von demenzkranken Menschen berücksichtigt. Die Seniorenwohnanlage am Platnersberg entspricht ebenfalls nicht mehr den aktuellen Bestimmungen und wird modernisiert. Auch bei der dritten Großbaustelle in St. Johannis wird die bestehende Einrichtung durch ein modernes Gebäude ersetzt, das die wbg an der Großweidenmühlstraße errichtet. 

Versorgung der alten Menschen in Nürnberg liegt ihr am Herzen

Auch für die Zukunft sieht Elisabeth Ries die Versorgung von alten Menschen in Nürnberg durch stationäre städtische Einrichtungen als notwendig an. Denn es diene auch jenen Bevölkerungsgruppen, die es im Pflegemarkt sonst schwer haben. Dabei denkt sie an behinderte Menschen, Obdachlose und andere sozial Schwache.

Selbst gut versorgte Ruheständler sind während der Pandemie darauf angewiesen, dass die sozialpolitischen Entscheidungen der Stadt einer möglichen Ausgrenzung als potenzielle Risikogruppe schon zu Beginn entgegen wirken. Hier setzt Elisabeth Ries auf die Kooperation mit verschiedenen gesellschaftlich relevanten Bewegungen und Initiativen. Besonders sticht für sie der Stadtseniorenrat heraus, der Impulsgeber und Antreiber in einem sei. Wobei die 47-Jährige durch ihre besonnene Art gleich klarmacht: Sie bleibt auf Kurs und verliert ihre Ziele nicht aus den Augen.

Text: Petra Nossek-Bock
Foto: Kat Pfeiffer