vignette Hello All, kann man als Erwachsener oder sogar im Rentenalter noch völlig fremde Sprachen lernen, und falls ja, wie am besten? Die Fachwelt aus Psychologie, Medizin und Didaktik gibt hierzu eine vielstimmige Antwort. Die Pessimisten verweisen auf die biologischen Einschränkungen im Spracherwerb jenseits einer kritischen Altersgrenze, sprich Pubertät, in der sich im Hirn auch in dieser Hinsicht mächtig viel ändert, z.B. in der Neuroplastizität. Die Optimisten halten dem entgegen, dass Ältere das Lernen gelernt haben und eher selbstmotiviert sind, weil sie sich besser vorstellen können, wozu ihnen die Fremdsprache dient. Was ich als Schüler in Sachen Latein und Französisch nie hatte nachvollziehen können. In der Quintessenz sind sich die meisten Experten einig: Im Prinzip geht das ja, aber…Also im besten Falle mit mehr oder minder hartem Akzent; geschenkt. Im fortgeschrittenen Stadium mit gestelzter Grammatik und spröder Syntax – wohl dem, der überhaupt so weit kommt! Nun die gute Nachricht. Viele Ältere Fremdspracheninteressierte können sich noch einen großen Wortschatz aneignen und alltägliche Redewendungen treffsicher einsetzen, dank ihrer Lebenserfahrung. Das sollte für viele Situationen auf Reisen oder im Umgang mit Fremden in unseren Gefilden reichen. Was den ganz Kleinen beim ersten Muttersprachenlernen hilft, fördert auch den neuen Spracherwerb der Senioren: Hohe Emotionalität und direkte soziale Kontakte während des Lernens. Soll heißen, positive Gefühle wie Liebe, Freude, Genuss, Erwartungen und Erinnerungen an Schönes in Verbindung mit der Fremdsprache machen es einem viel leichter, sich die richtigen Worte zu merken. Sprache ist essentiell Kommunikation mit anderen, also mit einem Vorbild oder Lehrer(in) und Mitlernenden; am besten geht’s mit solchen, die man mag. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass Senioren mit technischen Hilfsmittel allein im stillen Kämmerchen, also mit Audiokassetten, Bücher, Computer, Internet, Sprach- Apps etc. nicht so viel Fortschritt erwarten können, wie jene, die sich primär im direkten Gespräch und in angenehmer Gesellschaft der Fremdsprache nähern. Am besten, in die Sprache eintauchen und zusammen mit anderen Sinneseindrücken wie Geschmack, Geruch, Tastsinn und Optik auch die Sprache inhalieren. In der Filmkomödie “Sonntags nie” (mit Melina Mercouri) erklärt das leichte Mädchen Illya seine Sprachfertigkeiten damit, sie habe diese “im Bett” erworben. Eine aprobate Technik! Für andere Genießer rege ich an, integrierte Koch- und Sprachkurse als Einheit bei den Sprachschulen nachzufragen. Vorausgesetzt, die Küche erweckt tatsächlich positive Gefühle. Übrigens soll Fremdsprachenlernen im Alter zusätzlich das Risiko einer (vorzeitigen) Demenz mindern.
Ihr Global Oldie