vignette2012 Hello All, dies ist mein hundertster Blog als „Global Oldie“. Grund zum Feiern? Was hat’s gebracht? Ob ich nicht Lust hätte, mich mit Petra Nossek-Bock vom Magazin sechsundsechzig und Rainer Büschel der Intergenerationes GmbH zu treffen. In Sachen „Beiträge zum Altern“, aus internationaler Sicht, hatte Angela Giese von den Nürnberger Nachrichten angeregt.
International: damals mein akut wunder Punkt. Denn als Ruhestandsfrischling zwickten mich allerhand Entzugserscheinungen: Das Chef-Sein vermisste ich am wenigsten. Eher fehlten mir die Kontakte zu Kollegen und Kunden im Ausland, die Fremdsprachen, die monatliche Dosis an multikulturellen Überraschungen, Hotelzimmerausprobieren und Flughäfen mit den tausend verschiedenen Völkern. Jetzt wochenlang jede Nacht im eigenen Bett; seltsam. Während der ersten Monate als Privatier pendelte meine Gefühlslage zwischen beschwingter Freiheit und lähmender Leere. Ich kam mir vor wie ein heisser Brennstab im Abklingbecken für ehemalige Manager. Irgendwie alles zu ruhig, zu eng, zu berechenbar. So ein Blogbeitrag, einmal die Woche, der würde neben Schwimmbad,Trainingslounge, FaceTime, Bibliothek, Stammtisch, Telefonaten und Hausarbeiten vielleicht einen weiteren Taktgeber hermachen. Die nächsten Reisen sind zwar schon in Sicht; bis dahin ehrlich gesagt, ja ich hätte ich Zeit.
Nur, ich hatte bis dahin noch nie einen Blog verfasst. Das sei ganz einfach, meinten meine neuen Tutoren. Es ginge doch nur um so ein paar Zeilen, einmal die Woche. Mal schauen, ob das überhaupt jemanden interessiert.
Diese „so ein paar Zeilen“ stupsen mich seit zwei Jahren im Wochenrhythmus ans Altern heran; bevorzugt an das der anderen, bisweilen ans eigene. Selbst wenn mir ein paar Tage lang nichts weh tut und ich mich dann überschwenglich fitter denn je wähne: dieses trotzige Verdrängen geht nicht mehr. Denn Donnerstag, mein Oldie Day, naht. Wie prall gefüllt ist die Ideenkladde bis dahin? Ich gründle im Unerbittlichen auf der Suche nach dem Vorteilhaften, Tröstlichen oder Amüsanten im Altern. Seitdem ich blogge, sind die anderen Alten nicht mehr nur Kulisse und Komparsen neben meinem eigenem Leben. Ich screene sie als potentielle Hauptdarsteller in meinem nächsten Blog. Meine wöchentliche Mutation zum Global Oldie erleichtert mir die Akzeptanz der eigenen Seniorität, zumindest etwas. Da fühle ich mich in vielfältiger und oft guter Gesellschaft, wieder weltweit. Ich entdecke so etwas wie heimliche Komplizenschaft mit anderen Senioren. Manchmal spreche ich jetzt ganz gezielt wildfremde Leute an, Junge wie Alte, aus Interesse an dem was sie gerade tun oder darstellen – ich habe ja einen Blog zu bestreiten. Meistens reagieren die Angesprochenen überrascht und positiv. Eine weitere Erfahrung: Menschen sind geborene Geschichtenerzähler. Einige erweisen sich als erbarmungslos, nicht mehr zu stoppen; doch ein paar nette Leute habe ich dabei auch kennen gelernt; passt doch.
Fazit: Aus dem Wochentaktgeber und Zeitvertreib ist mir ein Realitätsanker gewachsen; aus dem Tippen der ein paar Zeilen – die oft nur unter erheblicher Mühe und zig-Fachen Redigieren zu Lesbarem garen wollen *- eine muntere Auseinandersetzung mit dem ganz großen Abenteuer in mir drin. So gesehen eine positive Zwischenbilanz, zumindest aus meiner Sicht.
Bis zum nächsten Mal, dann wieder mit frischem Wind aus der großen, weiten Welt;
Ihr Global Oldie
*Ich zolle daher meinen Mitbloggern, die schon Hunderte Beiträge spendiert haben, einen Heidenrepsekt!