vignette2012 Hello all, in vielen Lebensbereichen erheben die USA weltweiten Führungsanspruch. Doch hier müssen sie sich den Samoanern und Mexikanern geschlagen geben: beim Übergewicht. 90% der Samoaner gelten als schwergewichtig (BMI > 25); in Mexiko 71 % der Erwachsenen; in den USA sind es „nur“ 69 %. Schmecken Frijoles, Quesadillas und Tortillas vielleicht noch besser als Burger und French Fries (=Pommes)? Auf einen gewichtigen BMI über 30 bringen es 1/3 aller erwachsenen Amerikaner.
Bei einigen Mitmenschen pfuschen Evolution, Biologie und Vererbung ins aktuelle Schönheitsideal, wenn Appetit auf Nahrungsangebot trifft. Da gibt es eine Mutation auf dem GEN CEP19, die in enger Korrelation zum Übergewicht steht; nicht nur bei Menschen, sondern ebenfalls bei Mäusen und allen anderen untersuchten mehrzelligen Organismen. Seit ca. 700 Millionen Jahren offensichtlich ein bewährtes Erfolgsrezept für viele Lebewesen; andernfalls hätte sich diese Gen-Variante nicht bei einem gewissen Prozentsatz aller Gattungen etabliert und wäre durch den Selektionsdruck der Evolution längst ausgestorben. Kulturanthropologisch gesehen, fallen die ältesten Frauendarstellungen, wie z.B. die „Venus von Schelklingen“ oder „Venus von Willendorf“ recht üppig aus. Vor 27.000 Jahren hatten unsere Altvorderen Gefallen an weiblichen XXL- Dimensionen und verehrten diese kultisch.
Heute hingegen sind Menschen in solchen Proportionen ein Problemfall fürs Ego, Personalmanager, Verkehrsplaner und Politik. Da musste man in den USA zunächst politisch korrekte Begriffe schaffen, wie „passenger of size“ (Passagier mit Statur), oder „larger“ (größer), um Antidiskriminierungsklagen zu vermeiden. Was Fluggesellschaften wie Delta / Southwest nicht daran hindert, von Passagieren, die eine Sicherheitsgurtverlängerung benötigen und/ oder die Armlehne nicht mehr seitlich am Körper herabklappen können, die Bezahlung und Inanspruchnahme eines zweiten Sitzes abzuverlangen. In Brasilien (ja, dort, wo sich die schlanken „Girls aus Ipanema“ am Strand räkeln) werden in Vorbereitung auf die Fußballweltmeisterschaft 1% aller Zuschauersitze in den Stadien in Überbreite (78cm vs. 44cm) eingebaut; in Folge brasilianischer Gesetze, die die Schwergewichtigen rechtlich mit Schwerbehinderten gleichstellen.
Neben der GEN CEP19 – Variation lässt uns die Natur – zusätzlich – so ab dem vierzigsten Lebensjahr hormonell gesteuert zunehmen. Ab dann schalten reduzierter Stoffwechsel und ein veränderter Hormonhaushalt vom Wachstum auf Erhalt der Körpermasse um; mit den bekannten Fettdepots in Folge, die heute nicht mehr ganz so verehrt werden wie in der Jungsteinzeit. Doch die Geriatrie lässt den gesetzteren Senioren den Trost: Leicht übergewichtige Alte (mit BMI bis 27) leben länger als Normalgewichtige oder Gertenschlanke, weil die etwas Dickeren schweren Krankheiten mit mehr Reserven entgegentreten können.
Na also. Und wie ist das mit den 90% korpulenter Samoaner, selbst in jungen Jahren? Vermutlich hatten deren Vorfahren auf der Suche nach neuen, bewohnbaren Inseln in den Weiten des Südpazifiks während der wochenlangen Seefahrten bessere Überlebenschancen, wenn sie ein paar Pfund Kraftreserven extra körpernah mit sich führten. Und heute vererben sich diese einstmals vorteilhaften Eigenschaften weiter. Also seien sie, so überhaupt betroffen, damit getröstet: Übergewicht im Alter ist eine altbewährte, weltweite Überlebensstrategie!
Ihr Global Oldie