vignette_nosseck_bockDie Debatte um die abschlagsfreie Rente mit 63 Jahren treibt mir die Zornesröte ins Gesicht. Unausgegoren und ungerecht empfinde ich die Vorschläge der neuen Ministerin, Frau Nahles. Anscheinend muss ganz schnell der erste Erfolg her, sonst hätte sie den Gesetzesentwurf doch noch einmal überarbeiten lassen.
Sozialverbände und viele Betroffene sind unglücklich über den Trend, die Rentenansprüche immer weiter aufzusplittern. Es dauert nicht mehr lange, dann sind die gesetzlichen Regelungen zur Rente für den Bürger so undurchschaubar wie die entfesselte Steuergesetzgebung.
Dabei gibt es Menschen, die dringend früher in Rente gehen möchten. Es ist meiner Meinung nach verlogen zu behaupten, sie würden alle auf dem Arbeitsmarkt fehlen. Wer 50 plus ist und seit längeren keinen Job mehr hat, weil der Arbeitgeber eventuell Pleite gegangen ist – und das trifft nicht nur die berühmten “Schlecker-Frauen” – oder dessen Arbeitgeber seine Firma ins Ausland verlagert hat, der ist froh, wenn er auch offiziell aus dem Erwerbsleben ausscheiden darf. Deswegen muss die Zeit der Arbeitsloigkeit anerkannt werden.
Gestern habe ich mich mit einem Kollegen unterhalten, der im Verladehof unseres Druckhauses seit vielen Jahren die Nachtschicht organisiert. Er meinte, nach dem neuen Gesetz könnten drei Kollegen auf einen Schlag in den Ruhestand gehen. Alle drei sind seit längerem krank.
Ist das so verwerflich wie es die Wirtschaftslobby behauptet, diese Menschen in Frührente zu schicken und zwar so abgesichert, dass sie nicht in die Armut fallen?
Ich finde deswegen, die Diskussion diskriminiert in meinen Augen alle, die nicht in einem gut bezahlten Job arbeiten, sondern unter schwierigen Bedingungen und das bereits in einem Alter begonnen haben, in dem die Entscheider im Bundestag überwiegend noch zur Schule gingen. Denn ihr neu geschaffener Anspruch, früher in Rente zu gehen, wird durch die Diskussion mit einem Makel versehen und damit entwertet.