Rente mit 67: Das heiße Eisen wird heute im Bundestag erneut diskutiert. Man darf gespannt sein, was daraus wird. Frankreich hat nach harten Protesten aus der Bevölkerung das Eintrittsalter von 60 auf 62 Jahre angehoben. Die Deutschen, fleißig wie sie sind, wollen doch glatt fünf Jahre drauf legen.
Nicht jedem Arbeitnehmer bekommt das. In einer Dokumentation des WDR, die im Fernsehkanal Phoenix ausgetrahlt wurde, war das deutlich nachzuvollziehen. Hier kamen Arbeiter der Automobilindustrie im Ruhrgebiet zu Wort. Sie erinnerten sich an die goldenen Zeiten, in denen sie immer Geld in den Taschen hatten, weil Wochenend-Schichten mehr die Regel als die Ausnahme waren. Der Strukturwandel durch Rationalisierung machte die meisten der einst so umworbenen Mitarbeiter innerhalb von zwei Jahrzehnten überflüssig.
Wandel ist in einer funktionierenden Wirtschaft die Normalität. Doch die Menschen bleiben auf der Strecke. Ihnen nutzt es wenig, wenn sie noch in der Lage wären, irgendeiner Tätigkeit nachzugehen. Sie haben vielleicht 30 oder 40 Jahre in einem Betrieb zugebracht, und ein besonderes Verhältnis dazu entwickelt, wie es einer der Männer sagte: Man muss seine Arbeit nicht lieben, aber eine tiefe Verbundenheit entsteht trotzdem. Wenn jetzt die Politik so tut, als sei Arbeit gleich Arbeit, so geht dies an den Bedürfnissen der Bürger vorbei.
Einen alten Baum verpflanzt man nicht und einen alten Mitarbeiter, der mit 60 Jahren Opfer von grundlegenden Veränderungen in seiner Branche geworden ist, schiebt man nicht einfach in eine andere Beschäftigung. Bei Politikern mag das anders sein.