Hello All, langes Alleinsein widerspricht unseren evolutionären Urbedürfnissen; Menschen sind eingefleischte Gruppenwesen. Einsiedler, einsame Trapper oder „Lonley Riders“ in der Wildnis, die sich im Alleinsein üben, gelten als Sonderlinge. Sie beherrschen die widernatürliche Kunst, sich beim Alleinsein weitgehend wohlzufühlen oder gar Glück zu empfinden. Wohl dem, der diese Lebenskunst beherrscht im Coronazän!

Seit meiner Jugend faszinieren mich die Berichte der Solo-Weltumsegler. Mit  Bewunderung und Schaudern las ich vom Briten Francis Chichester, der 1966/67, mit nur einem Stopp um die Welt segelte.  Oder vom Franzosen Bernard Moitessier, der ein Jahr danach ohne Hafenaufenthalt die Welt eineinhalbmal umsegelte. Der Clou seiner Tour: Ihn erwartete in Europa eigentlich der damalige Weltrekord für die erste allein durchgeführte non-Stopp Erdumrundung. Doch als er über Funk von seinem wahrscheinlichen Weltrekord erfuhr – drehte er lässig hinter Kap Horn erneut nach Osten ab, um allein in der Südsee dem Medienrummel zu entgehen.

Den dicksten Wasservogel unter den „Einhand-Seglern“ schoss bisher der Australier Jon Sanders ab, als er 1987/88 in 658 Tagen 131,000 Km zurücklegte und so die Erde drei Mal ohne Zwischenhalt umrundete.

Diese Skipper bezwangen chronischen Schlafmangel, Zweifel an ihrer Navigation, mangelhaften Proviant, technische Pannen, Krankheiten, Angst vor Piraten und Kollisionen, widrige Strömungen und furchteinflößende Stürme. Doch die größte Herausforderung ist offenbar das Alleinsein; trotz Bordradio und Funkverbindung.  Bernard Moitessier meditierte so erfolgreich, dass er auf die Funkverbindung zunehmend verzichtete. Jener Mann konnte Einsamkeit bis zur Perfektion.

Jon Sanders ist als achtzig Jähriger mittlerweile zu seiner 11. Weltumseglung aufgebrochen, jedoch nicht mehr non-Stopp. Er entnimmt im Rahmen des Projekts „no plastic oceans“ tägliche Wasserproben und schickt diese ab den Häfen entlang seiner Route an ein Labor. Nun hängt er wegen Corona-Quarantäne auf halber Strecke seit Wochen auf der Insel St. Maartin fest. Recht wohlgemut, wie er auf seinem Blog verlauten lässt. Warum er sich diese Alleinsegelei über menschenleere Ozeane denn sogar noch mit Achtzig antue? „Weil ich es kann und außerdem nichts anderes zu tun habe“.

Mit dieser Haltung kann man Alleinsein wohl längere Zeit bezwingen. Klappt das auch ohne schwankendem Boot unter den Füßen und ohne Ausblick auf endlosen Wasserhorizont? Ich wünsche es allen derzeit Isolierten! Immerhin haben die meisten doch etwas mehr Auslauf zuhause als auf einem 12 Meter langen Boot.

Ihr Global Oldie