Eigentlich könnte ich heute Mittag in einen Pappkarton beißen. Geschmacklich machte mir das nichts aus. Und verursachte auch keinen Aufwand in der Küche. In der kann ich sowieso nicht stehen – zu schlapp. Zwei der gewohnten Sinne haben sich kurz verabschiedet: Ich rieche nichts und ich schmecke nichts. Das macht das angekratzte Dasein wenigstens aus ernährungstechnischer Sicht ziemlich einfach. Im leicht benebelten Omikron-Quarantäne-Zustand schiebe ich den Gedanken an »vitaminreiche Kost« und »gesundheitsbewusste Ernährung« lässig beiseite: Essen wird überbewertet. 

Keimfreien Kontakt zu meinen Mitmenschen halte ich aufrecht. Am liebsten per Festnetz, wie das in meiner Generation der »Ü- sag ich nicht« üblich ist. Und wenn mir der Witz dieser Tage auch etwas abhanden gekommen ist, so erheitern mich dennoch die gleichbleibenden Kommentare zu meinem gegenwärtigen Zustand:

  • »Wo hast du dich denn angesteckt?« (Gute Frage, keine Ahnung.)
  • »Ich war immer vorsichtig, mir ist bisher nichts passiert.« (Impliziert: Naja, du treibst dich ja auch dauernd in der Weltgeschichte herum. Kein Wunder, dass es dich erwischt hat.)
  • »Wie fühlst du dich denn so?« (Einfach super. Besser könnte es nicht sein!)
  • »Meine Nichte hatte es auch. Die hat aber trotzdem im Home-Office weitergearbeitet.« (Heißt: Du Weichei, du machst aus allem ein Drama!)
  • »Pass bloß auf, dass du nicht Long Covid kriegst!« (Ich tue mein Bestes!)
  • »Ich hatte es auch schon.« (Interessanter Ansatz, da kann ich mal nachfragen, wie es verlief.)
  • »Denk dran, dein Onkel ist daran gestorben.« (Hach, hatte ich ganz vergessen. Wie tröstlich!)
  • »Du musst ganz viel trinken.« (Ja, richtig, das sollte ich wirklich.)
  • »Du musst dich gesund ernähren.« (Siehe oben.)
  • »Wann bist du endlich wieder fit?« (Wenn meine Beine nicht mehr wackeln.) 
  • »Das ist doch eigentlich gut, dass du dich angesteckt hast. Stärkt deine Immunabwehr. Wenn wir alle durchseucht sind, hört der Spuk hoffentlich endlich auf.« (So kann man es auch sehen.)

Vielleicht hole ich mir jetzt einen Fruchtsaft aus dem Kühlschrank. Minimaler Arbeitsaufwand, optimale Wirkung. (»Denk dran, Vitamine sind soo wichtig.«) Bis das Killer-Virus eintrifft, vor dem uns unser Gesundheitsminister vorsorglich gewarnt hat, bin ich abgehärtet und gestählt bis in die Knochen. Dann schreibe ich vielleicht die Kolumne, die eigentlich geplant war. Über die »Summer Street«, die ich mir ansehen wollte. Das geht jetzt natürlich nicht, ich darf ja vorerst nicht raus. 

Text: Brigitte Lemberger
Cartoon: Sebastian Haug