Hello All,

„bad news is good news” heißt’s in der Regel im Journalismus. Beim Thema “Alter” scheinen die Medien jedoch eine Ausnahme zu machen. In meiner Wahrnehmung wird uns rund ums Altern überwiegend aufmunternde Kost in Print, Funk und E-Medien geboten: Sechzig sind die neuen Fünfzig. Auch jenseits der Sechzig lassen sich Sprachen, Tanzen und Internetbeherrschung lernen. Senioren bleiben länger fit, kontaktfreudig und mobil. Die Lebenserwartung steigt. Zu meinen Favoriten gehören Ergebnisse aus der Glücksforschung, die zeigen, dass die allgemeine Lebenszufriedenheit im Alter wieder ansteigt und sogar zeitweise die Glückslevel der Kindheit erreichen kann. Wohlmeinende Freunde und Verwandte versorgen mich mit altersoptimistisch aufgeladenen Links und Presseausschnitten. Produktwerbung zeigt mir zunehmend graumelierte Genießer. Und in der politischen Oberklasse scheint das Leben eh erst mit Mitte Siebzig so richtig loszugehen, siehe US-Vorwahlkampf. Man ist für große Ideen und Verantwortung gar nicht so schnell zu alt. Ich lese den Grundtenor heraus: „Leute, Da geht noch was!“

Natürlich weiß ich, wie alle anderen auch, dass mit dem Alter Risiken, Kränkungen und Verluste in allen Varianten Schlange stehen, um einem die Tage zu vermiesen. Aber ich bin dankbar, zumindest das altersbedingte Menetekel nicht allgegenwärtig serviert zu bekommen, sondern auch einen zweiten Blick auf die positiven Möglichkeiten. Noch mehr, ich würde mich freuen, auch zu anderen Themen ähnlich aufmunternde Beiträge zu lesen. Ich wünsche mir mehr Autoren und Redaktionen, die sich einen positiveren Journalismus trauen. Z.B. im Klimawandel liegen auch Chancen; Automatisierung macht Arbeiten sicherer; Welthandel ermöglicht erschwingliche Produkte und hohen Lebensstandard. Damit sich auch meine Enkel nicht vor ihrem Alter fürchten müssen.

Ihr Global Oldie