Hello All,

wie alt wollen wir werden? Das PEW Forschungsinstitut in Washington DC ermittelt im Median-Durchschnitt 90 Lebensjahre als Zielalter amerikanischer Befragte. Das sind 9 – 14 Jahre mehr, als amerikanischen Frauen und Männern durchschnittlich derzeit vergönnt sind (im Vergleich zu Deutschland: 79 bzw. 84 Jahre). Da die einzige Alternative zum Erreichen eines hohen Alters meistens unbeliebt ist, mühen sich schon angehende Senioren, bekümmerte Angehörige und Fachleute aller Couleurs um Rezepte, die das Ende hinauszögern. Zur Freude von Medien, Dienstleistern und Herstellern aus den Wachstumsmärkten von „Anti-Aging“ bis „in Würde altern“.  Ich darf unterstellen, dass auch Sie am eigenen Leibe schon erfahren haben, was solche Maßnahmen abverlangen: zähe Umstellung, Freude zehrender Verzicht und die Schinderei eines ganzen Rudels an inneren Schweinehunden. Gleichzeitig nagen Zweifel: Wie lange halte ich das durch? Ist der langfristige Gewinn an Lebensspanne die derzeitige, reduzierte Lebensfreude wert? Und überhaupt, stimmen die Maßnahmen? Mehr Bewegung, aber ohne Verletzungsgefahr; strukturiert leben mit echten Verpflichtungen, aber bloß kein Stress; länger schlafen aber nicht zu früh ins Bett gehen und nicht zu lange darin lungern; sich sozial engagieren aber nicht über Zeitgenossen ärgern; Zucker oder Fett oder Fleisch oder Obst oder alles und getrennt meiden; Superfood verdrücken aber der Umwelt nicht zur Last fallen; usw. Im Jahrestakt überwerfen neue Erkenntnisse bisherige Gewissheiten. Warum nicht gleich bei den liebgewonnen Gewohnheiten bleiben und auf den nächsten Paradigmenwandel warten?

Die „California Life Company“, Calico, aus San Francisco ist in der glücklichen Lage, von Gönnern wie Lary Page ( Mitbegründer von Google/Alphabet)  mit Milliarden USD ausgestattet, die Sache mit Altern ganz grundsätzlich anzugehen: Bei der DNA. Calico sucht die Codes zu einem längeren und gesünderen Leben in den Genen und Varianten des Genoms.  Calico verdächtigt das Altern per se als den einen großen Risikofaktor, der überwiegend für alterstypische Malaisen verantwortlich zeichnet. Wenn Calico die entsprechenden biochemischen Mechanismen entschlüsselt hat, die uns zur Unzeit altern lassen, will man die Morbidität in die Schlussphase des Lebens komprimieren: also um später – und vermutlich umso heftiger zu erkranken. Erst dann greift die Medizin ein; symptomatisch oder palliativ.

Freunde, dieser Forschungsansatz behagt mir! Er entlässt meinen sündhaften Lebenswandel fundamental aus der Schuld und scheucht nicht unnötig das Rudel an inneren Schweinehunden auf.  Nach diesem Ansatz erteilt die DNA weitgehende Absolution.  Die Rettung naht durch deren Manipulation. Liest sich lebensbejahend, wenn auch etwas fatalistisch. Denn was kann man für seine individuelle DNA? Ich wünsche den Forschern bei Calico vor allem raschen, noch für mich nützlichen Erfolg.

Nachdenklich stimmt mich jedoch, dass „Calico“ auch eine verlassene, weil obsolet gewordene Geisterstadt heißt, in der ebenfalls in Kalifornien gelegenen Mojave-Wüste. Hoffentlich kein „nomen est omen“.

Ihr Global Oldie