Die ehemalige Stadträtin Meta Zill ist ein echtes »Fürther Kleeblättla«, wie man zu sagen pflegt. Foto: Michael Matejka

Virtuelle Freunde zu haben, ist in diesen verrückten Zeiten eigentlich gar nicht so schlecht. Wenn man sich schon nicht treffen kann, dann tauscht man sich halt mit Gleichgesinnten im Netz aus. Und das gilt längst nicht mehr nur für die ganz Jungen. Da ist zum Beispiel die mittlerweile 75-jährige Meta Zill, die bereits seit 2012 Facebook als ihre Plattform nutzt. Ihre witzigen, teils etwas frechen, aber auch nachdenklichen Kommentare zum aktuellen Geschehen fallen auf.

Meta ist ein echtes »Fürther Kleeblättla«, wie man zu sagen pflegt. Sie ist im Stadtteil Schwand/Eigenes Heim geboren und dort acht Jahre in die Volksschule gegangen. Anschließend begann sie eine dreijährige Lehre zum Industriekaufmann (die weibliche Form war damals noch nicht vorgesehen) beim Pestalozzi-Verlag in Fürth. »Verschiedene Arbeitsplätze haben meinen kaufmännischen Horizont zwar erweitert, aber ich wollte immer neue Menschen in neuen Firmen kennenlernen«, erinnert sich Meta Zill. »Ich habe mich nie nur mit der Büro-Arbeit zufrieden gegeben, sondern war neugierig auf das Produkt der Firma und die Arbeitsweise. So habe ich, obwohl ich nie eine kaufmännische Ausbildung wollte, mir nebenbei allerhand angeeignet.« Mit dieser Freude an Veränderungen saß sie dann auch von 1996 bis 2014 für die SPD im Fürther Stadtrat.

Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 2000 begann sie, sich auf die neuen Medien einzulassen und auch hier Schritt für Schritt ihr Wissen und ihre Kompetenzen zu erweitern. »So habe ich mir einen kleinen Computer angeschafft und mich 2005 bei Ebay, der Verkaufsplattform, angemeldet. Um etwas zu verkaufen, musste man es aber zuvor fotografieren. Also habe ich mir eine Digitalkamera angeschafft. Meinen ersten Verkauf über diese Internet-Plattform habe ich 2006 getätigt.«

Öfter mal zur Post

Bei all dem ist sie stolz darauf, ohne Hilfe ihres erwachsenen Sohnes zurecht zu kommen. »Ich verkaufe immer noch und bessere so meine Rente auf«, freut sie sich. Es macht ihr weiterhin Spaß, die Ware zu verpacken und öfter mal zur Post zu gehen. Und dann kam Facebook. Nach ihrem Ausscheiden aus dem Fürther Stadtrat entdeckte sie es für sich. »Menschen durch Berichte und Fotos anzusprechen, und das nicht nur im Bekanntenkreis, hat mich gereizt.« So seien Freundschaften vertieft worden und neue entstanden und zwar mit Menschen, die ihr zunächst vollkommen fremd waren, ihr aber mittlerweile sehr vertraut sind. »Ich habe Freunde im Elsass, in Österreich und Italien«, berichtet sie stolz.

Auch mit ehemaligen Schulkameradinnen, die jetzt in Amerika leben, hat sie sich auf Facebook befreundet. Und frühere Kolleginnen und Kollegen lässt sie an ihrem Leben teilhaben. »Ich freue mich, wenn ich meine Fotos und Berichte von Ausflügen, Urlauben usw. einstellen und dadurch zu Diskussionen anregen kann.« Bosheiten hingegen akzeptiert sie nicht. »Solche Beiträge habe ich auch schon gelöscht und die entsprechenden Kontakte abgebrochen.«

Ohne Angst in die sozialen Netzwerke

Berührungsängste hatte Meta Zill nicht – und rät anderen Seniorinnen und Senioren auch, sich ohne Ängste in die sozialen Netzwerke zu begeben: »Wenn ich höre ›Ich bin zu alt für einen Computer‹, muss ich widersprechen, und ich kann jedem empfehlen, sich auf die neuen Medien einzulassen. Ich konnte deren Funktionen meinen Bekannten mit einfachen Worten erklären und sie dafür begeistern.« Allerdings, rät Meta Zill, sollte man seine Grenzen kennen und nichts ausplaudern, was man für sich behalten möchte. Man könne selber bestimmen, wer was wann lesen darf und kann. Hat sie auch andere Foren ausprobiert? Das Netz bietet schließlich schier unendliche Möglichkeiten. Man kann Schulfreunde und Bekannte finden oder auch einen neuen Partner. Meta Zill: »Ich habe mich zum Beispiel für Grannyaupairs interessiert und war auch eine Zeit, allerdings gegen Gebühr, angemeldet. Das war sehr interessant!« Aber ihre Ehrenämter, die sie nach wie vor in Fürth und Burgfarrnbach hat, schränken sie zeitlich natürlich ein.

Auf die Frage, ob denn auch echte – greifbare – Freunde durch Facebook ersetzt werden können, kommt ein klares »Nein«. Jemandem vis-à-vis gegenüber zu sitzen, mit ihm zu sprechen oder ihn zu fühlen, sei schon etwas anderes. Aber das Eine schließe ja das Andere nicht aus. »Die neuen Medien sollten ohne Berührungsängste genutzt werden. Sie können aber den echten Kontakt nicht ersetzen. Menschen müssen sich sehen und im wahrsten Sinne riechen können. Aber die Chance, jemanden in seiner Nähe kennenzulernen, ist durchaus gegeben und interessant.«

Text: Karin Jungkunz
Foto: Michael Matejka