aaa-vignette Hello all, in den vergangenen Fünfzig Jahren sind 2,8 Mio. Inder in die USA eingewandert. Sie stellen damit, nach den Chinesen, die zweitgrößte Immigrantengruppe aus Asien. Die Frühen unter ihnen haben inzwischen das Rentenalter erreicht. Also zurück in die alte Heimat, wie ursprünglich geplant? Sie sind Bürger der USA und werden bis zum Lebensende dort bleiben. Im tropischen Tavares, Florida, entstand 2008 die erste Seniorenresidenz speziell für Amerikaner indischer Herkunft, das ShantiNiketan das „friedliche Zuhause“; eine Art Mini-Indien, mit indischen Baustilelementen, speziellen Restaurants, Hindu- Gebetsraum und vor allem: indischen Ärzten und Pflegepersonal verschiedener indischer Sprachen. Denn trotz offensichtlich erfolgreicher Integration in die US – Gesellschaft (das ShantiNikestan ist nicht ganz billig), treten im Alter wieder indische Besonderheiten zu Tage: Ein anderer Umgang mit Alterssymptomen und mit traditionellen Vorstellungen verknüpfte Ideen zu Krankheitsursachen und deren Behandlung. Ein Gemeinschaftszentrum für Tanzübungen, Aufführungen, gemeinsam organisierte Feiertage in Landestracht, Lach- Yogakurse, Bibliothek in Sanskrit und gemeinsame Bollywood-Kinoabende runden das Angebot ab. Ein voller Erfolg bisher, so dass weitere, auf solche ethnische Zielgruppen zugeschnittene Seniorenresidenzen entstanden sind. Die Motive der bisherigen Bewohner klingen ähnlich: Man wolle als eventuelle Hilfsbedürftige den erwachsenen Kindern nicht zur Last fallen, keinen moralischen Druck auf die Verwandtschaft aufbauen. Gleichzeitig suche man Verständnis; Ärzte und Betreuer, die neben dem gesprochenen Wort auch die Gesten und Sitten kennen, womit es allen Betroffenen leichter fällt, diskret zu helfen; zu tolerieren, was halt typisch sei für Inder im Alter. „Affinity group communities“ heißen solche Einrichtungen, ein der politischen Korrektheit geschuldetes Wortungetüm, das ungefähr „Gemeinschaft der Ähnlichen“ besagt.
Ich finde dies eine bemerkenswerte Entwicklung. Menschen, die während ihres Berufslebens erfolgreich eine enorme Integrationsleistung vollbracht hatten, ziehen sich im Alter wieder zurück in eine ethnische Enklave; kein von außen erzwungenes Ghetto sondern selbst ausgesuchte Inseln des Friedens unter Gleichen. Statt alleine jeder für sich zu hause fernzusehen, versammeln sie abends einige Alte unter einem der hohen Bäume und ratschen miteinander in einer der Muttersprachen, wie damals die Alten in der echten Heimat, bis sie der Schlaf überkommt. ShantiNiketan.
Ihr Global Oldie