vignette_mielenzEs kann ja sein, dass das, was gerade anderen Orts der “letzte Schrei” ist, auch bei uns Liebhaber findet. In Thailand sind es zurzeit lebensechte Puppen aus Plastik, hergerichtet als Kleinkinder, die insbesondere von Frauen auch wie “Kinder” versorgt und überall hin mitgenommen werden, die mit im Bett schlafen, eigene Kissen und Decken haben und natürlich auch Vorlieben und Abneigungen haben. Die eine Puppe mag z.B. morgens Erdbeermilch. Selbst Gebete werden für Puppen und ihre Besitzer abgehalten. Nein, sprechen können die Puppen nicht, aber geduldig zuhören, wenn man mit ihnen redet.

Die Thailänderinnen glauben, dass diese Puppen den “Geist” eines Kindes in sich tragen und deshalb auch wie ein Kind behandelt werden müssen” (Sonntagsblitz 7.2.2016). Und so sieht man in Thailand immer häufiger diese Puppen, mit einem eigenen Platz im Flugzeug, im Verkehrsmittel  oder im Restaurant. Warum dieser “Puppenwahn”, der auch noch ziemlich teuer ist? Wahrscheinlich ist jemand auf die Idee gekommen, diese Plastikpuppen als Glücksbringer zu verkaufen und vielleicht ist es ja auch “Glück”, wenn sie helfen, Einsamkeit zu lindern, das Leben “sinnvoll” machen und “Halt” geben.

Nun ist ja kaum eine Verkaufsidee so verrückt, dass sie nicht auch Abnehmer finden würde, ganz besonders dann, wenn die Gefühle potenzieller Interessenten angesprochen werden, Eltern, die keine Kinder oder Großeltern, die keine oder nicht in der Nähe wohnende Enkelkinder haben, vielleicht allein lebende, einsame Menschen?  Puppenliebhaberinnen gibt es jedenfalls auch bei uns. Die Bandbreite der “Ersatzangebote” in unserem Land ist groß und reicht von den Kuscheltieren für Oma und Opa bis zum Robotereinsatz in der Pflege.

Da kann man schon nachdenklich werden und hoffen, dass Kommunikation und sozialer Kontakt der Menschen aus Fleisch und Blut den “Kinderengeln” widerstehen.