vignette_mielenzAlle streiten, die Großeltern, die Kinder und natürlich auch die Enkelkinder, manchmal heftig, manchmal weniger heftig, untereinander und zwischen den Generationen. Diejenigen, die nie streiten, sind wohl eher selten. Streiten sei das “Salz ” im (familiären) Beziehungsleben, sagt man und wenn man “richtig” streitet, kann das sogar die Beziehungen festigen. Naja, auch unter Erwachsenen kann schon mal ein Streit eskalieren und Reaktionen hervorrufen, die man ja so nicht wollte. Richtiges Streiten haben wir Erwachsene nicht gelernt, schon in unserer Kindheit ist uns vermittelt worden, dass streiten eher was schlechtes sei und bestraft werden müsse.

Auch wenn man als Erwachsene strittige Auseinandersetzungen zwischen den Kindern nicht toll findet und der Zoff zwischen den Enkelkindern fürchterlich nervt, dennoch: gerade für die kindliche Entwicklung ist Streiten wichtig, wenn die Auseinandersetzung “wertschätzend und respektvoll” geführt wird, wenn die Kinder sich nicht anbrüllen oder tätlich zur Sache gehen, also sich nicht schlagen, beißen oder kratzen  (NZ 21.11.2015). Und natürlich sollte permanentes Streiten der Kinder (und der Erwachsenen) vermieden werden.

Selbstverständlich gibt es eine Reihe gut gemeinter Regeln für eine konstruktive Streitkultur, die wie folgt formuliert werden: Pauschalierungen vermeiden (z.B. du machst das ja nie), Anklagesätze vermeiden, den anderen nicht verletzen, nicht beleidigen, die Vergangenheit ruhen lassen (damals hast du ja auch nicht …), auch mit den Kindern nicht vor anderen streiten, zuhören, Kompromisse anbieten, und sich viel Zeit nehmen und vor allem viel loben, am besten schon von Anfang an.

Was aber tun, wenn doch beim Streiten jede Menge Emotionen im Spiel sind und die vielen schlauen Regeln, die es zu beachten gilt, einem so gar nicht einfallen wollen? Richtig schlimm werden Streitereien ja erst, wenn gar nichts mehr geht, wenn die Kinder in ihr Zimmer verwiesen werden, ohne dass sich der Streitgrund aufgeklärt hätte oder Erwachsene tagelang nicht mehr miteinander sprechen, entweder weil sie doch sehr verletzt sind oder weil sie jedem Streit aus dem Weg gehen. Ich glaube, wenn “richtig” streiten gelernt sein will, hilft nur: üben, üben, üben ….und alles nicht so ernst nehmen.