vignette_mielenzWenn beide Eltern berufstätig sind, dann sind die Ferienzeiten im Kindergarten und/oder in der Schule oftmals ein Problem in der Betreuung der Kinder. Da kommt schnell die Idee auf, dass es doch schön wäre und allen gut täte, wenn die Großeltern mit den Enkelkindern verreisen würden, zumal sich immer mehr Reiseveranstalter auf die Zielgruppe Großeltern mit Enkelkindern einstellen und spannende Angebote entwickelt haben.

Gesagt, getan? Vorsicht, ganz so einfach ist das alles heutzutage nicht mehr, auch eine Reise mit den Enkelkindern will von Eltern und Großeltern gut bedacht und geplant sein. Über die notwendigen Formalitäten (Vollmachten) der Eltern für die Großeltern habe ich schon berichtet, das soll hier nicht wiederholt werden. Hier geht es um Vorbereitungen, die  das Beziehungsgeflecht zwischen Großeltern und Enkelkindern betreffen. Dabei kommt es sehr darauf an, wie alt die Enkelkinder sind (und die Großeltern?) und wie eng die Bindung der Kinder zu den Eltern (noch) ist…. sind die Großeltern auch im Alltag mit Betreuungsaufgaben beschäftigt, dann kann eine Reise bereits im Kindergartenalter (oder im Grundschulalter) unternommen werden.

Auch wenn die Eltern mit ihren Kindern die bevorstehende Reise mit den Großeltern rechtzeitig thematisieren und schon frühzeitig anfangen, einzelne Dinge in den Koffer zu packen, soll man erst mal mit einer kurzen Reise in die nähere Umgebung beginnen, damit man bei allzu großem Heimweh schnell wieder zurück kann. Erst nach und nach sollte die Entfernung und die Reisedauer gesteigert werden. Wie oft die Großeltern solche kleineren Reisen unternehmen sollten, wurde leider nicht gesagt. Fotos oder ein T-Shirt der Mutter sollten immer mitgenommen werden und jeden Tag mit den Eltern telefonieren sowieso. Die Wünsche der Eltern und die Gewohnheiten der Enkelkinder müssen genau abgeklärt werden, z. B. keine Naschereien, Mittagsschlaf zu einer bestimmten Zeit, nur Bio-Produkte beim Essen, kein Fernsehen usw. ….. was für ein Aufwand für eine doch eigentlich einfache und schöne Idee !

Bleibt zu hoffen, dass die Großeltern bei so viel Vorbereitung nicht den Spaß am Verreisen mit den Enkelkindern verlieren. Dass bei solchen Unternehmungen immer auch ein Risiko des Nicht-Gelingens besteht, ist glaube ich, ganz normal… für die Eltern und für die Großeltern auch.

P.S. Ich bin im Alter von 8 oder 9  Jahren mit einem Schild um den Hals in den Zug gesetzt worden, um für 6 Wochen bei mir völlig fremden Leuten Sommerferien zu machen, ohne Telefon, ohne ein Foto von meiner Mutter und ohne Vorbereitung der Gasteltern. An Heimweh kann ich mich nicht erinnern. Und weil das schöne Ferien waren, durfte ich das nächste Jahr wieder dort hinfahren. Ja, ja, ich weiß, das waren andere Zeiten. Wirklich?