vignette2012 Hello All, für Oma Sharon, drüben in den USA, war es bisher ein Graus gewesen. Das Internet und die „e-world“, wie sie den seelenlosen Gegenentwurf zur „real world“ nennt. Sie brauchte das nicht am Hood Channel, mit dem nordischen Regenwald bis zum Haus. Bis ihr kleiner Enkel samt Smart-Pad zur Übernachtung kam. Weil Bücher, vor allem Kinderbücher groß und sperrig sind, werden diese auf Reisen vom Tablet-Computer ersetzt, mit Kindergerechtem aus dem Internet. Ist dem Kleinen abends nach Eselgeschichten zumute – da kommen schon Zig- Eselfilmchen über YouTube ins Kinderzimmer getrottet. Oma Sharon staunte. Denn es gibt da ja durchaus auch „grüne“ Stories für die Kleinen. Aber warum lachte der kleine Schelm denn auf einmal so kess? So traf Oma Sharon auf „Talking Ben“ per Internet. Talking Ben ist ein wuscheliger Zeichentrickhund, angeblich ein ehemaliger Chemieprofessor der im Lehnstuhl Zeitung liest und telefoniert. Dabei kann man ihn kitzeln, worauf hin er drollig reagiert oder er spielt Echo, wenn man ihn anspricht. Er kann aber auch mächtig rülpsen – Auslöser des Kindergelächters. Eine andere Szene zeigt ihn beim Experimentieren mit Reagenzgläsern und, gewusst wie und auf dem Computerbild herumgewischt, macht es auch schon mal „Wum“ mit Rauchschwade und verkohltem Gesicht des zerstreuten Hundeprofessors.
Oma Sharon staunte nicht schlecht, einen Zweijährigen beim Hantieren mit dem Tablet- Computer zu beobachten. Sie nahm Nachhilfe beim Zweijährigen und schloss so eine Art Burgfrieden mit dem Tablet Computer, als Kinderbuch-Surrogat. Schritt zwei folgte prompt, als die Eltern noch eine Gebrauchsanweisung hinterließen, wie man „skypt“ – Internet-Telefon mit Sichtkontakt zum Anrufer. Die Eltern sagten nicht nur „Gute Nacht“ sondern zeigten auch noch mal schnell, wie es im Hotel aussieht. Oma wiederum konnte stolz demonstrieren, dass der Kleine in ihrer Obhut in den letzten 24 Stunden noch nicht verwahrlost war.
Die Moral der Geschicht‘: Oma Sharon ist seit dem Besuch ihres e-afinen Enkels ebenfalls Online. Mit WLAN im Haus und mächtig viel Schlauem zum grünen Gärtnern in der feuchten real world. Kann sich nun wöchentlich am Gedeihen nicht nur jenes Enkels per Internet-Bilder erfreuen. Dank Talking Ben und seinen dreckigen Rülpsern am Anfang. Bisweilen sind die Wege des Herren wirklich unergründlich…
Ihr Global Oldie