vignette2012 Hello All,  Herr Obama gönnte sich einen auf der Trauerfeier zu Nelson Mandela; der japanische Astronaut Aki Hoshide im Weltraum schwebend ebenfalls: Seinen Selfie. Das Foto von mir selbst. Laut AFP wurden im letzten Jahr  880 Milliarden Selfies geschossen. Vor solcher Popularität kapitulierte die ehrwürdige Institutionen des  Oxford English  Dictionary , erklärte das oder den  „Selfie“ zum Wort des Jahres und nahm es in das offizielle Repertoire der Weltsprache auf.  Bürger der Stadt Nürnberg werden müde lächeln: Eitle Selbstportraits von jungen Leuten gab’s hier schon vor 500 Jahren,  zu  Albrecht Dürers Zeiten – die vom Meister selbst Gepinselten hängen in der ersten Museenliga. Auch die Herren  Da Vinci und  Goya haben sich per gekonnter  Selfiepinselstriche der Nachwelt erhalten. Im Unterschied zu den alten Meistern kann nun heute fast jeder ein aktuelles Selbstportrait herstellen. Vorausgesetzt, man kann den Arm weit genug strecken.  Sekundenschnell geknipst und –  das ist die andere  neue Möglichkeit –  es ebenso flink der internetgeneigten Menschheit kundtun: So sah ich soeben aus,  mit meinem neuen Haarschnitt,  glücklich beim Frühstück  mit Thorsten,  während des Bungeesprungs aus 120 Meter Höhe, etc.
Der Selfie ist nicht nur ein preiswertes und flottes Selbstbildnis: Es ist eine Augenblicksaufnahme im Sinne von „soeben sehe ich so aus mit/bei/in/am und ich lasse Dich das wissen“. Selfies sind spontaner, ungeschminkter und damit etwas echter als Bilder aus Künstlerhand. Ehrlicher als ein Tagebuch mit gestelzten Worten – Mimik lügt schlecht.  Ich erhalte dank des Internets, Apple und WiFi nun wöchentlich Bilder von der weltweit verstreuten Familie. Dank Selfie kann ich zeitnah zurückschießen: In diesem Zustand (siehe Anhang) an diesem Ort erreichen mich Eure Bilder – Realitätscheck für die Lieben woanders: Haben die sich den Alten  so vorgestellt?  Der Fernsehmoderator Ben Aaron besuchte ein Seniorenheim in den USA, um den Leutchen dort im Schnellverfahren die Technik und den Spaß am Selfie zu vermitteln. Gibt es denn wandlungsfähigere Gesichter als die der Alten? Mit  den Falten, scheinbar überschüssiger Haut, Flecken und Schatten changieren  Altersgesichter viel stärker als die glatten  der Jungen;  Oldie-Selfies sind das Ding!  Dazu  kommt noch der soziale Bonus: Man rottet sich für Paarbilder  und Grüppchen zusammen, um einen „Usies“ – ein Bild von „uns“, den „us“ zu schießen; ach was eines? Die Chipkarten in den Smartphones sind geduldig und inzwischen sehr geräumig, da passen auch ein paar Hundert Usies und Selfies drauf – was soll der Geiz!  Selbst nicht ganz so gesellige Senioren sind für ein Usie zu animieren; das Interesse am eigenen Bild hält lange an. Da bastelt man sich die Karikatur vom eigenen Alltag – der einem in ein paar Wochen oder Monaten dann vielleicht schon wieder nostalgisch fremd erscheinen mag.   Wenn man es systematisch macht; sagen wir mal, jede Woche einen Selfie zur  gleichen Zeit und Situation – meine Freunde, Sie werden bei der Betrachtung dieser Zeitreihe  seeehr viel über sich selbst lernen; nehmen Sie es möglichst mit Humor.
Ihr Global Oldie