vignette2012  Hello All, Rückwärtsgehen ist „in“.  Japaner und Chinesen haben das „Retro Walking“ schon seit Tausend Jahren auf dem Übungsplan.  Als eine Mischung aus meditativem Tai Qi Gong oder Zen- Übungen und   senioren-gerechter Körperertüchtigung. Ab frühen Morgen starten die Rüstigen zum  „Liu Zao“, dem Morgenspaziergang – vor dem Frühstück; in betont zeitlupenlangsamen Gehen vorwärts, manche eben rückwärts.  Zu bestaunen in vielen öffentlichen Parks  Asiens. Allmählich findet  auch die westliche Welt Gefallen am „Retro Locomotion“. Als Pioniere mal wieder Amerikaner, den direkten Nachbarn Japans und Chinas, wenn man das Bisschen Pazifik als  Grenzgewässer gelten lässt. Die sicher zu tiefst seriöse University of Nevada empfiehlt da unter anderem 15 Minuten Retro Walking, allerdings auf dem Laufband – in notorischer Ermangelung an ungefährdet begehbaren Bürgersteigen oder öffentliche Parks. Wo auch immer: Rückwärts Gehen entlastet die im Alter oft delikaten Kniegelenke, beansprucht sportmedizinisch erwünscht die tieferen Rücken-, Ober- und Unterschenkelmuskeln und, das ist der Clou, verbrennt  bis zu 20 % mehr an Kalorien als das Vorwärtsgehen. Noch mehr sogar, wenn man dies präprandial, also vor dem Frühstück zelebriert – siehe China und Japan.  Zudem ist  Retrogehen dem Gleichgewichtssinn  förderlich; was den latent sturzgefährdeten Alten bestens ins Präventionsrepertoire passt. Die Kollegen aus der University of Oregon schlagen dazu eine wetterunabhängige, wohnungstaugliche  Variante vor: Fünf Schritte vorwärts, kurz auf einem Bein Balancieren und dann vier Schritte rückwärts, Balancieren – und weiter wie oben beschrieben.  Für diejenigen, die lieber auf die Uhr schauen als bis Fünf zählen gilt der Vorschlag, je eine Minute vorwärts zu marschieren und die gleiche Zeit rückwärts.  Es wäre nicht das Amerika, wie wir es lieben, wenn man dort nicht daraus eine wettbewerbstaugliche Sportart entwickelt hätte: Das „Retro-  Running“; wohl eher an das jüngere Publikum gerichtet, einschließlich neckischer Schikanen wie Steigungen und Treppen.

Da lobe ich mir die stressärmere, halbmeditative asiatische Urvariante. Auch, weil man  beim langsam Gehen in unseren öffentlichen Flächen den üppig servierten Hundekot bisweilen ausweichen  kann. Als weiteren Nebennutzen darf man auf eine Rückabwicklung des Karmas spekulieren; wie manche Fernöstliche, die per Retro-Gangweise symbolisch in die Vergangenheit zurückgehen, um das eine oder andere ungeschehen zu machen.

Ein bodenständiger Tipp zum Schluss: Solange das Retro – Walking hier zulande noch nicht allgemein populär ist, sollten Sie Ihre engsten Angehörigen, den Hausarzt und Nachbarn von ihrem neuen Frühsport unterrichten. Um zu vermeiden, dass  ihre  mentale Gesundheit bezweifelt  und fürsorglich die falsche professionelle Hilfe gerufen wird.

Ihr Global Oldie