
Der Selfie ist nicht nur ein preiswertes und flottes Selbstbildnis: Es ist eine Augenblicksaufnahme im Sinne von „soeben sehe ich so aus mit/bei/in/am und ich lasse Dich das wissen“. Selfies sind spontaner, ungeschminkter und damit etwas echter als Bilder aus Künstlerhand. Ehrlicher als ein Tagebuch mit gestelzten Worten – Mimik lügt schlecht. Ich erhalte dank des Internets, Apple und WiFi nun wöchentlich Bilder von der weltweit verstreuten Familie. Dank Selfie kann ich zeitnah zurückschießen: In diesem Zustand (siehe Anhang) an diesem Ort erreichen mich Eure Bilder – Realitätscheck für die Lieben woanders: Haben die sich den Alten so vorgestellt? Der Fernsehmoderator Ben Aaron besuchte ein Seniorenheim in den USA, um den Leutchen dort im Schnellverfahren die Technik und den Spaß am Selfie zu vermitteln. Gibt es denn wandlungsfähigere Gesichter als die der Alten? Mit den Falten, scheinbar überschüssiger Haut, Flecken und Schatten changieren Altersgesichter viel stärker als die glatten der Jungen; Oldie-Selfies sind das Ding! Dazu kommt noch der soziale Bonus: Man rottet sich für Paarbilder und Grüppchen zusammen, um einen „Usies“ – ein Bild von „uns“, den „us“ zu schießen; ach was eines? Die Chipkarten in den Smartphones sind geduldig und inzwischen sehr geräumig, da passen auch ein paar Hundert Usies und Selfies drauf – was soll der Geiz! Selbst nicht ganz so gesellige Senioren sind für ein Usie zu animieren; das Interesse am eigenen Bild hält lange an. Da bastelt man sich die Karikatur vom eigenen Alltag – der einem in ein paar Wochen oder Monaten dann vielleicht schon wieder nostalgisch fremd erscheinen mag. Wenn man es systematisch macht; sagen wir mal, jede Woche einen Selfie zur gleichen Zeit und Situation – meine Freunde, Sie werden bei der Betrachtung dieser Zeitreihe seeehr viel über sich selbst lernen; nehmen Sie es möglichst mit Humor.
Ihr Global Oldie




