Solche Töne ist man aus Japan, dem Reich der Langlebigkeit nicht gewohnt. Der Finanzminister hatte in einer Rede erklärt, dass alte Menschen, die auf künstliche Ernährung angewiesen sind, dem Staat auf der Tasche liegen. Sein ungewöhnlicher Sparvorschlag: Man sollte sie rasch sterben lassen. Das kam gar nicht gut an und kam einem politischen Harakiri des Ministers Taro Aso gleich. Später soll er seine drastische Aussage etwas abgemildert haben. Der Mann ist selber 72 Jahre alt. Er habe für sich entschieden, dass er schnell sterben möchte, ließ er das verblüffte Volk noch wissen.
In Japan werden die Alten meines Wissens noch geehrt. Natürlich ist das auch ein Mythos. Spätestens seit den Antidiskriminierungs-Filmtagen im November in Nürnberg weiß ich, dass auch dort junge Menschen Probleme haben, sich entsprechend um ihre Altvorderen zu kümmern. Trotzdem ist diese Entgleisung des Ministers eine Ungeheuerlichkeit.
In Deutschland diskutiert man immer wieder über Sterbehilfe. Aber mehr aus ethischen Gründen. Letztens habe ich mal eine Zahl gelesen, wieviele Menschen mit Hilfe einer entsprechenden Organsiation íhrem Leben ein Ende bereiten. Es sind weitaus weniger als die Diskussion darüber suggeriert.
Doch Sterbehilfe aus finanziellen Gründen: Das ist in jedem Fall und ohne Austausch von Argumenten strikt anbzulehnen.
Es reicht schon, wenn man die Menschen im Alter um ihr Erspartes bringt, indem man so gut wie keine Zinsen auf Spareinlagen zahlt und damit in der Summe ein großes Vermögen vernichtet, das viele Menschen mühsam auf die Seite gelegt haben. Es reicht auch, wenn man über den Wert von Operationen bei alten Menschen aus Kostengründen nachdenkt. Aber, was Aso über “Röhrenmenschen” sagte, wie er die künstlich ernährten Senioren nannte, das sollte weltweit einen Proteststurm entfachen, der den Politiker aus seinem Amt fegt.