Über die entfesselten Finanzmärkte habe ich mich in meinem Blog bereits öfter aufgeregt. Aber diesmal ist es wirklich makaber. Die von der Deutschen Bank angebotenen Fonds, die vom frühzeitigen Ableben einiger Amerikaner leben, sind in meinen Augen der Beweis, dass Gier wirklich keine Grenzen kennt. Jetzt haben sich die Gerichte damit beschäftigt und die Deutsche Bank für ihre Geldanlage gerügt. Nun haben die 10 000 Anleger die Möglichkeit, sich von dem “db Kompass Life 3” Fonds zu trennen. Mit diesem Schritt kommt die Bank einem Gerichturteil zuvor. Die Justiz hätte nun darüber entscheiden müssen, ob es sich bei dieser Geldanlage um ein sittenwidriges Produkt handelt. Als ob das überhaupt einer rechtlichen Klärung bedürfte.
Schließlich setzt der “db Kompass Life 3” anders als die beiden Vorgängerprodukte „db Kompass Life 1“ und „db Kompass Life 2“ nicht auf Lebensversicherungspolicen, die am Zweitmarkt aufgekauft wurden, was ich als weniger unmoralisch erachte. Obwohl selbst das grenzwertig ist, weil ja gar keine echte Wertschöpfung erfolgt, sondern lediglich eine Umetikettierung. Aber das muss jeder Spekulant mit sich selber ausmachen. Doch das kritisierte Geldprodukt wurde auf Basis eines Portfolios konstruiert, das 500 Personen aus den Vereinigten Staaten im Alter zwischen 70 und 90 Jahren zusammengestellt hat. Die Deutsche Bank hatte in einer Informationsbroschüre bei der Auflage des Fonds selbst darauf hingewiesen, dass die Wertentwicklung maßgeblich von der tatsächlichen Lebenszeit der Referenzpersonen bestimmt werde. Die erwiesen sich nun als langlebiger als gedacht. Das ist der Grund, warum die offenbar ohne moralische Skrupel behafteten Anleger nun ihren Unmut zeigten. Sie hätten von einem schnellen Tod der Testpersonen mehr profitiert als von deren langen Leben. Sie hatten geklagt, weil angeblich veraltete Sterbetafeln verwendet worden waren. Dies war ihrer Ansicht nach der Grund für die enttäuschende Wertentwicklung des „db Kompass Life 3“.
Nun werden sie abgefunden. Hätte es nicht Widerstand dagegen gegeben, vielleicht wäre es bald ein Verkaufsschlager und ein Stoff für einen spannenden Thriller geworden.
Ich bin jedenfalls froh, dass es doch noch Kontrollsysteme gibt, die eine solche zynische Gewinnmehrung verhindern.