Im Europäischen Jahr des Ehrenamts beschäftigen sich viele mit dieser Form gesellschaftlichen Engagements. Aber nicht immer kommt die Forderung gut an, dass sich ältere Bürger im Ruhestand für andere einsetzen sollen. Das Motto des Landesseniorenrats Baden_Württemberg “Langlebigkeit verpflichtett” gibt Anlass, darüber einmal nachzudenken.
Die Aktion wurde zwar mit einer großen Veranstaltung 2009 abgeschlossen, doch der Kern der Botschaft ist aktueller denn je zuvor. Im Grunde ist es zu begrüßen, wenn Senioren ausgebildet werden, um andere beim Helfen anzuleiten. Doch ist helfen gegen Gotteslohn tatsächlich eine Verpflichtung?
Oder sollte es nicht mehr aus dem Bedürfnis heraus entstehen, etwas Gutes zu tun? In der Begrifflichkeit Freiwilligenarbeit liegt eine ähnliche Problematik. Wenn diese Arbeit freiwillig ist, wann wird dann eine zwangsweise Rekrutierung daraus? Statt Zivildienst ein Seniorendienst? Es scheint vielen nicht klar zu sein, dass ein langes Arbeitsleben Spuren hinterlässt und manche den Wunsch haben, nun endlich das Leben ohne große Einschränkungen zu genießen. Wer weiß, wie lange das noch geht, denken sich Ruheständler, die zunehmend zu zweit alt werden. Sie reisen gerne, pflegen Kontakte und nehmen häufig am kulturellen Leben teil. Ein Ehrenamt kann dagegen eine große Aufgabe sein. Wer Vereinsvorsitzender ist oder einen regelmäßigen Dienst ableistet, der ist gebunden.
Zahlreiche Rentner benötigen im Ruhestand ein Zubrot. Sie würden lieber einen Minijob machen als unendgeldlich zu arbeiten. Aber darüber spricht man nicht im geichen Maße wie über die Möglichkeiten, gerade im sozialen Bereich wegfallende Leistungen durch Wohlfahrtsverbände und öffentliche Hand mit älteren Ehrenamtlichen sicherzustellen
Ich glaube, da liegt ein Mßverständnis vor. Ehrenamt heißt immer, dass man hinter der Sache steht, die man mit seiner Arbeit unterstützt. Die Interessen derer, die sich engagieren möchten, können aber weit von den Vorstellungen derjenigen abweichen,die Freiwilligenarbeit organisieren. Die also einen Überblick haben, wo sich Betreuungslücken auftun.
Ich meine, es gibt noch viel Diskussionsbedarf, und zwar nicht nur darüber, ob wenigstens die Fahrtkosten ersetzt werden.
Das Magazin 66 hat eine Ehrenamtsbörse geschaffen für alle, die sich engagieren möchten, sei es ein paar Stunden oder mit voller Kraft. Not gibt es überall. Manchmal braucht es auch nicht viel, um einen Menschen glücklich zu machen. Auf das richtige Maß kommt es eben an. Also sollten sich die Politiker bei ihren Zugriffen auf die Ruheständler mäßigen und nicht glauben, dass arbeiten bis 67 und anschließend ein Engagement bis zur eigenen Pflegebedürftigkeit die allein selig machenden Faktoren bei der Gestaltung des Ruhestands sind.